Porträt Shootingstar aus Halle: Warum Saskia Rosendahl gern Hebamme wäre

Sie spielte in "Babylon Berlin", in von Donnersmarcks Künstler-Epos "Werk ohne Autor" und in Dominik Grafs meisterhafter Kästner-Verfilmung "Fabian". Sie galt als Naturtalent, inzwischen räumt die junge Hallenserin mit ihrem sensiblen Spiel renommierte Preise ab so wie gerade für "Niemand ist bei den Kälbern" bei den Filmfestspielen von Locarno – und nennt Erfolg eine "krasse Herausforderung".

Gefeiert wurde sie am Anfang ihrer Karriere als Naturtalent, inzwischen ist die junge Hallenserin eine gestandene Schauspielerin, die für renommierte Preise nominiert wird und sie abräumt, auch international.

Halle ist mein Zuhause, mein Hafen, so sehr ich da wegmusste an irgendeinem Punkt.

Saskia Rosendahl Schauspielerin

Mit "Fabian" im Rennen um den Deutschen Filmpreis, ausgezeichnet in Locarno

Christin (Saskia Rosendahl) in einer Szene des Films «Niemand ist bei den Kälbern»
Saskia Rosendahl als Christin in "Niemand ist bei den Kälbern", verloren auf dem Land. Bildrechte: dpa

Nominiert war die 28-Jährige gerade im Rennen um den Deutschen Filmpreis für die beste weibliche Hauptrolle in Dominik Grafs meisterhafter Kästner-Verfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde" an der Seite von Tom Schilling. Beim Filmfestival von Locarno wurde sie soeben ausgezeichnet als beste Darstellerin für ihre Rolle in "Niemand ist bei den Kälbern" über ein junges Paar, das in der Einöde Mecklenburg-Vorpommerns zu ersticken droht, der Film kommt Anfang nächsten Jahres ins Kino. Sie spielte in "Weissensee", "Babylon Berlin" oder Hans-Christian Schmids hoch gelobter Krimi-Serie "Das Verschwinden".

Erfolg als "krasse Herausforderung"

Tom Schilling (l-r), Saskia Rosendahl, Regisseur Dominik Graf, Meret Becker, Eva Medusa Gühne und Albrecht Schuch.
Beim Filmdreh für "Fabian" in Görlitz an der Seite von Tom Schilling (l.) Bildrechte: dpa

Sie sei dankbar für die Erfolge, das Lob und die Wertschätzung, sagt Saskia Rosendahl im Gespräch mit Filmkritiker Knut Elstermann, um dann zu gestehen, obwohl sie Schauspielerin sei, stehe sie nicht gern im Mittelpunkt. Erfolg sei das Schlimmste, was einem im Leben passieren könne, diesen Satz habe sie gerade in einem Buch gelesen und "total verstanden". Denn alles, was emotional damit einher gehe, sei für sie eine "krasse Herausforderung".

Von Abhängigkeit und Gestaltungswillen

Florian Lukas als Martin und Saskia Rosendahl als seine Tochter Lisa
Florian Lukas als Martin und Saskia Rosendahl als seine Tochter Lisa in "Weissensee" Bildrechte: MDR/Julia Terjung

Auch wenn es so aussieht, als könne sie sich inzwischen die Rollen aussuchen, nach all den Erfolgen in den letzten zehn Jahren bleibt für sie das Grundgefühl von "Unsicherheit und einer krassen Abhängigkeit", weil immer wieder alles auf der Kippe stehen könne. Mehr gestalten zu können, das würde sie sich für ihre Arbeit als Schauspielerin wünschen, vom "Urmoment" an und nicht erst am Set eingebunden zu sein.

Fasziniert vom Hebammenberuf

Daher komme auch das Bedürfnis, neben der Schauspielerei noch etwas anderes zu haben, was einen "höheren Sinn" bedeute. Sie wäre wohl Hebamme geworden, wenn es nicht, durch glückliche Fügungen, anders gekommen wäre, meint Saskia Rosendahl. Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können, in einer Atmosphäre des Vertrauens zu arbeiten, das Direkte und Körperliche fasziniere sie an diesem Beruf. Derzeit bildet sie sich in Baby-Massage weiter.

Tanzen als Grundlage für intuitives Spiel

Erste Schritte auf der Bühne machte Saskia Rosendahl beim Kinderballett der Oper Halle, später auch am neuen theater Halle. Das Tanzen und den so erlernten bewussten Umgang mit der eigenen Körperlichkeit sieht die Autodidaktin heute noch als Grundlage ihres Spiels. Nicht studiert zu haben, das bedeute vielleicht eine Begrenzung. Kritiker wiederum bewundern ihre intuitive Spielweise als von traumwandlerischer Sicherheit geprägt.

Motivationen ergründen: Wie wird man, wer man ist?

Für Aufsehen sorgte sie damit zuerst in "Lore", in dem Film von Cate Shortland spielte die damals 17-Jährige die Titelrolle; ein junges Mädchen, das sich in den letzten Kriegswirren durchschlägt und zugleich beginnt, seine faschistische Verblendung zu erkennen.

Historische Stoffe ziehen sie an, das Interesse dafür mündet seither immer mehr darin, "krass analytisch" zu sein, alles wissen zu wollen über die Umstände, um der Motivation einer Figur auf den Grund zu gehen – und in der Gegenwart anzukommen.

Mir ist es wichtig, erstmal drei Schritte zurückzugehen und zu fragen, was ist mit dieser Generation passiert, warum handelt eine Person so, warum hat sie es nicht anders gelernt?

Saskia Rosendahl Über ihre Rolle als Jenny in "Wir sind jung. Wir sind stark"

So spielte sie die Jenny in "Wir sind jung. Wir sind stark" in Regie von Burhan Qurbani (Berlin Alexanderplatz), der am Beispiel einer Gruppe Jugendlicher erzählt, wie es zu den rechtsradikalen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 kam. Von den Ereignissen habe sie erst durch den Film erfahren, was auch bezeichnend sei, meint Saskia Rosendahl. Das Nachforschen, Nachdenken über Motivationen sei ihr wichtig.

Zur Ruhe kommt Saskia Rosendahl in ihrer Heimatstadt Halle, das sei ihr Hafen, mit Familie und Freunden und einer Kulturszene, die sie schätze.

Theater in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Oktober 2021 | 12:00 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR