Reinhard Bärenz
Reinhard Bärenz leitet die Hauptredaktion Kultur des Mitteldeutschen Rundfunk. Bildrechte: MDR/Joachim Blobel

Kommentar Bühnenstreit Halle: Wie viele Akte soll diese Tragödie eigentlich noch bekommen?

An den Bühnen Halle streiten sich seit längerem die künstlerischen Leiter mit der Geschäftsführung. Der Streit hat das Format einer Schlammschlacht angenommen, bei der man sich fragt, wie das enden soll. Ein Kommentar.

von Reinhard Bärenz, MDR KULTUR-Redaktionsleiter

Reinhard Bärenz
Reinhard Bärenz leitet die Hauptredaktion Kultur des Mitteldeutschen Rundfunk. Bildrechte: MDR/Joachim Blobel

Wir erinnern uns. Erster Akt: Auftritt der ersten beiden Affen, die nichts sehen und nichts hören wollen. Hinter den Bühnen der Oper Halle krachte es schon einige Zeit, das Verhältnis zwischen Geschäftsführung und Teilen der künstlerischen Leitung war mehr als angespannt. Spielpläne konnten nicht veröffentlicht werden, Projekte scheiterten, die Kommunikation zwischen und in den Büros der TOOH war miserabel. Die Tiefe der Zerwürfnisse wollte der zuständige Aufsichtsrat aber offenbar nicht wahrnehmen.

Zweiter Akt: Auftritt des dritten Affen, nicht darüber reden. Als der Konflikt nicht mehr hinter den Mauern der Oper zu halten war, wurden dann vor allem diejenigen kritisiert, die das Problem benannten und darüber berichteten. Das gipfelte darin, dass Stadtpolitiker dem Oberbürgermeister nahe legten, an einer Podiumsdiskussion über die Frage, wie die Struktur der Bühnen Halle verbessert werden könnte, nicht teilzunehmen. Solche Angelegenheiten gehörten nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. Wie bitte?

Merkwürdiges Verständnis von Demokratie und Transparenz

Die Öffentlichkeit, die gut 90 Prozent dieses Hauses finanziert, soll sich an den Diskussionen über die Zukunft und das Schicksal dieser Kulturinstitution nicht beteiligen dürfen? Der gewählte Oberbürgermeister soll nicht mit seinen Bürgern sprechen dürfen? Ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie, Transparenz und Partizipation.

Nun sind wir am Ende des dritten Aktes angelangt und das Niveau des Stückes ist langsam nicht mehr zu unterbieten, ein donnernder Schlussapplaus schon lange nicht mehr zu erwarten. Leider geht es jetzt nur noch darum, einen Totalschaden von diesem kulturvollen Haus abzuwenden. Ein Management-Desaster.

Trotz Kündigung des Intendanten keine Ruhe

Der angebliche Bösewicht, der an den ganzen Unruhen und Querelen schuld sein soll, wurde bereits per Nichtverlängerung des Vertragsverhältnisses aus dem Stück genommen und muss die Bühne demnächst verlassen. Nur komischerweise tritt immer noch nicht die gewünschte Ruhe und Harmonie ein. Die Frage ist nur: "Warum denn nicht?"

Die Antwort ist einfach: Weil ein Rausschmiss keine Probleme löst, die eigentlich im System liegen. Zu nichts hören, nichts sehen, nicht reden, gesellt sich nämlich der vierte Affe: Nichts tun. Es gab reihenweise Angebote von Experten des deutschen Bühnenwesens, dem Hallenser Aufsichtsrat bei der Bewältigung seiner sicher nicht einfachen Aufgabe zu helfen. Allein, diese Hilfe wurde abgelehnt.

Bitte an den Aufsichtsrat

Sehr verehrter Aufsichtsrat: Aufsichtsrat sein heißt nicht "auf Sicht" fahren, sondern die Aufsicht haben, im Sinne der Fürsorge und zum Wohlergehen der Ihnen anvertrauten Institution. Dazu gehört auch das Entwickeln von  Strategien und Zielen, die nicht hinter der nächsten Straßenecke enden. Erst einen Opernintendanten zu verpflichten, um frischen Wind in das Haus zu bringen und sich kurz danach darüber zu beschweren, dass es zieht, wirkt mit Verlaub nicht sonderlich überlegt.

Es geht nicht um die Egos einzelner Beteiligter oder ob sich jemand mehr der einen oder anderen Haltung zugeneigt fühlt. Es geht darum, dass in einem Haus, das die Öffentlichkeit mit über 30 Millionen Euro finanziert, die Angelegenheiten so geregelt sind, dass dort ohne Belastung durch Krisen und Konflikte wieder das gemacht werden kann, wofür das Haus da ist: Kunst für die Bürger dieser Stadt.

Es liegt in der Hand und der Verantwortung der Entscheidungsträger, ob über die Bühnen Halle wieder Meldungen zu kreativen Perspektiven und konsistenten Strategien geschrieben werden können. Denn nach wie vor gilt: Für schlechte Nachrichten sind nicht die verantwortlich, die sie berichten. Sondern die, die sie anrichten.

Passend zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. April 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 16:00 Uhr