DEFA-Klassiker "Sachsens Glanz und Preußens Gloria": Was aus den Darstellern wurde

Schauspielerinnen und Schauspieler wie Dietrich Körner, Marzena Trybała und Ezard Haußmann feierten 1983 mit der sechsteiligen Serie "Sachsens Glanz und Preußens Gloria", die vom Aufstieg und Fall des sächsischen Königshauses im 18. Jahrhundert erzählt, große Erfolge. Überhaupt war die teuerste DEFA-Produktion aller Zeiten, die u.a. in Sachsen gedreht wurde, bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt. Was wurde aus den Darstellern? Ein Blick auf ausgewählte Schauspielerinnen und Schauspieler.

Dietrich Körner (König August II. von Sachsen) (li), Marzena Trybala (Anna Constantina von Hoym, spätere Gräfin Cosel) (re)
Dietrich Körner (als August der Starke) und Marzena Trybała (als Anna Constantia von Hoym, die spätere Gräfin Cosel) – was folgte nach "Sachsens Glanz und Preußens Gloria"? Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Siegfried Skoluda

Dietrich Körner (August der Starke)

Dietrich Körner als Kammersänger Löwenhaupt mit Gans Auguste
Dietrich Körner als Kammersänger Löwenhaupt in "Die Weihnachtsgans Auguste" Bildrechte: MDR/RBB

Als der in Leipzig geborene Schauspieler Dietrich Körner 1983 August den Starken mimte, befand er sich bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hatte in DEFA-Filmen wie "Die schwarze Galeere" (1962), "Die gefrorenen Blitze" (1967) und "Effi Briest" (1970) mitgespielt und war einem großen Publikum durch seine Rolle in der TV-Reihe "Polizeiruf 110" bekannt geworden. Nach "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" spielte er sich als Vater Löwenhaupt im Kinderfilm "Die Weihnachtsgans Auguste" (1988) in die Herzen der Zuschauer. Zuletzt war er in der ZDF-Serie "Der letzte Zeuge" (1999) zu sehen. Der Schauspieler starb 2001 im Alter von 72 Jahren in Berlin.


Rolf Hoppe (August der III.)

Rolf Hoppe als Friedrich Wieck, 2010
Spielte in seinem Leben mehr als 400 Rollen: Rolf Hoppe Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Mit Rolf Hoppe wirkte einer der ganz großen deutschen Schauspieler in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" mit. Hoppe war zu diesem Zeitpunkt bereits zum Weltstar avanciert, nachdem er als Nazi-General in István Szabós Film "Mephisto" (1981) brilliert hatte. Der Dresdner konnte in den 80er-Jahren der DDR aus einer Flut an internationalen Angeboten wählen und entschied sich gern für jene, die ihn an exotische Plätze führten, etwa "Ein Chinese sucht seinen Mörder" (1987).

Hoppes Karriere ging auch nach der Wende ohne Brüche weiter. Er war in zahlreichen TV-Rollen zu sehen und spielte sich als Alt-Nazi in "Schtonk!" (1992) oder mit seinem verschmitzt-altersweisen Rabbi in "Alles auf Zucker!" (2004) in die Erinnerung der Zuschauer. Hoppe starb 2018 im Alter von 87 Jahren.


Marzena Trybała (Gräfin Cosel)

Marzena Trybała in der Serie "Barwy szczęścia"
Marzena Trybała in der Serie "Barwy szczęścia" Bildrechte: Artrama, Poland

Mit ihrer Darstellung der Gräfin Cosel in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" wird die in Krakau geborene Schauspielerin Marzena Trybała zur Protagonistin einer der schillerndsten Liebesgeschichten der Barockzeit. Heute blickt die 70-jährige Polin auf ein bewegtes Schauspielleben und eine Filmografie von etwa 50 Filmen zurück, darunter "Roman und Magda" (1979) und "Drei Farben – Weiß" (1994). Aktuell feiert Marzena Trybała mit der TV-Soap "Barwy szczęścia" ihr Comeback im polnischen Fernsehen.


