Geschichte Krabat – Mythos und Wahrheit

Mühlentag in der Krabatmühle Schwazkollm 4 min
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Um die sorbische Figur des Krabat ranken sich viele Legenden. Grit Krause hat sich auf die Spur des wahren Krabat begeben und erklärt, wie aus einer historischen Person ein Mythos wurde.

MDR KULTUR - Das Radio So 12.07.2020 06:00Uhr 04:06 min

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In der Oberlausitz ist es nicht unbedingt das Bild des Jungen Krabat, der beim Schwarzen Müller das Zaubern lernt, mit dem man groß wird, sondern eher das eines alten Mann mit weißem Haar, langem Schnurrbart und dicht zusammen gezogenen Brauen. Geprägt ist es von dem Roman und den darin enthaltenen holzschnittartigen Illustrationen des sorbischen Schriftstellers und Malers Martin Nowak-Neumann.

Ein kroatischer Obrist

Der Genealoge Hans-Jürgen Schröter aus Wittichenau hat die Geschichte des Krabat im Heimatkundeunterricht der vierten Klasse kennengelernt. Für ihn war Krabat ein Held. Und so entstand der Wunsch, die Geschichte des Krabat zu erkunden. Seit 2007 folgt er den Spuren – nicht des guten sorbischen Zauberers – sondern des historischen Vorbilds, des aus Kroatien stammenden Obristen Johann von Schadowitz.

Das Gebiet, aus dem er kam, wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Krabaten bezeichnet, und man hat auch im Dreißigjährigen Krieg die kroatischen Söldner im Sprachgebrauch als Krabaten bezeichnet.

Hans-Jürgen Schröter, Krabat-Forscher

Durch seine langjährigen Erkundungen, die Schröter in Kürze auf der Internetseite Sächsische Biografien veröffentlichen wird, hat er herausgefunden, dass Johann von Schadowitz 1658 seinen Dienst am kurfürstlich-sächsischen Hof angetreten hatte, wo er es bis zum Leibgardisten von Johann Georg III. brachte. Dieser wiederum war auch Landvogt der Oberlausitz. Und so lernte Janko Šajatović, wie sein Geburtsname lautete, auf zahlreichen Reisen die Sorben und ihre Region kennen.

Nachfahren gefunden

Der Schwarzkollmer Ole Dobisch spielt den historischen Krabat. (Hier in Uniform.)
Der Schwarzkollmer Ole Dobisch spielt den historischen Krabat. Bildrechte: MDR/Studio DD

Schwieriger war es, etwas über seine Kindheit und Jugend zu erfahren. Schröter erläutert: "Ich habe damals, als ich wusste, wo er herkam, ein Gesuch an das entsprechende Pfarramt nach Kroatien geschickt, und dort ist dieses Gesuch von einem Kirchenhistoriker aufgenommen worden und mit großem Einsatz in der Form umgesetzt worden, dass wir tatsächlich dann auf Nachfahren der Familie oder der Sippe, wenn man es so will, gestoßen sind und dann auch Kontakt aufbauen konnten."

Hans-Jürgen Schröter kann heute den gesamten Lebensweg des Janko Šajatović rekonstruieren, angefangen bei seiner Geburt 1624 in Krabaten bis hin zu seiner Beisetzung 1704 in der Kirche in Wittichenau. Seinen Ruhestand verbrachte Šajatović alias Johann von Schadowitz als Gutsherr in Groß Särchen bei Wittichenau.

Positives Wirken

Über sein Wirken weiß Schröter zu berichten: "Er hat hier viele Neuerungen eingeführt, er hat die Wiesen entwässert, er hat eine gute Fischzucht aufgebaut. Er hat Feldflächen zusammengelegt, Stückflächen zu wirtschaftlich größeren Flächen. Er hat also tatsächlich dafür gesorgt, dass hier nach den schweren Jahren des Dreißigjährigen Krieges die Wirtschaft wieder etwas zum Blühen kam, und so haben sich seine guten Taten beim Volk eingeprägt."

Mit dem Teufel im Bunde?

Wie Johann von Schadowitz – der Krabat – schließlich zum Mythos wurde, erklärt Susanne Hose vom Sorbischen Institut in Bautzen: "Ein Krabat im roten Mantel, ein alter Mann, der gut reiten kann, der braucht, um an den Hof nach Dresden zu reiten, kürzeste Zeit, während der Bauer mit seinem Ochsenkarren viel, viel länger braucht, ist doch ganz klar, dass der durch die Luft reitet – und durch die Luft reiten kann nur der Teufel."

Allerdings wandelt sich das Bild vom Teufelsbündner im Laufe der Jahrhunderte hin zum guten sorbischen Zauberer, der das Land fruchtbar macht – wie es Johann von Schadowitz getan hat.

Literarischer Held

Literarisch verarbeitet hat es unter anderem Jurij Brězan in seinem Roman "Krabat oder die Verwandlung der Welt". Hose weiß dazu: "Brězan nimmt einen Punkt aus dieser Krabatfigur raus, nämlich, wie wichtig Wissen im Leben ist. Und nicht nur im Leben eines Menschen, sondern auch im Leben eines Volkes. Das hat also auch etwas mit Geschichtsbewusstsein und Kulturbewusstsein zu tun – was natürlich für die sorbische Minderheit sehr wichtig ist."

Inzwischen ist Krabat für die Menschen in der Oberlausitz aber auch ein touristisches Zugpferd, nicht zuletzt mit der wieder errichteten Krabatmühle in Schwarzkollm als Erlebnishof. Und so ist Krabat nicht mehr nur Mythos, sondern auch eine Marke.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juli 2020 | 07:15 Uhr