Kraftwerk beim Konzert.
Kraftwerk beim Konzert Bildrechte: Lennart Preiss/dapd

Elektro-Pioniere Wie Kraftwerk die Musik beeinflusst hat

Kraftwerk wird mit den Beatles verglichen, man bezeichnet die Band auch gern als "elektronische Beatles". Kraftwerk ist neben Rammstein wohl die im Ausland bekannteste deutsche Band. Und viele elektronische Musiker beziehen sich auf Kraftwerk als prägenden Einfluss.

Kraftwerk beim Konzert.
Kraftwerk beim Konzert Bildrechte: Lennart Preiss/dapd

Die Namensliste der Kraftwerk-Adepten ist lang. Ob Synthie-Pop, Elektro-Funk, Disco-Sound oder Detroit-Techno, die Quellen der musikalischen Inspiration liegen bei Kraftwerk. Selbst Hip Hop ist ohne Kraftwerk kaum denkbar, dessen stilprägender Song "Planet Rock" war auch deshalb so erfolgreich, weil Afrika Bambaataa seinem Hip-Hop-Groove einen kräftigen Schwapps aus Kraftwerks "Trans-Europe Express" verpasste. Weitere Kraftwerk-Jünger, von denen man es vielleicht nicht erwartet hätte, sind David Bowie, Coldplay, R.E.M, Jay-Z, Daft Punk and Kanye West.

Wissenswertes über Kraftwerk

Die Anfänge

Die Anfänge

Bei ihren ersten Konzerten traten Kraftwerk noch mit Querflöte und E-Gitarre auf.

Klassisch

Klassisch

Das rumänische Balanescu-Quartett veröffentlichte 1992 ein Album mit Kraftwerk-Songs, arrangiert für avantgardistisches Streichquartett.

Europäer

Europäer

Mit dem Album "Trans Europe Express" wollten sich Kraftwerk von ihrem teutonischen Image distanzieren. Das Image entstand u.a., weil ein Albumtitel "Autobahn" lautete, deren Bau mit der NS-Zeit assoziiert wird.

Bowie ruft umsonst

Bowie ruft umsonst

1976 sollten Kraftwerk mit David Bowie auf Tour gehen, der ein großer Fan der Band war. Doch sie sagten ab.

Samba-Feeling

Samba-Feeling

Auch in Latin-Music-Varianten gibt es Kraftwerk-Songs, gespielt von einer vermeintlichen südamerikanischen Provinzkapelle. Dahinter steckt jedoch der deutsche Musiker Uwe Schmidt alias "Señor Coconut".

Mythos und Gesamtkunstwerk

Kraftwerk am 07.12.2015 in Leipzig
Kraftwerk bei einem Auftritt 2015 in Leipzig Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Die moderne Mythenbildung um Kraftwerk begann, als Gründungsmitglied Wolfgang Flür aus einer Rhythmusmaschine ein elektronisches Schlagzeug bastelte. Danach wurde alles auf Elektronik umgestellt und 1974 hatten Kraftwerk mit "Autobahn" ihren ersten Hit in den USA.

Ihren Status hat sich die Band nicht nur durch ihre Musik erworben, auch ihre Öffentlichkeitswirkung spielt hier eine Rolle - es gibt sie nämlich kaum. Nur wenige Interviews hat Kraftwerk bislang gegeben, Auftritte sind rar und auch die Albenveröffentlichungen werden immer seltener, je länger die Band existiert.

Wer sind die Roboter?

Kraftwerk verstand es, mit als typisch deutsch assoziierten Mitteln Wirkung zu entfalten. Ihr Rhythmus ist maschinenhaft monoton, die Gesangssprache nahezu emotionslos zumeist deutsch, die Klangsprache ist futuristisch, die Bandpräsentation unterkühlt und höflich-abweisend. Kein anderer Künstler ist zuvor so aufgetreten.

Kraftwerk
Das sind die Kraftwerk-Puppen - oder doch nicht? Bildrechte: EMI Music

Auf die Spitze trieb die Band ihr Konzept, als sie irgendwann damit anfing, uniform gekleidete Roboter als vermeintliche Musiker auf die Bühne zu stellen und sich selbst im gleichen Outfit zu Konzerten an anderen Orten zu präsentieren. Kraftwerks Album "Die Mensch-Maschine" wurde so beispielsweise in London und Paris gleichzeitig uraufgeführt und bis heute weiß man nicht genau, wo die Computer und wo die echten Kraftwerk-Musiker spielten.

Der Nachteil von Influenzern ist, dass ihre Zöglinge nach und nach erwachsen werden und mittlerweile rechts und links an der Band vorbeigezogen sind. Innovative elektronische Musik erwartet man heute weniger von Kraftwerk als von ihren Söhnen und Töchtern - doch die hätte es ohne die Elektro-Pioniere aus Düsseldorf so nicht gegeben. Und innovativ sind sie noch immer. Bei den jüngsten Grammy Awards erhielt Kraftwerk für "3-D The Catalogue" einen Grammy für das beste Dance- und Electronic-Album des Jahres.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Februar 2018 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2018, 10:15 Uhr