Multiplex-Kino Gera Christian Pfeil: Rettet er das UCI-Kino in Gera?

Mareike Wiemann
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Bislang hat Christian Pfeil sich in Gera vor allem dem Betrieb des Metropol-Programmkinos gewidmet. Doch seitdem die UCI-Kette angekündigt hat, sich aus der Stadt zurückzuziehen, erwägt er ernsthaft, in den Spielort für Blockbuster-Filme zu investieren. Vor allem aus Verbundenheit zu seiner Geburtsstadt liegt ihm daran, Geras Kinokultur zu erhalten und insbesondere dem Deutschen Kinder Medien Festival "Goldener Spatz" weiterhin eine Bühne zu bieten.

Schauspieler Christian Pfeil (Betreiber Monopol Kino)
Christian Pfeil leitet Programmkinos in München, Fürstenfeldbruck, Stegen und Gera. Bildrechte: imago/Stefan M Prager

Noch laufen die Gespräche zwischen UCI und dem Vermieter des Kino-Gebäudes. Denn nach wie vor ist unklar, ob die spontane Kündigung wegen Baumängeln rechtlich in Ordnung ist oder nicht. Programmkinobetreiber Christian Pfeil wartet darauf, dass endlich Klarheit herrscht. Denn er möchte, dass das deutsche Kindermedien-Festival "Goldener Spatz" auch in diesem Jahr an einem angemessenen Ort stattfinden kann.

"Wir werden da helfen. Schon allein, weil wir ein großes Interesse an der Stadt haben. Wir werden helfen, sowohl mit unserem Kino, was schon da ist. Und wenn es darum geht, für dieses Jahr Alternativspielorte zu finden, dann werden wir auch da helfen. Wenn es uns schon gelingt, eine Lösung mit dem UCI zu finden, dann gehen wir halt da rein!"

Goldener Spatz im Haus der Kultur Anm. der Redaktion: Die Eröffnung des Goldenen Spatzes soll in diesem Jahr im Haus der Kultur stattfinden. Das teilte Kulturamtsleiterin Claudia Tittel MDR KULTUR mit. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Christian Pfeil stand dies noch nicht fest.

Das UCI-Kino in Gera, 1997 kurz vor der Eröffnung. 60 min
Bildrechte: dpa

Das UCI-Kino Gera hat im Dezember 2020 den Standort aufgegeben. Das langjährige Festivalkino steht also nicht mehr zur Verfügung. Was bedeutet das für den "Goldenen Spatz"? Stimmen aus der Szene.

MDR KULTUR - Das Radio Di 02.02.2021 22:00Uhr 59:37 min

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Das UCI-Kino in Gera, 1997 kurz vor der Eröffnung. 60 min
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Das UCI-Kino Gera hat im Dezember 2020 den Standort aufgegeben. Das langjährige Festivalkino steht also nicht mehr zur Verfügung. Was bedeutet das für den "Goldenen Spatz"? Stimmen aus der Szene.

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Kinostandort Gera erhalten

Das UCI-Kino in Gera, 1997 kurz vor der Eröffnung.
Das UCI-Kino in Gera, 1997 kurz vor der Eröffnung. Bildrechte: dpa

Klare Worte – von einem, der in Gera geboren wurde. Und noch immer einen großen Bezug zur Stadt hat, auch wenn er schon seit Jahren in München lebt. Christian Pfeil ist zudem Kinoenthusiast durch und durch. Vor sieben Jahren machte er das lang geöffnete Metropol-Kino in Gera wieder auf. Und führt es – entgegen aller Unkenrufe zu Beginn – mittlerweile ziemlich erfolgreich. Nun will er den Schritt vom Arthouse- zum Blockbuster-Kino wagen. Einfach, weil es diese Programmfarbe in Gera brauche, wie er bekräftigt. Vor Kurzem hat er deswegen Verhandlungen mit dem Vermieter aufgenommen.

"Natürlich ist ein Kino mit 2.000 Plätzen für Gera total überdimensioniert. Das ist Quatsch. Das konnte man nur in Banker-Blüten-Träumen in den Neunzigern irgendwie verkaufen. Gera hatte vor der Gründung des UCI 1.000 Plätze, und die haben auch immer perfekt ausgereicht. Ideal wäre für Gera ein gutes Multiplex-Kino mit fünf, sechs Leinwänden. Aber wenn es dann sieben werden, und das dann günstig hergeht, dann machen wir das."

Ideal wäre für Gera ein gutes Multiplex-Kino mit fünf, sechs Leinwänden. Aber wenn es sieben werden, dann machen wir das.

Christian Pfeil, Programmkinobetreiber

Auch wenn 2020 für den Kinobetreiber pandemiebedingt ein ziemlich schlechtes Jahr war – Pfeil will die Großinvestition wagen. Helfen könnte ihm dabei, dass er der einzige Interessent ist, der weiter Filme in dem riesigen Gebäude zeigen will. So hofft er auf günstige Mietkonditionen.

"Im Prinzip hat der Vermieter jetzt die Wahl zwischen – 'Ich habe hier eine Ruine' oder 'Ich habe einen funktionierenden Betrieb'. Und da muss man sich auf 'ne vernünftige Ebene begeben. Keiner kann da seine Maximalforderungen durchsetzen. Natürlich habe ich jetzt nicht die drei Millionen Euro Anlaufkosten unterm Kopfkissen. Aber da bin ich mir relativ sicher, dass es genügend Interessen in Gera gibt, um das in Bewegung zu bringen."

Goldener Spatz als Auftakt

Für Pfeil wäre es ideal, die Wieder-Eröffnung mit dem Start des Goldenen Spatzen zu verbinden, einfach um mehr Aufmerksamkeit zu generieren: "Seht her, nach langen Monaten der Abwesenheit sind wir wieder da." Doch das Festival ist für ihn nicht nur Mittel zum Zweck. Es sei einfach extrem wichtig für die Seele der Stadt, dieses wichtige kulturelle Event in Gera zu halten. Eine komplette Verschiebung – nach Erfurt etwa – müsse unbedingt verhindert werden.

"Das wäre eine politische Entscheidung, die unfassbar fatal wäre, für alles. Ostthüringen ist sowieso in der Wahrnehmung der Leute, die hier leben, eine zu kurz gekommene Region. Alles konzentriert sich nach Erfurt. Gerade mal noch Weimar und Jena über Spezialindustrie. Aber alles, was dann kommt Richtung Osten, ist abschnitten. Und wenn man denen jetzt noch das einzige relevante Festival, wovon sie ja auch nur einen kleinen Teil hatten, wenn man denen das ganz wegnimmt, das wäre die komplett falsche Botschaft. Dann können wir hier das Licht ausmachen und haben 60 Prozent AfD-Schwachmaten."

Pfeil will gegensteuern – gegen ein Lebensgefühl des Niedergangs, das sich in Gera über die Jahre ausgebreitet hat. Er vermutet, dass der Weiterbetrieb des UCI finanziell keine Goldgrube werden wird – dass es sich aber durchaus tragen wird in den kommenden Jahren. Und wenn die Verhandlungen mit dem Vermieter am Ende platzen sollten, so wäre das auch nicht das Ende, betont er. In Gera gebe es Räumlichkeiten genug. Dann suche er sich eben einen anderen Ort, um Blockbusterkino zu zeigen, und dem Goldenen Spatz die Große Leinwand zu bieten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Werkstatt | 02. Februar 2021 | 22:00 Uhr

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