Schallplatte
Erst mit Hilfe der LP konnte das Konzeptalbum funktionieren. Bildrechte: IMAGO

Tipps und Klassiker Die besten Konzeptalben

Beim Begriff Konzeptalbum denkt man sofort an Alben wie "The Wall" von Pink Floyd oder "Sergeant Pepper´s" von den Beatles. Also an Platten, die sich in einer geradlinig erzählten Art einem Protagonisten oder einem (musikalischen) Thema widmen. MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon gewährt einen Blick auf seine Lieblingskonzeptalben, Klassiker und Geheimtipps.

Schallplatte
Erst mit Hilfe der LP konnte das Konzeptalbum funktionieren. Bildrechte: IMAGO

Pink Floyd – "Animals"

The Pink Floyd: Roger Waters, Nick Mason, Syd Barrett und Rick Wright., 1967
Pink Floyd auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1967. Bildrechte: dpa/Starstock/Photoshot

Nachdem Roger Waters  bei Pink Floyd das Ruder endgültig übernommen hatte – also nach "Dark Side" und "Wish You Where Here" - war eigentlich jedes Album der Kunstbriten ein reines Konzeptalbum. Nicht, dass sie vorher nicht schon in größeren Musikformaten gedacht hätten, aber selbst "Atom Heart Mother" oder "More" waren noch irgendwie Singlealben mit Überbau . Das reine Konzept, also die opulente Abarbeitung an einem Thema, das sind: "The Wall" – die Abrechnung mit dem Showbiz und Margret Thatcher –, "The Final Cut" – die Verarbeitung des Water´schen Kriegstraumas –, und mein Lieblingskonzeptalbum der Band , das immer gerne mal vergessen wird: "Animals". Die Water´sche Einteilung der Menschen in Dogs, die gewissenlosen Kapitalisten – in die Schweine, die Moralapostel und Rädelsführer einer verlogenen Gesellschaft – und die Schafe, die Follower und tumben Hinterherläufer.  Das ist zwar Biertischsoziologie, aber eine, die dem großen musikalischen Wirken der Band auf dem Album nicht im Wege steht.

The Alan Parsons Project – "Tales of Mystery and Imagination"

Alan Parsons Project
The Alan Parsons Project bei einem Auftritt im Jahr 2013. Bildrechte: imago/Revierfoto

Apokalypse, geboren in den Abgründen der romantisch düsteren Worte von Edgar Allan Poe. Mit großem Orchester, Jungenchor, Synthesizern, Gitarren und Glockenspiel schafft The Alan Parsons Project einen klaustrophobischen Klangturm, der immer droht, auf einen herabzustürzen und ihn unter sich zu begraben. Literatur trifft auf orchestrale Popmusik in absoluter Vollendung.

Auch eine Erwähnung wert

Floyd und Parsons, alles Klassiker der konzeptuellen Rockmusik. Erwähnt seien hier noch "Lamb Lies Down on Broadway" von Genesis oder "Welcome to My Nightmare" von Alice Cooper. Aber auch abseits vom Rock gab es Konzeptalben: Zum Beispiel Laura Nyros "Eli and the Thirteenth Confession" – ein feiner Hybrid aus Jazz , Soul und Musical – erzählt die in Grundzügen autobiografische Geschichte, der damals 20-jährigen Sängerin vom Teenager zum Erwachsenen. Das Album ein kommerzieller Flopp, wirkt bis heute aber als Inspirationsquelle nach.  Roseanne Cash, Joni Mitchell, Rickie Lee Jones, Suzanne Vega – sie alle stehen in direkter textlicher und musikalischer Verbindung zu Nyro und benennen "Eli and the Thirteenth Confession" als wichtigstes Album der späten Sechziger.

Das nichtkonzeptuelle Konzeptalbum

Beatles-Album: Sergeant Pepper
Das Cover zum "Sergeant Pepper´s"-Album der Beatles. Bildrechte: dpa

Zum Abschluss noch ein Paradebeispiel und deshalb in meiner kleinen Hitliste von Konzeptalben mit dabei: ein Paradestück für das nichtkonzeptuelle Konzeptalbum - "Sergeant Pepper´s". Die Freiheit als Konzept. Es gibt kaum textliche Verwebungen, nur eine musikalische Klammer mit dem Titelstück. Und trotzdem gilt das Beatles-Album als Mutter aller Konzeptalben. Zu erklären ist das nur mit dem unbedingten Willen der Beatles, sich allen Konzepten zu verweigern. Das Konzept ist das technisch Mögliche. Die Möglichkeiten der Studiotechnik sind das Mittel für die musikalische Befreiung. Die gesellschaftliche Aufbruchstimmung, die Hippie-Unruhen um den Londoner Psychedelic Club "UFo" oder das erste Solidaritätskonzert im Hyde-Park, waren allgegenwärtig. Freiheit lag in der Luft. Die Beatles später zu Gralshütern und Erfindern des Konzeptalbums erhoben –  hier in totaler konzeptueller Verweigerung. Nie war ein Konzept schlüssiger. Dass die Musik nebenbei großartig ist – bis heute – versteht sich von selbst.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Mai 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 04:00 Uhr

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