Arno Wyzniewski (König Friedrich II. von Preußen)

Arno Wyzniewski (König Friedrich II. von Preußen)
Arno Wyzniewski als König Friedrich II. von Preußen, der Sachsen die Flötentöne beibringt. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Heinz Pufahl

Auch Wyzniewski, 1938 in Berlin geboren, war kein Unbekannter, bevor er den drahtigen Preußen in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" spielte. Von 1965 bis 1976 spielt er an der Volkbühne in Berlin. Seit 1977 gehört er dem Berliner Ensemble an und spielt dort unter anderem den Kardinal Inquisitor in Brechts "Galileo Galilei" (1978), den Peachum in der "Dreigroschenoper" (1981) oder den Mephistopheles in Goethes "Urfaust" (1984). Seit den 1960er-Jahren arbeitete er für die DEFA, mit Regisseuren wie Slatan Dudow, Kurt Maetzig, Günter Reisch ("Wie die Alten sungen") oder Martin Hellberg ("Viel Lärm um nichts"). In der Verfilmung des Antikriegsromans "Die Abenteuer des Werner Holt" (1964/65) verkörperte er den jungen Soldaten Sepp Gomulka als sensiblen Zweifler, "der lieber zum Feind überläuft, als sich dem deutschen Wahn bis in den Tod hinzugeben" (DEFA-Stiftung). Später mimte er NS-Propagandaminister Joseph Goebbels im Ernst-Thälmann-Fernseh-Zweiteiler (1986). Einem jüngeren Publikum war er durch den Kinderfilm "Die Reise nach Sundevit" (1965/66) von Heiner Carow oder durch seine Rollen in DEFA-Märchenfilmen wie "König Drosselbart" (1965), "Der Hase und der Igel" (1982) oder "Rapunzel" (1988) bekannt.

Seine große Begabung konnte er Kritikern zufolge nur selten in Hauptrollen zeigen. Seine Karriere ging aber auch nach der Wende weiter. Auf der Leinwand war er im letzten DEFA-Film "Novalis – Die blaue Blume" als August Just zu sehen. Er agierte in Fernsehspielen wie "Die Ritter der Tafelrunde" (1990) oder "Olli in der Unterwelt" (1994). Auch er hatte seinen Auftritt im "Tatort". Bis kurz vor seinem Tod stand er für den TV-Film "Der Coup" vor der Kamera. Wyzniewski starb 1997.


Alfred Struwe (Graf Jakob Heinrich von Flemming)

Alfred Struwe und Helga Pur
Alfred Struwe und Helga Piur in "Zahn um Zahn" Bildrechte: dpa

Alfred Struwe war bereits vor "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" ein bekannter DEFA-Schauspieler. So wirkte er zum Beispiel im Indianerfilm "Ulzana" (1974) und im Science-Fiction-Streifen "Im Staub der Sterne" (1976) mit. Seine Schauspielkarriere begann er am Theater Greiz und spielte danach auf den Bühnen in Zittau, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und Dresden.

In den 1980er-Jahren war Struwe ein beliebter TV-Schauspieler in der DDR, der vor allem durch seine Rolle als kauziger Zahnarzt in der Familienserie "Zahn um Zahn" im Gedächtnis bleibt. Alfred Struwe starb 1998 in Potsdam.


Klaus Piontek (Freiherr Adolph von Hoym)

Klaus Piontek
Nach "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" arbeitete Klaus Piontek als erfolgreicher Synchronsprecher. Bildrechte: dpa

Bevor Klaus Piontek (1935 in Trebnitz geboren) die Rolle des Freiherrn Adolph von Hoym spielte, war er bereits viele Jahre auf Theaterbühnen und Fernsehbildschirmen zu sehen. Die Schauspielerei hatte er an der Theaterhochschule Leipzig erlernt. Nach Engagements am Volkstheater Halberstadt und am Staatsschauspiel Dresden arbeitete Piontek ab den 60er-Jahren vermehrt als Film- und Fernsehdarsteller mit Rollen in DEFA-Produktionen wie "Die erste Reihe" (1987) und war als Synchronsprecher in zahlreichen Hörspielen zu erleben.

Dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin gehörte er bis zu seinem Tod im Jahr 1998 an. Zum letzten Mal sah man Klaus Piontek als Oberst in "Der Hauptmann von Köpenick" (1997) vor der Kamera.


