Theater der Jungen Welt in Leipzig TdJW-Intendantin Karnofka: "Theater muss sich dem Digitalen öffnen"

Winnie Karnofka ist seit Spielzeitbeginn neue Intendantin an Deutschlands ältestem Kinder- und Jugendtheater, dem Theater der Jungen Welt in Leipzig. Sie löst Jürgen Zielinski ab, der nach 18 Jahren in den Ruhestand geht. Ein Generationenwechsel, der die Möglichkeit bietet, neue Akzente zu setzen. Welche das sind, darüber hat MDR KULTUR mit der neuen Intendantin gesprochen.

Winnie Karnofka
TdJW-Intendantin Winnie Karnofka Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Theater der Jungen Welt (TdJW) in Leipzig hat mit Winnie Karnofka in der neuen Spielzeit auch eine neue Intendantin. Karnofka löst Jürgen Zielinski ab. Er geht nach 18 Jahren als Chef an Deutschlands ältestem Kinder- und Jugendtheater in den Ruhestand.

Die Corona-Pandemie stellt die neue Intendantin vor besondere Aufgaben. Man müsse herausfinden, was das Theater für eine Aufgabe habe, wenn Schulen nicht ins Haus kommen könnten. Abgesehen von Corona geht mit Karnofka auch ein Generationswechsel einher, der neue Antworten fordert. Wie muss ein Theater aussehen, das sich in Konkurrenz zu digitalen Unterhaltungsangeboten und Diskursräumen behaupten will? Wie kann ein Theater auch zum Mitspielen und Mitmachen anregen, in einer Zeit, in der physische Bewegung immer mehr ins Hintertreffen gerät?

Digital Natives müssen angesprochen werden

Live sei wichtig, digital aber auch, sagte Karnofka MDR KULTUR. "Wir haben eine Zuschauergruppe, die einfach Digital Natives sind. Da fängt digital schon beim Denken an. Ich glaube, man muss beide Welten irgendwie zusammen bringen." Verschließen dürfe sich das Theater davor nicht, wenn es diese Zielgruppe erreichen wolle.

Aber ich glaube, wenn Theater sich nicht einem digitalen Denken öffnet – was auch immer das heißen mag, das finden wir ja alle gerade heraus – dann gute Nacht. Dann wird uns früher oder später eine Generation nicht mehr zuhören.

Winnie Karnofka, Intendantin des TdjW

In der kommenden Spielzeit hat Winnie Karnofka zwei Tänzer fest engagiert. Tanz sei ihr wichtig, gerade in einer digitalen Zeit, die potentielle Theatergänger und Mitspieler ans Handydisplay fesselt: "Bewegen sich Kinder überhaupt noch? Und wenn, wie? Was kann ich mit meinem Körper alles machen? Das finde ich auch in der partizipativen Arbeit einfach wichtig. Das versuchen wir jetzt vermehrt zu machen."

75-jähriges Jubiläum im kommenden Jahr

Als Traditionshaus wurde das Theater der Jungen Welt 1946 gegründet. Es ist heute das älteste Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Im Jahr 2021 feiert das Haus 75-jähriges Bestehen – eine Zeit, in der sich auch viel verändert hat: "Man hat diese lange, lange Zeit, die auch so unterschiedlich war. Am Anfang war es ja tatsächlich nur für Kinder. Was ich so interessant finde, ist, wie sich das so verwandelt hat und sich immer – auch nach der Wende – einer Gesellschaft, einer Jugend, einer jungen Generation angepasst  hat und sich auch immer mehr erweitert hat", so Kanofka.

Das TdJW sehe sich zwar als Theater für ein junges Publikum – auf ihnen liege der Fokus. Es sei aber auch immer mehr ein Generationentheater geworden.  

Spielzeit Die Spielzeit am Theater der Jungen Welt beginnt am 12. September mit "Es war Zweimal", ein Tanzstück für – wie es am TdJW heißt – "Alle und Allerkleinste".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. August 2020 | 07:45 Uhr