Buchmarkt Nach Insolvenz: Zeitfracht hat Buchgroßhändler KNV übernommen

Die Berliner Logistik-Unternehmensgruppe Zeitfracht hat den größten deutschen Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar GmbH (KNV) übernommen. Die Übernahme fand zum 1. August statt. Die KNV hatte im Februar wegen Überschuldung Insolvenz angemeldet. Der neue Eigentümer Zeitfracht ist bisher noch nicht im Buchhandel tätig gewesen.

Wieder Ruhe im Buchmarkt

Der Kaufvertrag zwischen Zeitfracht und der KNV wurde vor rund vier Wochen unterzeichnet. Vergangene Woche stimmten dann auch das Bundeskartellamt und die Banken dem Deal zu. Am 1. August beginnt nun der Übergang. Laut Insolvenzverwalter Tobias Wahl herrscht nun wieder Sicherheit und Ruhe im Buchmarkt – gelte KNV doch als "unverzichtbares Scharnier zwischen Verlagen und dem gesamten Bucheinzelhandel." Immerhin hat KNV einen Marktanteil von 50 Prozent. Händler und Verleger nennen das Unternehmen "systemrelevant".

Arbeitsplätze in Erfurt und Leipzig bleiben

Zeitfracht hat zugesagt, die drei Standorte in Erfurt, Leipzig und Stuttgart sowie die 1.600 Arbeitsplätze zu erhalten. Jetzt stehe ein Neustart bei Deutschlands größtem Buchlogistiker KNV an. Man wolle das Geschäft "nachhaltig weiterentwickeln und ausbauen", so Zeitfracht.

Zuerst dürfte es darum gehen, die bestehenden, für den Handel funktionierenden Strukturen rentabel zu machen. Verlage und Handel waren bisher mit der Logistik von KNV hochzufrieden. Ein gut strukturiertes und fein abgestimmtes Logistik- und Transportmanagement sorgt dafür, dass Bücher in der Regel über Nacht in den Buchhandel gelangen. Entsprechend optimistisch ist die Stimmung bei Buchhändlern und Verlagen. Immerhin hat Zeitfracht verkündet: "Wir bekennen uns uneingeschränkt zum Kulturgut Buch."

"Sehr gute Nachricht" für Voland & Quist

Beispiel: Voland & Quist. Den Verlag hatte die KNV-Pleite hart getroffen. Geschäftsführer Sebastian Wolter nennt die Übernahme durch Zeitfracht bei MDR KULTUR nun eine "sehr gute Nachricht." Er habe mitbekommen, dass auch alle Dienstleistungen übernommen und weitergeführt werden. "Mit dem Service von KNV waren wir weitgehend zufrieden, auch mit der 24-Stunden-Lieferung, die heutzutage für Buchhändler sehr wichtig ist. Wenn das alles weitergeht, begrüßen wir das." Die Arbeit mit KNV sei auch in den Wochen seit der Vertragsunterzeichnung bereits besser gewesen. "Das lief aus Verlagssicht wieder weitgehend normal. Ich gehe davon aus, dass das jetzt weitergeführt wird. Dann sind wir damit ganz zufrieden."

Noch Rechnungen offen

Noch immer sind bei Voland & Quist weit mehr als 30.000 Euro Forderungen offen, auf denen der Verlag sitzen bleiben wird. Ein Teil davon soll auf einer Solidaritätslesung in der Dresdner Jungen Garde am 2. August eingespielt werden – mit dabei der durch seine Känguru-Geschichten bekannte Marc-Uwe Kling sowie die Leipziger Autoren Julius Fischer und André Hermann.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 01. August 2019 | 06:30 Uhr