Abenteuer-Serie Youtuber aus Magdeburg: Warum die Show "7 vs. Wild" so erfolgreich ist

Allein in der Wildnis: Der Magedeburger Fritz Meinecke hat mit der Reality-Survival-Serie "7 vs. Wild" auf Youtube einen viralen Überraschungs-Hit gelandet, der mehr Zuschauer erreicht als die meisten Fernseh-Shows. Das liegt daran, dass er viel freier agieren kann als die Produzenten vom "Dschungelcamp" oder "Celebrity Hunted". Und an den seltsamen Typen, die mitmachen.

Sieben Männer schauen in die Kamera
Sieben Männer wollen im Wald überleben: Der Cast von "7 vs. Wild" Bildrechte: MDR/Fritz Meinecke

Es ist ein Wahnsinn. So viel wird schon am Anfang klar. Sieben Männer wollen sieben Tage mit nur sieben Gegenständen im Wald überleben. Jeder für sich allein. Kein Kamerateam begleitet sie und dennoch können diesen Überlebenskampf Millionen Menschen mitverfolgen, denn alle sieben Teilnehmer sind Youtuber, haben eigene Kanäle und daher auch in der Einöde schwedischer Inseln kleine Kameras dabei, um die Welt an ihrem Abenteuer teilhaben zu lassen.

Und wie groß das Interesse der Welt ist, ist die eigentliche Überraschung dieses an Überraschungen nicht armen Projekts des Magdeburger Survival-Entertainers Fritz Meinecke. Über viereinhalb Millionen klickten bislang jeweils die ersten Folgen von "7 vs. Wild" an. Das sind mehr Zuschauer, als die heute-Nachrichten im ZDF meistens haben. Wieso ist dieses Serienformat eines Youtubers aus Sachsen-Anhalt, der weder Produktionsfirmen noch professionelle Kamerateams hinter sich hat, so erfolgreich?

Reale Gefahr ohne Absicherung

Ein Mann schaut in die Kamera und hält einen Fisch an einer Angelschnur hoch
Einen Fisch zu angeln, ist nicht so einfach, wie es bei Fritz Meinecke scheint Bildrechte: MDR/Fritz Meinecke

Der erste Grund lautet wohl: Gerade weil er weder weder Produktionsfirmen noch professionelle Kamerateams hinter sich hat. Das macht die Sendung so spannend. Schließlich scheint jederzeit etwas Krasses passieren zu können. Jeder der sieben Männer ist wirklich allein auf sich gestellt – ein Notfallhandy ist seine einzige Absicherung. Während zum Beispiel im bestens überwachten Dschungelcamp bei RTL die Teilnehmer trotz aller Naturatmosphäre samt Wohlstandsentbehrungen nie wirklich in Gefahr sind, könnte hier tatsächlich ein Bär kommen. Und während bei der Amazon-Prime-Serie "Celebrity Hunted", in der Stars vor ihren Jägern fliehen und sich verstecken, nicht nur alles mit sehr viel Geld pseudo-spannend in Szene gesetzt, sondern auch noch größtenteils gescriptet ist, wissen die Teilnehmer von "7 vs. Wild" selber nicht, was sie als nächstes machen werden.

Gut gedachte Pläne wie Fische angeln gegen den Hunger und die Langeweile gehen zum Beispiel nicht auf, wenn man einfach keine Regenwürmer findet. Dass sowohl die Teilnehmer als auch die Zuschauer nicht wissen, ob Fabio die Nacht in seiner kalten Höhle überstehen wird, wie Niklas es verträgt, dass ihm ein Ast auf den Kopf gefallen ist, oder ob sich Chris beim Springen über Steine irgendwas brechen wird, macht das Ganze so spannend. Nichts ist ausgeschlossen, schließlich scheint sich das Team – abgesehen von GPS-Signal und Erste-Hilfe-Taschen – nicht besonders abgesichert zu haben.

Format für die ganze Familie

Ein anderer Grund für den Erfolg ist, dass sich die Zuschauenden fragen: Was würde ich tun? Wo würde ich was zu essen finden? Wie würde ich mein Lager aufbauen? Würde ich das Wasser aus dem See trinken? Das ist nicht nur für Outdoor-Spezialistien interessant, sondern eigentlich für jeden, der schon mal in einem Wald war oder sich jemals die Frage gestellt hat, ob er auch jenseits seiner warmen Wohnung überleben könnte. So ist "7 vs. Wild" ein Format für die ganze Familie: Teenager bingen es, aber auch ihre Eltern bleiben hängen. Schade dabei ist nur, dass keine einzige Frau beteiligt ist und das Format so sehr breitbeinig daherkommt – nicht nur, wenn die Teilnehmer sich in den Schritt filmen, während sie gerade an einem phallusförmigen Stock herumschnitzen.

Unterschiedliche Überlebensstrategien

Ein Mann liegt in einer Felsspalte, neben sich ein Feuer
Einsam ist es im schwedischen Wald Bildrechte: MDR/Fritz Meinecke

Unterhaltsam ist "7 vs. Wild" auch wegen der verschiedenen Typen und Charaktere, die sich hier zeigen. Da gibt es Survival-Mattin, der sich Tom Hanks-like erfundene Freunde wie Pumperjochen oder Ingo auf Steine malt. Oder den übertrieben ehrgeizigen Dave, der krasser sein will als die anderen und nicht mal einen Schlafsack mitnimmt. Welten treffen aufeinander, wenn man den Serien-Macher Fritz Meinecke, der die Challenge sehr ernst nimmt und nebenbei jedes Detail seiner Gedanken ausführt, mit Chris vergleicht, der in den Tag hineinlebt und nicht mal ein Feuer auf die Reihe kriegt, sich davon aber keineswegs die Laune verderben lässt. Am Ende ist es aber weder Hunger noch Kälte, sondern die Einsamkeit, die allen am meisten zu schaffen macht.

Und so reden sie mit der Kamera, in der Hoffnung, dass jemand sie hört. Dass es mehrere Millionen Menschen sind, damit hat nicht mal Fritz Meinecke gerechnet. Doch "7 vs. Wild" ist gefährlicher, überraschender, lebensnaher als es jede Show im Fernsehen sein kann. Trotzdem verstehen die Macher genau, wie das Spiel funktioniert: Sie sind Kenner der Selbstinszenierung, die wissen, wie sie sich am besten in Szene setzen – und wo man die Cliffhanger zur nächsten Folge setzen muss. Wahrscheinlich haben sie es vom Fernsehen gelernt.

"7 vs. Wild" Realityshow, Deutschland 2021
Idee: Fritz Meinecke
Produkion: Fritz Meinecke, Johannes Hovekamp, Maximilian Kovacs
Teilnehmer: Pascal aka "Bommel", David "Dave" Henrichs, Survival Mattin, Niklas on Fire, Chris aka Reloadiak, Fabio Schäfer, Fritz Meinecke
16 Episoden je 32–74 Minuten
Alle Folgen sind abrufbar auf Youtube

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 18. Dezember 2021 | 09:30 Uhr

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