John Travolta und Uma Thurman in einer Szene aus Pulp Fiction
John Travolta und Uma Thurman in der berühmten Tanzszene aus "Pulp Fiction" Bildrechte: imago/Prod.DB

Kinogeschichte Vor 25 Jahren kam "Pulp Fiction" in die deutschen Kinos

Groteske Dialoge, lose Handlungsstränge und überhöhte Gewalt: Mit seinem zweiten Film erneuerte Quentin Tarantino 1994 den Gangsterfilm. "Pulp Fiction", mit Uma Thurmann, John Travolta und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen, wurde für sieben Oscars nominiert und machte Travolta ein zweites Mal zum Star.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

John Travolta und Uma Thurman in einer Szene aus Pulp Fiction
John Travolta und Uma Thurman in der berühmten Tanzszene aus "Pulp Fiction" Bildrechte: imago/Prod.DB

Geredet wird in "Pulp Fiction" wirklich viel. Selbst über Fußmassagen wird diskutiert, wofür es immerhin einen triftigen Grund gibt: Gangsterboss Marsellus Wallace hat jemanden aus dem vierten Stock geschmissen, nachdem der Wallace' Braut an die Füße gefasst hat: angeblich. Das liefert Gesprächsstoff.

Auftragsmörder Vincent Vega (John Travolta) sagt dazu: "Du sagst eine Fußmassage bedeutet nichts. Und ich sage, ich seh' das anders. Ich hab einer Million Ladies eine Million Fußmassagen verpasst und die haben alle was bedeutet. Wir tun zwar so, als wäre das nicht der Fall, aber es ist so. Das ist ja gerade das Geile daran: Du hast eine sinnliche Sache am Kochen, man redet nicht darüber, aber du weißt es und sie weiß es. Der verdammte Marsellus hat's gewusst."

Umfangreiche Dialoge – und Gewalt

Der Fußmassagen-Dialog geht noch wesentlich länger. Und da, wie gesagt, dies nicht der einzige umfangreiche Dialog ist, kann es nicht verblüffen, dass das Drehbuch enorm anschwillt. Von einem "Telefonbuch" ist sogar die Rede. Nun gelten Telefonbücher im Allgemeinen nicht als verfilmbar, und auch "Pulp Fiction" hat es zunächst schwer: wegen der Gewalttätigkeit.

Wenn Sie meinen, ein Film sei für Sie zu gewalttätig, dann sollten Sie und ihre Kinder ihn sich halt nicht ansehen. Meine Filme lassen Sie am besten sowieso außen vor.

Regisseur Quentin Tarantino

Pulp Fiction macht John Travolta zum Star

Samuel L. Jackson und John Travolta mit Pistolen, im Film «Pulp Fiction»
Superteam: Samuel L. Jackson und John Travolta als ewig diskutierende Auftragsmörder in "Pulp Fiction" Bildrechte: imago/Prod.DB

Es ist Harvey Weinstein von Miramax, der sich an den Stoff wagt und das nötige Kleingeld bereitstellt. Jener Mann, dem inzwischen zig Frauen sexuelle Belästigung, Nötigung oder gar Vergewaltigung vorgeworfen haben, und der sich demnächst vor Gericht verantworten muss. Seine Mitwirkung verleiht der "Pulp Fiction"-Entstehungsgeschichte eine – von heute aus gesehen – widerwärtige Note, aber der Film nimmt Formen an. Die Stars reißen sich darum, mitzuspielen: Bruce Willis, Samuel L. Jackson und erst recht John Travolta, der vor "Pulp Fiction" megaout war. Bei den Filmfestspielen von Cannes holt das Tarantino-Projekt die Goldene Palme. Der Mann, der den Preisträger verkündet, ist der Jurychef höchstpersönlich: Clint Eastwood.

Die Überhöhung von Gewalt als Stilmittel

Unumstritten ist "Pulp Fiction" keineswegs. Zu brutal, alles schon gesehen, heißt es. Andere aber feiern einen brillanten Mix aus Komik, Intelligenz und Musik, in dem die Gewalt so überhöht daherkommt, dass man sie mitnichten ernst nehmen kann. Weil der Film nicht chronologisch erzählt, sondern seine verschiedenen Geschichten geschickt ineinander verzahnt, wird "Pulp Fiction" sogar als Beweis herangezogen, dass man dem Publikum komplexere Stoffe vorsetzen kann.

Quentin Tarantino setzt mit "Pulp Fiction" neue Maßstäbe im Kino, einen neuen Trend. Eine ganze Reihe von Kollegen stiftet er an, ihn mal mehr, mal weniger gelungen zu imitieren. Im Grunde bis heute, 25 Jahre nach dem deutschen Filmstart.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 03. November 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2019, 04:00 Uhr