Beatles-Album: Sergeant Pepper
Das Album "Sergeant Pepper" von den Beatles gilt als Protoyp des Konzeptalbums. Bildrechte: dpa

Damals und heute Das Konzeptalbum ist tot - es lebe das Konzeptalbum!

Konzeptalben gelten als die hohe Kunst der Musikgestaltung. Aber was zeichnet ein Konzeptalbum aus? Und sind diese Alben in der Form auch heute noch anzutreffen? Wir wagen einen Blick auf die Geschichte des Konzeptalbums und auf die heutige Bedeutung.

von Christine Brigitte Reißing, MDR KULTUR-Autorin

Beatles-Album: Sergeant Pepper
Das Album "Sergeant Pepper" von den Beatles gilt als Protoyp des Konzeptalbums. Bildrechte: dpa

Was hat es bloß auf sich mit einem Konzeptalbum? Die Suchmaschine Google bietet wie immer prompt eine Antwort – und leitet direkt weiter zu Wikipedia. Dort heißt es:

Ein Konzeptalbum ist ein Musikalbum, bei dem die einzelnen Titel nicht isoliert, sondern in ihrer thematischen Beziehung zu den anderen Teilen des Albums als Gesamtwerk betrachtet werden.

Die LP als Bedingung

Nun gut – Wissenschaftler sehen das allerdings ein wenig anders. So wie Jens Gerrit Papenburg von der HU Berlin. Der Medienwissenschaftler forscht seit Jahren zum Thema Konzeptalben. Grundsätzlich geht er bei der Wikipedia-Definition zwar mit, aber Eingrenzungsversuche wie in dem Artikel hält er allerdings für recht reizlos, da sie ziemlich allgemein seien. Es gebe so etwas wie eine medientechnische Bedingung des Konzeptalbums – nämlich die LP. "Also mehrere Titel auf einer LP zu veröffentlichen, die eine Gesamtheit, eine Einheit bilden sollen", so Papenburg.

"Sergeant Pepper´s" als Prototyp

Als das Konzeptalbum schlechthin gilt "Sergeant Pepper’s" von den Beatles. Die musikalische Klammer mit dem Titelsong am Anfang und Ende des Albums und dem finalen Akkord von "A Day In The Life" sind für Papenburg ein sicheres Indiz für Konzeptualität. Dort habe man ein klassisches Intro, welches diese imaginäre Band vorstellt. Und man habe ein Outro, das das Intro wieder aufnimmt.

Musik sei hier Kunst, nicht mehr bloß schiere Unterhaltung, sagt Pop-Kenner Papenburg. Konzeptalben bilden ihm zufolge eine kohärente Einheit – wie auch bei "Ziggy Stardust" von David Bowie und Stevie Wonders "Journey Through The Secret Life Of Plants".

1974, David Bowie bei einem Auftritt
David Bowie als Kunstfigur "Ziggy Stardust". Bildrechte: IMAGO

Eine neue Form des Marketings

Papenburg meint, der von der Rockmusik entwickelte Kunstanspruch sei vor allen Dingen in der Zweiten Hälfte der Sechzigerjahre entstanden. "Zusammenspielend – und das ist natürlich nicht zu unterschätzen – ist, dass das Konzeptalbum also in erster Linie erstmal eine Marketingkategorie gewesen ist", sagt er.

Also dass es darum ging, Alben als Konzeptalben zu verkaufen. Und damit eben halt neue Marketingstrategien zu entwickeln.

Moderne Konzeptalben

Die Hochzeit der Konzeptalben waren ganz klar die Sechziger und Siebziger. Aber was ist mit heute? Gibt es überhaupt noch sowas wie Konzeptalben? Papenburg sagt Ja – und nennt als Beispiel "Biophelia" von Björk, ein Album in Form einer App. Oder er nennt das "Lemonade"-Album von Beyoncé, das ein Album sei, was eine bestimmte Geschichte präsentiere. "Also zum einen eine Betrugsgeschichte, die die Songs des Albums versucht zusammenzuhalten."

Offene Texte in der Popmusik

Queen B. Beyonce
Auch Beyoncés Album "Lemonade" ist ein modernes Gesamtkunstwerk. Bildrechte: Parkwood/Sony

Neben den Songs hat Beyoncé auch ein "Lemonade"-Video onlinegestellt – an dessen Ende prügelt die Sängerin als Rache am Patriarchat mit einem Baseballschläger auf Autos ein. Aus dem Album herauslesen müsse man Botschaften wie diese aber nicht, beruhigt Papenburg, denn es sei ja das Schöne an Popmusik, dass man es da mit relativ offenen Texten zu tun habe. "Wo es nicht unbedingt darum geht, jetzt die Künstlerintention nachvollziehen zu müssen."

Genauso gut könne man aber auch einzelne Titel eines Konzeptalbums wie dem von Beyoncé in eine Spotify-Playlist integrieren. Dann geht zwar die Konzeptualität des Albums verloren – dessen einzelne Songs können aber ja auch alleine eine gute Figur machen. Und zusammen mit anderen Songs womöglich eine ganz neue Form der Konzeptualität entwickeln.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Mai 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 11:26 Uhr

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