Jan Spitzer (Rittmeister Olaf von Rosen)

Nina Kern (Katrin Saß), geschiedene Mutter dreier Kinder, kommt mit dem Leben nicht klar. Man will ihr das Erziehungsrecht entziehen. In Werner (Jan Spitzer), einem soliden Mann, findet sie zunächst neuen Halt.
Jan Spitzer mit Schauspielkollegin Katrin Saß in "Bürgschaft für ein Jahr" (1981) Bildrechte: MDR/Defa

1947 in Sangerhausen geboren, führte das Schauspielstudium Jan Spitzer zunächst an die renommierte Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Es folgten diverse Engagements an verschiedenen Theatern, unter anderem in Altenburg und Halle an der Saale. Zwischenzeitlich versuchte er sich als Musiker. In "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" verkörperte er den Kavallier Rittmeister Olaf von Rosen.

Heute ist Jan Spitzer überwiegend als Synchronsprecher tätig und leiht unter anderem Schauspielern wie James Remar, Chris Cooper, Jon Voight, Ted Levine und Brad Garrett seine Stimme.


Jörg Kleinau (Karl XII., König von Schweden)

Jörg Kleinau
Jörg Kleinau war ein vielbeschäftigter Schauspieler der DEFA und steht noch heute auf der Bühne. Bildrechte: Max Conrad

Nach Jörg Kleinaus Ausbildung an der Staatlichen Schauspielschule in Rostock folgten alsbald erste Theater-Engagements. Von 1978 bis 1980 spielte er am Theater der jungen Generation in Dresden, unter anderem in den Stücken "Minna von Barnhelm", "Die Schneekönigin" und "Der kaukasische Kreidekreis". Auch nach seiner Verkörperung von Karl XII., König von Schweden, in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" fuhr er mit den Produktionen "Irrläufer" (1985) und dem DEFA-Märchenfilm "Der Bärenhäuter" (1986) weitere filmische Erfolge ein.

Nach der Wende wirkte Jörg Kleinau in verschiedensten Theater-, Film- und Fernsehproduktionen mit, darunter "Der Dolch des Batu Khan" (2005). Bei den Karl-May-Spielen 2012 in Bad Segeberg verkörperte er in "Winnetou II" die Rolle des Old Death. Zuletzt war Kleinau 2017 im Spielfilm "Ich Ich Ich" (2017) zu sehen.


Leander Haußmann (Graf Heinrich von Brühl)

Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Schauspieler und Regisseur Leander Haußmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit seiner Rolle als junger Graf Heinrich von Brühl gab der Quedlinburger Leander Haußmann in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" sein Fernsehdebüt. Dafür lernte er sogar Reiten. In der DDR war er zunächst an verschiedenen Theatern tätig, unter anderem am Stadttheater Gera. Nach der Wende arbeitete er fünf Jahre am Deutschen Nationaltheater Weimar, bevor er 1995 bis 2000 die Intendanz am Schauspielhaus Bochum übernahm.

Einem breiten Publikum ist Haußmann aber vor allem durch seine Arbeit hinter der Kamera bekannt geworden. Seinen Durchbruch als Regisseur feierte er mit Kultfilmen wie "Herr Lehmann" (2003). Mit seinem neuen Film "Stasikomödie", der voraussichtlich im September 2021 in die Kinos kommt, komplettiert Leander Haußmann seine DDR-Trilogie, zu der bis dato "Sonnenallee" (2000) und "NVA" (2005) zählen.


Ezard Haußmann (Graf Heinrich von Brühl)

Molavcova (Gräfin Brühl) (li), Ezard Haußmann (Heinrich Graf von Brühl (re)
Ezard Haußmann als Heinrich Graf von Brühl (r.) mit Gattin Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Heinz Pufahl

Oft kommt es wohl nicht vor, dass sich Vater und Sohn eine Rolle teilen: Während Leander den jungen Brühl spielte, gab Ezard Haußmann den gereiften Grafen als Karrieristen, der den König zur Marionette seiner Interessen macht. Ein großer Auftritt nach langer Pause. Ezard Haußmann spielte am Deutschen Theater und der Volksbühne in Berlin, wo er u.a. in 265 Vorstellungen den Harpagon im "Geizigen" von Molière verkörperte. Er stellte sich nicht nur auf Kneipentische und hielt DDR-kritische Reden, er protestierte auch gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. Zehn Jahre Berufsverbot waren die Konsequenz. Mit den Dreharbeiten zu "Sachsens Glanz" begann 1983 die wohl "glücklichste Zeit seines Lebens", sagte Sohn Leander Haußmann über seinen Vater.

