Trauer Komponist Krzysztof Penderecki gestorben

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 86 Jahren in Krakau (Krakow). Das berichtete die Agentur PAP unter Berufung auf seine Ehefrau.

Penderecki wurde in jungen Jahren der Avantgarde zugeschrieben, wandte sich aber später wieder mehr traditionellen Formen zu. Eine seiner bekanntesten Kompositionen widmete er den Opfern des Atombombenangriffs von Hiroshima. Seine ausdrucksstarke Musik wurde in zahlreichen Filmen verwendet, darunter Horrorklassikern wie "Shining" von Stanley Kubrick, "Der Exorzist" von William Friedkin, "Shutter Island" von Martin Scorsese, David Lynchs "Wild At Heart" oder Andrzej Wajdas "Katyn". Er galt als wichtigster polnischer Komponist der Gegenwart.

Aus dem Leben des Komponisten

Krzysztof Penderecki wurde am 23. November 1933 in Debica bei Krakau geboren. Sein Vater war ein musikbegeisterter Anwalt, und so erhielt er bereits in frühen Jahren Violin- und Klavierunterricht, später studierte er Komposition an der Krakauer Staatsakademie. Aufsehen erregte Penderecki, als er 1959 beim Warschauer Wettbewerb junger polnischer Komponisten anonym drei Stücke einreichte und alle drei zu vergebenden Preise gewann. Sein Orchesterwerk "Anaklasis" wurde 1960 in Deutschland uraufgeführt und sicherte ihm einen festen Platz in der Neuen Musik.

Seinen 85. Geburtstag am 23. November 2019 hatte Penderecki noch mit einem eigenen Musikfestival und Weggefährten aus aller Welt gefeiert. So verband ihn mit der deutschen Violinistin Anne-Sophie Mutter eine lange und intensive Künstlerfreundschaft, daraus entstand u. a. das Album "Hommage à Penderecki".

Er beherrschte alle Kompositionsstile. Und eine besondere Leistung von Penderecki war, dass er die musikalischen Traditionen mit der Moderne und den zeitgenössischen Ansätzen versöhnt hat.

MDR KULTUR-Musikredakteur Martin Hoffmeister über Penderecki

Naturverbundener Komponist

Pendereckis zweite Leidenschaft galt auch den Bäumen: Seit mehr als 40 Jahren sammelte der Komponist und Baumkundler überall auf der Welt Samen und Stecklinge für sein Arboretum. Auf seinem Landgut in Lusławice in der Nähe von Krakau pflanzte er mehr als 1.600 Baumarten. Über seinen Baumgarten schrieb er in seinem 1998 veröffentlichten Buch "Labyrinth of Time", dass es wie seine Musik auch eine Arche Noah sei, in der er alles, was ihm wichtig ist, über die Sintflut retten will.

25 Jahre Arbeit am "Polnischen Requiem"

Krzysztof Penderecki 151 min
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Am 15. Januar 2011 wurde Pendereckis "Polnisches Requiem" im Leipziger Gewandhaus unter seiner Leitung aufgeführt. Den Ursprung hatte das - damals noch nicht absehbare - Großwerk in der Komposition "Lacrimosa", die er 1980 im Auftrag der polnischen Gewerkschaft Solidarność schuf und die heute den zehnten Satz des Requiems bildet.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war für den Komponisten 1981 der Tod des Kardinals Stefan Wyszyński, der sich für Versöhnung zwischen Polen und Deutschland einsetzte. Für den Geistlichen schrieb er ein Agnus Dei und entschied sich, das "Lacrimosa" und das Trauerstück als Ausgangspunkt für eine große Trauermesse anzulegen. 25 Jahre lang ergänzte er das 1984 in einer ersten Fassung aufgeführte "Polnische Requiem" mit weiteren Sätzen, die Persönlichkeiten und Ereignissen der polnischen Geschichte gewidmet sind. 2005 vervollständigte er das Werk mit dem Streichorchester-Satz "Ciaccona".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. März 2020 | 14:45 Uhr