"Family Affairs" Kino im Dreiländereck: Start des 19. Neiße Filmfestivals in Zittau

Im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien findet vom 17. bis zum 22. Mai an rund zwanzig Spielorten das 19. Neiße Filmfestival statt. Präsentiert wird genreübergreifendes Programmkino aus den drei Ländern. Besucherinnen und Besucher können zusätzlich Konzerte, eine Lesung und Ausstellungen erleben. Der ländliche Raum ermöglicht dabei ein neues Zusammentreffen und Vernetzen von Filmschaffenden und Filminteressierten. Dieses Jahr steht alles unter dem Motto "Family Affairs".

14. Neiße Film Fest (2017) - Preise: Neisse Fische
Bildrechte: Neisse Film Fest/Hannes Rönsch

Das Neiße Filmfestival entstand 2004 aus der Zusammenarbeit von Filmclubs aus Großhennersdorf, Liberec und Jelenia Góra. Ziel des Festivals ist, einen Einblick in die Arbeit der Filmschaffenden aus Deutschland, Tschechien und Polen zu ermöglichen und dabei die Region entlang der Neiße zu stärken. Dem lokalen Publikum wird ein besonderes kulturelles Erlebnis geboten. Die Neiße ist das verbindende Element im Dreiländereck und damit sowohl Namensgeber als auch Inspiration für das Logo und den Preis.

Der Auftakt-Film "Klondike" ist aktueller als je zuvor

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause startet das Festival nun endlich wieder am 17. Mai im Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau. Eröffnet wird es mit dem Film "Klondike" der ukrainischen Regisseurin Maryna Er Gorbach. Darin wird der Krieg an der russisch-ukrainischen Grenze in der Region Donezk seit dem Jahr 2014 thematisiert. Ein junges Paar, das sein erstes Kind erwartet, muss sich zwischen Flucht vor dem Krieg und Partizipation entscheiden. Als in der Nähe ein Flugzeug der Malaysian Airlines abgeschossen wird, nimmt die Tragödie ihren Lauf. Schon bei seiner Premiere auf dem Sundance Festival und bei der Berlinale 2022 fand der Film großen Anklang. Beim Neiße Filmfestival soll er als prominentes Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und für den Frieden eingesetzt werden.

"Klondike" ist für uns ein Glückstreffer. Damit können wir nicht nur einen klaren ukrainischen Akzent setzen und unsere solidarität mit dem Land zeigen sondern das ist ein Film, der eine klare pazifistische Botschaft mit sich bringt.

Ola Staszel, Festivalleiterin

Eine Frau sitzt vor einer kaputten Wand.
Die hochschwangere Irka lebt mit ihrem Mann Tolik mitten im Krieg. Bildrechte: Kedr Film

Ein Festival im Zeichen der Familie

Das Festival steht dieses Jahr unter dem Motto "Family Affairs". Ein polnisches Sprichwort lautet: "Mit der Familie sieht man am besten auf einem Foto aus". Was an dieser Weisheit dran ist, soll mit verschiedenen kulturellen Angeboten untersucht werden. Im Fokus stehen Veränderungen und der Vergleich von Familienkonzepten von der Zeit vor der Wende bis heute. Unter anderem können dazu verschiedene Filme, die Ausstellung "Familia" der Fotografin Oksana Yushko im Kulturcafé Alte Bäckerei in Großhennersdorf besucht werden sowie die Ausstellung "Voll der Osten. Leben in der DDR" mit Fotografien von Harald Hauswald und Texten von Stefan Wolle. Auch die Lesung von Lutz Seiler aus seinem Buch "Stern 111" am 18. Mai im Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau beschäftigt sich mit diesem Thema. Der Roman wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Wir rechnen nicht mit den Besucherzahlen von vor drei Jahren. Wir hoffen aber auf eine langsame Rückkehr unserer Festivalbesucherinnen und- besucher.

Ola Staszel, Festivalleiterin

Die Vergabe der "Neiße-Fische"

Weitere Highlights des Festivals sind unter anderem das Konzert der ukrainischen Band DakhaBrakha am 20. Mai im Kühlhaus Görlitz und die feierliche Verleihung der "Neiße-Fische" am 21. Mai im Filmtheater Ebersbach. Die vom Strahwalder Künstler Andreas Kupfer gestalteten Figuren werden für den besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm, den Publikumslieblingen, die beste darstellerische Leistung, das beste Szenenbild und das beste Drehbuch vergeben. Ein Spezialpreis wird an einen Film vergeben, der sich dem Verständnis der Nachbarschaft der drei am Festival beteiligten Länder widmet. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung des Gewinnerbeitrags wird vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert. Ausgewählt wird zwischen neun aktuellen Produktionen – jeweils drei aus Deutschland, Tschechien und Polen.

Die Auszeichnung erfolgt mit Hilfe der Neiße-Fische" - Skulpturen in Form eines Fisches.
Die Jury ist besetzt mit Filmschaffenden aus Deutschland, Tschechien und Polen. Bildrechte: Neisse Film Fest/Hannes Rönsch

Mehr Informationen zum Programm finden Sie auf der Website des Neiße Filmfestivals.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Mai 2022 | 06:30 Uhr

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