Ezard Haußmann, geboren 1935 in Berlin, spielte am Burgtheater Wien und als Gast in Basel, er ging erfolgreich auf Tournee mit Stücken wie "Die Glut" von Heribert Sasse nach dem Buch von Sándor Márai oder mit Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" und war erfolgreich mit Lesungen. Außerdem spielte er in mehr als 150 Fernsehfilmen. Nach der Wende war er in Serien wie "Abenteuer Airport" zu sehen. Er wirkte mit in "Sonnenallee", "NVA" oder im "Deutschlandspiel". Sein Versuch, 2003 das Berliner Schlosspark Theater als Traditionsspielstätte zu erhalten und sich als Intendant zur Verfügung zu stellen, scheiterte. Er starb 2010.


Rolf Mey-Dahl (Johann Friedrich Böttger)

Rolf Mey-Dahl
Rolf Mey-Dahl war Schauspieler, Schriftsteller und Direktor des Potsdamer Kabaretts "Am Obelisk" Bildrechte: privat/ost-nordost

Geboren 1937 in Magdeburg wächst Rolf Mey-Dahl im nahe gelegenen Bördedorf Dahlenwarsleben auf. Auch als Schauspieler bleibt er seiner Heimat zunächst verbunden und spielt am Magdeburger Theater Rollen wie "Bel Ami", den "Cyrano de Bergerac" und "Fiesco". Seine Rolle im Sachsen-Epos als Johann Friedrich Böttger bringt ihm große Popularität ein.

Zusätzliche Bekanntheit verschafften ihm seine Rollen im Krimiformat "Polizeiruf 110: Gier" (1986) sowie im Karl-May-Klassiker "Präriejäger in Mexiko" (1988). Nach der Wende übernahm Mey-Dahl den Direktorenposten am Potsdamer Kabarett "Am Obelisk". Außerdem verfasste er als Schriftsteller nicht nur satirische Kolumnen und Gedichte, sondern veröffentlichte im Jahr 2009 seinen ersten und letzten Roman "Die Schwarze Anna". Rolf Mey-Dahl verstarb im Herbst 2013.


Hans Knötzsch (Friedrich von Vitzthum)

Mit seiner Darstellung des königlich-sächsischen Diplomaten Friedrich von Vitzthum in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" spielt sich der 1923 geborene Leipziger Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Hans Knötzsch in die Herzen des Publikums. Zuvor hatte er bereits in der fünfteiligen Spielfilmproduktion "Daniel Druskat" (1976) mitgewirkt. Zudem prägte er als Regisseur diverser Produktionen das DDR-Fernsehen entscheidend mit, etwa mit dem zweiteiligen DEFA-Fernsehfilm "Präriejäger in Mexiko" (1988). Hans Knötzsch starb 1996 in Berlin.


Gunter Schoß (Graf Joseph von Sulkowski)

Der Schauspieler und Sprecher Gunter Schoß im Hörspielstudio des MDR bei Aufnahmen der Lesung des Romans "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Robert Louis Stevenson, 2020
Der Schauspieler und Sprecher Gunter Schoß im MDR-Hörspielstudio bei Aufnahmen einer Lesung Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Als Gunter Schoß seine Rolle als Graf Joseph von Sulkowski in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" antrat, konnte er bereits auf ein beeindruckendes filmisches Repertoire zurückblicken. Seine Darstellung des Egon in der Roman-Verfilmung "Egon und das achte Weltwunder" (1964) hatte ihn knapp 20 Jahre zuvor schlagartig berühmt gemacht. Es folgten die DDR-Serie "Das unsichtbare Visier" (1973) sowie der Fünfteiler "Scharnhorst" (1978).

Auch nach der Wende konnte Schoß an seine Erfolge anknüpfen. Heute kennt ihn ein breites Publikum aus zahlreichen Krimi-Reihen und Serienrollen oder aber als Hörspiel- und Synchronsprecher. 1995 wurde Gunter Schoß als Sprecher der Dokumentation "Drei Stunden Güstrow" mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Ab 1999 moderierte er 16 Jahre lang die MDR-Reihe zur "Geschichte Mitteldeutschlands".

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 27. Dezember 2020 | 22:00 Uhr

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