Trauer Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase gestorben

Wolfgang Kohlhaase
Der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase (1931-2022) war für DEFA-Klassiker wie "Berlin - Ecke Schönhauser", "Ich war neunzehn" und "Solo Sonny" bekannt. Bildrechte: dpa

Der Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase ist tot. Das teilte die Akademie der Künste in Berlin am Mittwoch unter Berufung auf seine Frau Emöke Pöstenyi mit. Kohlhaase gilt als einer der größten deutschen Drehbuchautoren und wurde bekannt mit DEFA-Klassikern wie "Berlin - Ecke Schönhauser", "Ich war neunzehn" und "Solo Sonny". Zu seinen späteren Werken zählten z. B. Drehbücher für die Verfilmung des Romans "Als wir träumten" von Clemens Meyer oder für den Andreas-Dresen-Film "Sommer vor dem Balkon".

Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Deutschen Filmpreis und dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk. Seit 1972 war er Mitglied der Akademie der Künste. Der Drehbuchautor wurde 91 Jahre alt.

Kohlhaase: Ein Meister der Beobachtung

Mit seiner Kunst der Verdichtung und Beobachtung gelangen ihm besonders Geschichten über gebrochene Helden, wie zum Beispiel in "Der Aufenthalt" oder mit dem Konrad-Wolf-Film "Ich war neunzehn".

In einem Interview mit dem MDR sagte Kohlhaase einmal: "Bei der DEFA habe ich im Herbst 1950 als Assistent in der Dramaturgie angefangen. Ich hatte anfangs keine Vorstellung, was das eigentlich ist, denn vorher war ich bei der Zeitung als Reporter und Redakteur. Und ich ging viel ins Kino, nicht jeden Tag, aber jede Woche. Mehr oder weniger plötzlich schrieb ich auch über Filme. Und wenn du damals jung warst, hast du geklopft und die Tür ging auf. In der Dramaturgie saß ich dann über den Manuskripten anderer Leute, ohne viel davon zu verstehen. Und so kam eins zum anderen – bis ich dann die Chance bekam, mir eigene Geschichten auszudenken."

Wolfgang Kohlhaase mit Ehefrau Emöke Pöstenyi
Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase mit Ehefrau Emöke Pöstenyi (links) Bildrechte: imago images / POP-EYE

Kohlhaase zeigte das Leben der "normalen" Menschen

Kohlhaase war außerdem ein Meister in der Schilderung des Lebens der ganz "normalen" Menschen, er erzählte es mit Liebe und Respekt. Und natürlich kamen diese Menschen oft aus Berlin, seiner Heimat. Es heißt, mit seinen Filmen ließe sich die Geschichte des Prenzlauer Bergs und seiner Menschen nach dem Krieg bis heute erzählen.

Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer alias "Sunny" in dem Spielfilm "Solo Sunny".
Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer in dem Spielfilm "Solo Sunny". Wolfgang Kohlhaase schrieb das Drehbuch zum Film. Bildrechte: rbb/DEFA-Stiftung/Dieter Lück

Wolfgang Kohlhaase wurde am 13. März 1931 in Berlin geboren. Sein erstes verfilmtes Drehbuch war der Jugendfilm "Die Störenfriede" von Wolfgang Schleif. Als Drehbuchautor wurde er schließlich in der DDR mit Drehbüchern bekannt, die von den Problemen junger Menschen in der geteilten Stadt handelten. Dazu gehörten etwa "Ich war neunzehn" aus dem Jahr 1968. Für diesen Film arbeitete Kohlhaase mit dem Regisseur Konrad Wolf zusammen. Mit ihm und auch mit Gerhard Klein verwirklichte er einige Filme in der DDR. "Solo Sunny" gewann 1981 den Goldenen Bären. Einer der Filme, "Berlin um die Ecke" von 1965, wurde jedoch in der DDR verboten und kam erst nach der Wende in die Kinos.

In dem mehrfach ausgezeichneten Film "Sommer vorm Balkon" erzählt Regisseur Andreas Dresen die Geschichte von zwei Freundinnen aus Berlin. Die Koproduktion des Rundfunk Berlin-Brandenburg gemeinsam mit WDR und ARTE wurde 2004 in Berlin gedreht und kam im Januar 2006 in die deutschen Kinos. - Die Freundinnen Nike (Nadja Uhl, r.) und Katrin (Inka Friedrich).
In dem mehrfach ausgezeichneten Film "Sommer vorm Balkon" erzählt Regisseur Andreas Dresen auf der Grundlange von Wolfgang Kohlhaases Drehbuch die Geschichte von zwei Freundinnen aus Berlin. Im Bild: Nadja Uhl und Inka Friedrich. Bildrechte: mdr/rbb/X Filme

Auch im wiedervereinigten Deutschland war Kohlhaase erfolgreich. Mit Regisseur Volker Schlöndorff arbeitete er an dem Drehbuch zum Film "Die Stille nach dem Schuss", der im Jahr 2000 herauskam und die RAF zum Thema hat. Zusammen mit Eugen Ruge schrieb er das Buch für den Film "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (2017). 2015 kam "Als wir träumten" heraus, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Clemens Meyer.

 V.l.n.r.: Dani (Merlin Rose), Pitbull (Marcel Heuperman) und Rico (Julius Nitschkoff)
Szene aus "Als wir träumten". Kohlhaases Drehbuch entstand nach dem Roman von Clemens Meyer. Bildrechte: MDR/WDR/Rommel Film/Pandora Film/Peter Hartwig

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Gregor (Jaecki Schwarz, re.) mit eiber Zigarette im Mund.  Sascha (Alexej Ejboshenko) zündet sie an.
Der 21-jährige Filmstudent Jaecki Schwarz, zum ersten Mal in einer großen Rolle: in dem autobiografischen Film von Konrad Wolf. - Gregor (Jaecki Schwarz, re.) und sein Freund Sascha (Alexej Ejboshenko) Bildrechte: MDR/rbb/PROGRESS Film-Verleih/Werner Bergmann
MDR FERNSEHEN Do, 06.10.2022 23:40 01:35
MDR FERNSEHEN Do, 06.10.2022 23:40 01:35

Zum Tode von Wolfgang Kohlhaase Ich war neunzehn

Ich war neunzehn

Spielfilm DDR 1968

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n dem mehrfach ausgezeichneten Film "Sommer vorm Balkon" erzählt Regisseur Andreas Dresen die Geschichte von zwei Freundinnen aus Berlin. Die Koproduktion des Rundfunk Berlin-Brandenburg gemeinsam mit WDR und ARTE wurde 2004 in Berlin gedreht und kam im Januar 2006 in die deutschen Kinos. - Die Freundinnen Nike (Nadja Uhl, r.) und Katrin (Inka Friedrich).
n dem mehrfach ausgezeichneten Film "Sommer vorm Balkon" erzählt Regisseur Andreas Dresen die Geschichte von zwei Freundinnen aus Berlin. Die Koproduktion des Rundfunk Berlin-Brandenburg gemeinsam mit WDR und ARTE wurde 2004 in Berlin gedreht und kam im Januar 2006 in die deutschen Kinos. - Die Freundinnen Nike (Nadja Uhl, r.) und Katrin (Inka Friedrich). Bildrechte: mdr/rbb/X Filme
MDR FERNSEHEN Sa, 08.10.2022 23:30 01:15
MDR FERNSEHEN Sa, 08.10.2022 23:30 01:15

Zum Tode von Wolfgang Kohlhaase Sommer vorm Balkon

Sommer vorm Balkon

Spielfilm Deutschland 2005

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Oktober 2022 | 12:40 Uhr

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