Festival Intime Konzerte: Die Köthener Bachfesttage 2020

Sechs Jahre lang war Johann Sebastian Bach Hofkapellmeister in Köthen, nach eigener Aussage die glücklichste Zeit seines Lebens. Aus diesem Anlass finden alle zwei Jahre in Köthen die Bachfesttage statt. Wegen Corona war allerdings nicht sicher, ob das Festival 2020 stattfinden kann. Jetzt gibt es bis zum 6. September mehrere Kurzkonzerte mit historischen Instrumenten und einigen Neuentdeckungen. Als Stargäste dabei sind u.a. Pianistin Ragna Schirmer und Countertenor Valer Sabadus.

Denkmal von Johann Sebastian Bach 5 min
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Die Corona-Epidemie hat Auswirkungen auf das Programm der Köthener Bachfesttage: Das Publikum ist kleiner, dafür werden die Konzerte mehrmals gespielt. Mit dabei sind die Interpreten Ragna Schirmer und Valer Sabadus.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 02.09.2020 09:35Uhr 04:32 min

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Noch herrscht Hektik im Prinzenhaus in Köthen. In den historischen Räumen aus der Zeit Johann Sebastian Bachs sind in den letzten Tagen runde 20 historische Tasteninstrumente eingezogen: Cembali, Hammerflügel und sogar eine Orgel. Während der Bachfesttage werden sie den Besuchern vorgeführt – in Kurzkonzerten von etwa 20 Minuten Dauer. "Hier gibt es so viele Salons, dass in jedem Salon zwei Besucherinnen und Besucher mit der nötigen Distanz sitzen dürfen", erzählt Festivalintendant Folkert Uhde. "Aber das ist ein Erlebnis, das man sonst nirgendwo auf der Welt haben kann."

Historische Instrumente im Konzert

Georg Ott
Instrumentenbauer Georg Ott Bildrechte: Georg Ott

Zusammengetragen hat die wertvollen Unikate der Instrumentenbauer und Restaurator Georg Ott. Das wohl wertvollste Stück ist optisch das Unscheinbarste: ein schlichter Holzkasten, der an einen Klapptisch erinnert – das "Clavecin Royale" aus dem sächsisch-thüringischen Raum. "Es gibt praktisch nur eine Handvoll Exemplare weltweit, die erhalten sind. Das ist so ein ganz spezielles Instrument, bei dem man davon ausgehen kann, dass Bach so etwas in der Art kannte", erklärt der Sammler.

Die 20 historischen Tasteninstrumente im Köthener Prinzenhaus können aber nicht nur bewundert werden, sondern sie spielen auch auf der Bühne des Festivals eine Rolle. Prominente Interpretinnen wie beispielsweise die Cembalistin Christine Schornsheim können sich bei Georg Ott ein passendes Instrument für den historisch-informierten Auftritt auswählen. Beliebt ist zum Beispiel ein Hammerflügel von Conrad Graf: "Das war sozusagen der 'Steinway der Beethovenzeit'", meint Ott.

Wiederholungen für kleineres Publikum

Ragna Schirmer spielt am Flügel beim Konzert in der Bachkirche Arnstadt.
Pianistin Ragna Schirmer Bildrechte: MDR/Oliver Killig

Womöglich wird die Pianistin Ragna Schirmer auf diesem Flügel zur Eröffnung der Bachfesttage Bachs Goldberg-Variationen spielen. Dieses Konzert wird sie zwischen 15 Uhr und 23 Uhr gleich fünfmal geben. "Ich war mit Ragna Schirmer in Eisenstadt mit diesem Conrad-Graf-Flügel unterwegs. Insofern ist das auf jeden Fall ein Instrument für die engere Wahl. Ich bin aber gespannt, was sie zu den anderen Flügeln sagt!", freut sich Georg Ott.   

Folkert Uhde
Folkert Uhde, Intendant der Köthener Bachfesttage Bildrechte: Henner Fritzsche

Rund 50 Konzerte bietet das Hauptprogramm der Köthener Bachfesttage, an etwa zehn Spielorten. Jedes dauert etwa eine Dreiviertelstunde und wird mindestens dreimal gegeben. Bis zu 50 Besucherinnen und Besucher sind bei jedem Durchlauf erlaubt, erläutert Intendant Folkert Uhde. Das Publikum kann trotz Abstandsgebot akustisch auf Tuchfühlung mit den Musikern gehen.

Wir haben zum Beispiel in der Agnuskirche eine Situation, wo in der Mitte ein Flügel steht und etwa 50 Zuhörende rundherum im Kreis um den Flügel sitzen. Das ist ein besonderes Erlebnis.

Folkert Uhde, Intendant

"Mir ist es unheimlich wichtig, dass trotz dieser Leere ein intensives Konzerterlebnis zustande kommt. Das ist am besten möglich, indem man sich auch gegenseitig beim Zuhören beobachten kann", meint Uhde.

Entdeckungen aus Bachs Umfeld

Der Stargast beim Festival ist wohl der rumänisch-deutsche Countertenor Valer Sabadus, der in diesem Jahr auch mit dem Händelpreis der Stadt Halle ausgezeichnet wurde. Im Gepäck, so Folkert Uhde, hat er besonderes Repertoire: "Er wird zwei schöne italienische Kantaten von einem Komponisten namens August Stricker singen. Das war Bachs Vorgänger in Köthen. Dann haben wir ein Konzert des Konzertmeisters der Köthener Hofkapelle, Joseph Spieß, gefunden. Der Leipziger Musikwissenschaftler und Bachforscher Michael Maul hat dieses Violinkonzert entdeckt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Joseph Spieß ist wahrscheinlich derjenige gewesen, der die Bach'schen Violinkonzerte hier in Köthen uraufgeführt hat."

Valer Sabadus singt beim Konzert im MDR-Musiksommer in der Marienkirche in Salzwedel. Im Hintergrund sieht man Axel Wolf mit der Laute.
Countertenor Valer Sabadus begleitet von Axel Wolf Bildrechte: MDR/Oliver Killig

50 intime Konzerte, dazu Freiluftveranstaltungen in der Stadt und im Schloßpark – das Programm der Bachfesttage ist äußerst vielfältig und laut Intendant Folkert Uhde in dieser Form nur in Köthen zu erleben:

Es gibt nichts von der Stange, sondern nur Dinge, die hier entstehen. Diese Art von Spuren- und Klangsuche wollen wir hier betreiben!

Folkert Uhde, Intendant

Weitere Informationen Die Köthener Bachfesttage 2020 finden vom 2. bis zum 6. September statt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. September 2020 | 10:15 Uhr