Deutscher Kinostart von "Amadeus" 1984 Als mit "Amadeus" ein nahbarer Mozart ins Kino kommt

Regisseur Miloš Forman erzählt Mozarts Leben aus der Sicht seines Neiders Salieri. Der bewegende Konkurrenzkampf "Amadeus" kommt vor 35 Jahren ins Kino. Mit dem Drehbuch von Peter Shaffer schafft es Regisseur Miloš Forman, Mozarts Leben und Werk für die Massen zu entstauben und räumt damit gleich acht Oscars ab.

Ein Mann mit weißer Perrücke dirigiert in einem großen vollbesetzten Opernsaal mit großen Kronleuchtern in einer FIlmszene.
Amadeus Mozart (Tom Hulce) dirigiert im Film von Miloš Forman seine Komposition. Bildrechte: imago images/United Archives

Miloš Forman hält sich 1980 in London auf. Sein Agent ebenfalls. Der lädt ihn ins Theater ein, Forman geht mit, hat aber eigentlich schon keine Lust mehr, nachdem er erfährt, um was es geht: Mozart, Salieri, das reizt ihn wenig – was der Filmemacher bis jetzt so an Musikerbiographien gesehen hat, über Smetana etwa oder Mussorgski, hat er als außerordentlich dröge in Erinnerung. Peter Shaffers Stück allerdings lehrt Forman eines besseren – und der Regisseur will es nun unbedingt auf die Leinwand bringen: "Es ist für mich immer wieder faszinierend, eine Geschichte über einen einzelnen zu drehen, der sich gegen die Institutionen auflehnt. Ganz egal, ob das die Gesellschaft, die Regierung oder irgendetwas anderes ist", so der Regisseur.

Dies ist ein zeitloser Konflikt, und es gibt ihn seit Beginn der Menschheit. Das ist immer ein guter dramatischer Stoff.

Miloš Forman

Miloš Formans Rückkehr in sein Geburtsland

Gedreht wird der Film hauptsächlich in Formans Geburtsland. Die Tschechoslowakei hatte er 1968 in Folge des Prager Frühlings verlassen. Aber es geht nicht anders, die Außenaufnahmen verlangen einen Dreh in Wien, Budapest oder Prag. Weil Wien zu teuer ist, Budapest zu modern und auch Miloš Formans Herkunft und Muttersprache für Prag sprechen, fällt die Wahl auf die tschechische Hauptstadt.

Genie trifft auf Mittelmaß

Ein jünger Mann mit einer weißen Perrücke lacht in einer Filmszene.
Tom Hulce spielt den kindsköpfigen Mozart in Formans "Amadeus" von 1984. Bildrechte: imago/Prod.DB

Das fertige Filmdrama startet 1984 – und lebt vor allem von dem Konflikt zwischen Genie und Mittelmaß. Hier Mozart – da Salieri. Salieri empfindet Mozart gegenüber nicht einfach nur Neid. Der Italiener ist zutiefst erschüttert, fühlt sich gedemütigt, als treibe Gott grimmige Scherze mit ihm. Nicht nur, dass der Herr ihm das notwendige Talent versagt, Gott gefällt es, ausgerechnet Mozart mit Gabe zu überschütten: einen Kindskopf mit albernem Lachen. Vielleicht fiele es Salieri leichter, seine Situation zu akzeptieren, wäre Mozart einigermaßen kultiviert. Aber nichts da. Dieser Mozart ist zwar ein wundervoller, aber nicht minder infantiler Komponist, der weiß, dass er den anderen weit überlegen ist und dies ihn, Salieri, nicht nur einfach spüren lässt: Er verhöhnt ihn ganz offen. All das kann Salieri nicht auf sich beruhen lassen – er lässt Gott wissen:

Ich werde mich Dir entgegenstellen. Das schwöre ich. Ich werde Deiner Kreatur im Wege stehen und ihr Schaden zufügen, wie es in meiner Macht steht.

Antonio Salieri in "Amadeus"
Ein Mann mit langen grauen Haaren in einer Filmszene.
Der neidische Antonio Salieri wird von F. Murray Abraham gespielt. Bildrechte: imago/Prod.DB

Einen Sieger in dem Kampf zwischen Salieri und Mozart gibt es letztlich nicht. Mozart stirbt, Salieri aber muss erleben, wie seine Kompositionen allmählich vergessen werden. Insofern hat "Amadeus" eine hübsche Pointe. Denn so sehr Salieri im Film als schurkischer Vertreter des Durchschnittlichen auftritt, nach dem Film wollen doch viele wissen, was der Italiener so komponiert hat. Und das macht sein Werk sehr viel bekannter.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Oktober 2019 | 06:40 Uhr

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