Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur
Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Kommentar zum Bühnenstreit in Halle "Der Krieg ist vorbei, gekämpft wird weiter"

Der Aufsichtsrat der TOOH – dahinter verbirgt sich die Theater, Oper und Orchester GmbH Halle – hat am Freitag darüber beraten, ob die drei Intendantenverträge für Oper, Schauspiel und Puppentheater verlängert werden. Im Ergebnis wurden die Verträge von Christoph Werner (Chef des Puppentheaters) und Matthias Brenner (Intendant des Schauspiels) verlängert. Nicht verlängert wurde der Vertrag von Florian Lutz, der nach der Spielzeit 2020/2021 nun gehen muss. Ein Kommentar von MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky:

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur
Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Nun ist es also endlich vorbei! – mag sich Florian Lutz vielleicht gedacht haben – dieser Krieg hinter und auch vor den Kulissen, der so viel Energie und Zeit gekostet hat. Sein ästhetisches Konzept kann er jetzt noch zwei Jahre weiterführen. Danach wird er anderswo inszenieren. Denn seine Arbeit hier hatte überregional Anerkennung erfahren. Die Wochenzeitung "Die Zeit" sprach sogar vom einem der "aufregendsten Musiktheaterhäuser Deutschlands".

Brenner kämpft weiter

Matthias Brenner bleibt in Halle. In seinem Amt als Schauspielchef kämpft er vorerst weiter. Gegen "Übergriffigkeit, Vertrauensbruch und Störung des Betriebsfriedens". Das hatte er dem Geschäftsführer der TOOH vor ein paar Tagen in der "Mitteldeutschen Zeitung" vorgeworfen. Mit großer Anstrengung gelinge es, die eigene Sparte zu schützen. Wir könnten uns das wie eine Festung Schauspielhaus vorstellen. Wie eine Mauer, quer durch das eigene Land gezogen.

Übernimmt Rosinski selbst?

In dieser Situation beginnt jetzt die Suche nach einem Opernintendanten oder einer Intendantin. Freiwillige vor! Wer setzt sich in das Nest? Das vielleicht auch ein Wespennest sein könnte? – Oder gäbe es eine andere Lösung? Möglicherweise ein Generalintendantenmodell unter der Leitung von Geschäftsführer Stefan Rosinski? Diese Richtungsentscheidung soll ebenfalls am Freitag im Aufsichtsrat gefällt worden sein, glaubt man der Pressemitteilung der Oper.

Noch eine Frage: Wer kontrolliert das eigentlich alles, was hier gerade passiert? Das TOOH wird mit jährlich rund 23 Millionen Euro von der Stadt finanziert. Deswegen hat der Stadtrat in Finanzdingen ein Wort mitzureden. Was die Kunst betrifft, entscheidet der Aufsichtsrat. Neun Leute. Sieben Männer und zwei Frauen. Auch da besteht schon Handlungsbedarf, oder? Der Aufsichtsrat weist gerne darauf hin, dass die Entscheidungsfindung eine interne Angelegenheit ist. Ist das demokratisch? Transparent? Wäre es nicht besser, den Stadtrat mitreden und auch über ein künstlerisches Profil mit entscheiden zu lassen? Es geht doch um einen öffentlich finanzierten Kulturbetrieb. Und die TOOH ist kein wirtschaftliches Unternehmen, das sich an einem Markt behaupten und deswegen ganz geheimnisvoll tun müsste.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Februar 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 19:57 Uhr