Ausstellung - Konferenz der Plastiktiere
Buntes Plastikspielzeug aus der Sowjetunion Bildrechte: Sammlung Köpcke & Weinhold, Berlin

Ausstellung zu Spielzeug aus der Sowjetunion Dresden lädt zur "Konferenz der Plastiktiere"

Kugelfisch, Rehkitz, Püppchen und Teddybär – wer kennt sie nicht, die bunten Plastikspielzeuge aus der Sowjetunion. Zu DDR-Zeiten gehörten sie zum beliebten Standardinventar für Kindergärten und Kinderzimmer. Die Geschichte ihrer Entstehung und die Biografien ihrer bisher namenlosen Gestalter werden nun erstmals in einer umfassenden Sonderausstellung im Stadtmuseum Dresden gewürdigt. Unter dem Titel "Konferenz der Plastiktiere" lädt das Stadtmuseum Dresden zu einem tierischen Vergnügen für Alt und Jung ein.

von Heike Schwarzer, MDR KULTUR

Ausstellung - Konferenz der Plastiktiere
Buntes Plastikspielzeug aus der Sowjetunion Bildrechte: Sammlung Köpcke & Weinhold, Berlin

Blauer Badefisch mit Kugelaugen, ein Dackelhündchen mit beweglichen Beinen, staksige Rehkitze und Schäfchen, daneben Plastikpüppchen, Teddybären und Häschen geformt wie Schmeichler für Kinderhände: Rund 230 Plastikspielzeuge aus einer noch umfangreicheren Sammlung – mit dem Fokus auf Leningrader und später Sankt Petersburger Gestalterinnen und Gestalter – hat Kustodin Andrea Rudolph für die Sonderausstellung im Dresdner Stadtmuseum ausgewählt. Teddys in Orange oder Gelb mit beweglichen Augen, massenhaft produziert.

Außergewöhnliche Künstlerbiografien

Ausstellung - Konferenz der Plastiktiere
Auch Spielzeugbären werden ausgestellt Bildrechte: Sammlung Köpcke & Weinhold, Berlin

Auch in der DDR entwickelten herausragende Gestalter wie Ali Kurt Baumgarten aus Thüringen künstlerisches Spielzeug für den osteuropäischen Markt wie zum Beispiel den Badefisch. Ein gelungenes Spielzeug habe einen Charakter – in der Hand eines Kindes werde es lebendig, sagt der Petersburger Designer Lew Smorgon. Er ist einer der sieben herausragenden Gestalter, den Sammler und Leihgeber Sebastian Köpcke in mühevollen Recherchen den namenlosen Plastiktieren wieder zuordnen konnte. Die Ausstellung gibt so auch einen Einblick in außergewöhnliche Künstlerbiografien, die von den 20er- bis in die 80er-Jahre reicht.

Spielzeugindustrie mit Kunststoff

Dessen ungeachtet entwickelte sich in den Leningrader Chemiewerken – unter dem Radar des so genannten sozialistischen Realismus in der Bildhauer- und Skulpurenkunst – in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine eigene Spielzeugindustrie mit einem Material der Moderne: Kunststoff und in einer markanten Formensprache. Auch Märchen, Filme und andere Medien spielten bei der Produktgestaltung eine wichtige Rolle.

Neben den Ausstellungsstücken bietet die Schau ein umfangreiches Rahmenprogramm u.a. mit Upcyclingangeboten. Außerdem entstand in Zusammenarbeit mit einer Kunsthistorikerin und Restauratorin aus Sankt Petersburg ein Buch über die Spielzeugtiere der Sowjetunion 1950–1980. Es macht erstmals die jahrelangen Recherchen zu sowjetischen Spielzeugfiguren und den dahinterstehenden Gestaltern für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich.

Ausstellung "Konferenz der Plastiktiere"
Die Ausstellung "Konferenz der Plastiktiere" im Dresdner Stadtmuseum Bildrechte: Stadtmuseum Dresden, Sophie Arlet

Angaben zur Ausstellung "Konferenz der Plastiktiere"
Stadtmuseum Dresden
Bis 1. März 2020
Di bis So, Feiertage: 10 bis 18 Uhr
Mo geschlossen
Eintritt: 5 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR | 02. Dezember 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 15:52 Uhr

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