Neues Projekt Wie nachhaltig und klimafreundlich sind Kulturbetriebe?

Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz sind mittlerweile geläufige Themen in Museen und Ausstellungen. Aber ist der Museumsbetrieb selbst nachhaltig? Mit seinen oft aufwändigen Ausstellungsgestaltungen, den vielen Leihgaben, die um die Welt reisen, den internationalen Tagungen, den Besucherinnen und Besuchern, die sich für Großereignisse wie die documenta auf weite Wege machen und wohltemperierte Säle und gut ausgeleuchtete Objekte erwarten? Ein Pilotprojekt der Bundeskulturstiftung will genau das herausbekommen – auch bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Blick in den neugestalteten Böttgersaal der Porzellansammlung im Zwinger.
Wie klimafreundlich können Museen wie der Zwinger sein? Bildrechte: SKD/Oliver Killig

Museen verstehen sich schon von ihrer Aufgabe her der Nachhaltigkeit verpflichtet. Schließlich dienen sie der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung von Exponaten und Wissen. Aber in Erfüllung dieser hehren Ziele verbrauchen sie doch allerhand Ressourcen.

Nicht nur auf andere zeigen

Das ist auch in Dresden so. "Der Kulturbetrieb ist eine Branche – und gerade Museen, aber natürlich auch Theater sind große Häuser mit entsprechend aufwändiger Infrastruktur", sagt Thomas Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums in Pillnitz und Leiter der AG Nachhaltigkeit an den Kunstsammlungen. "Und es kann natürlich auch nicht sein, dass wir mit den Fingern auf alle anderen Industrien zeigen und selbst weiter machen wie bisher. So gesehen ist für uns dieses Bilanzierungsprojekt nochmal ganz gut, um genauer hinzuschauen."

Albertinum und Pillnitz im Fokus

Schloss Pillnitz Bergpallais
Auch das Museum im Schloss Pillnitz wird unter die Lupe genommen Bildrechte: MDR / Alexander Brabandt

Das Projekt hat die Bundeskulturstiftung angeschoben. Bis Frühjahr ermitteln 19 Kultureinrichtungen bundesweit ihre Klimabilanz – neben der SKD zum Beispiel auch das Nationaltheater Weimar, das Museum Folkwang in Essen und die Gedenkstätte Sachsenhausen. Zwei Museen werden zunächst in Dresden in Augenschein genommen – beide in historischen Gebäuden: das Albertinum, das Museum für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit großen Restaurierungswerkstätten, Gemäldedepots, einem überdachten Innenhof. Das andere ist Thomas Geislers Museum in Pillnitz, in einem Palais, das im Herbst seine Pforten schließt und erst im Frühjahr wieder öffnet.

Viele Bereiche zum Nachbessern

Auch wenn die Bilanzen noch nicht vorliegen, ist schon heute klar, wo der Ressourceneinsatz besonders hoch ist. "Das sind natürlich Energie, Heizung, die ganze Klimatisierung, die in dieser Bilanzierung ordentlich den Fußabdruck hinterlassen", sagt Geisler. "Aber man muss auch draufschauen, wo die Energie herkommt und wo man da evtl. nachbessern kann."

Daneben gibt weitere Bereiche, die es lohnt, unter die Lupe zu nehmen: Da ist der Ausstellungsbetrieb samt den teilweise aufwändigen Inszenierungen, da sind Vitrinen, Stellwände, Podeste, die nicht immer in einen Fundus eingehen, sondern oft nach dem Ereignis entsorgt werden. Und da sind Reisen, die rund um den Museumsbetrieb entstehen – z. B. durch Leihgaben. Diese  sind  in der Regel anspruchsvolle Reisende mit Begleitung und aufwändiger Verpackung. Die Standards im internationalen Leihverkehr sind hoch, Versicherung und Vertrauen gleichermaßen wichtig. "Das ist ein Regelwerk, das der Mensch gemacht hat", sagt Geisler, "und es schadet sicher nicht, da nochmal kritisch draufzuschauen und sich auch zu überlegen: Muss denn jede Leihgabe von irgendeinem anderen Kontinent sein?"

Kooperationen sind schon heute gängige Praxis – wie die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums mit dem Vitra Designmuseum und der Wüstenrotstiftung zum "Deutschen Design von 49-89 in Ost und West", die in diesem Jahr zunächst in Weil am Rhein und dann in Dresden zu sehen sein wird.

CO2-Bilanz gegen Bildungserlebnisse?

Bei allen Bemühungen um ein grünes Museum – das Kunst Haus Wien, das Friedensreich Hundertwasserhaus, versteht sich schon als ein solches, und war auch der Dresdner AG einen Austausch wert – Kosten-Nutzen-Rechnungen sind im Kunst- und Kulturbereich  ziemlich heikel: CO2-Bilanz gegen Bildungserlebnisse, sinnlich-ästhetische Erfahrung gegen eingesparte Flugkilometer?  "Die SKD stehen ja für ihre Internationalität und das ist natürlich genau die Herausforderung, die wir heute leben müssen", sagt Geisler, "wir wollen ja in gewisser Weise kosmopolitisch leben und denken, auch wenn wir uns vielleicht heute jede Reise überlegen. Dieses Denken, das wir mittlerweile im Privaten leben, wird auch im professionellen Bereich einfach Einzug finden."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Februar 2021 | 07:40 Uhr

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