Israelische Kampfsportart wird immer beliebter Was fasziniert an Krav Maga?

Die Nahkampftechnik Krav Maga des israelischen Geheimdienstes wird in Deutschland immer beliebter. Was zeichnet diesen Sport aus, welche Voraussetzungen braucht man und wie schützt man sich, dass die Technik nicht von den Falschen gelernt wird?

von Johannes Paetzold

Was ist Krav Maga?

Der Name "Krav Maga" kommt aus dem hebräischen und bedeutet "Kontaktkampf". Die Nahkampftechnik findet ihren Ursprung in der israelischen Armee und dem Geheimdienst Mossad und wird dort erprobt.

Krav Maga orientiert sich nicht an den klassischen Kampfsportsystemen, wie zum Beispiel Karate. Der ausgebildete Krav-Maga-Trainer Björn Wiebe erklärt die Grundprinzipien:

Krav Maga nutzt den sogenannten dirty fight. Wir nutzen alle Mittel, auch unfaire. Es gibt Tritte gegen Ohren, gegen das Knie, auch zwischen die Beine. Wir nutzen alle Möglichkeiten, um uns in einer gefährlichen Notwehrsituation zu schützen.

Björn Wiebe, Krav-Maga-Trainer

Björn Wiebe hat schon alle verschiedenen Kampfsportarten ausprobiert und praktiziert - Taekwondo, Jiu Jitsu. Aber bei Krav Maga ist er geblieben. Und eigentlich, sagt er, ist Krav Maga auch keine Kampfsportart, sondern die effektivste Art der Selbstverteidigung, die nur ein Ziel kennt: einer Gefahr bei einer Attacke heil zu entrinnen.

Warum boomt der Sport?

Wir hören täglich von terroristischen Überfällen. Und manche geschehen inzwischen gar nicht so weit weg von unserer Haustür. Bei solchen Nachrichten wächst die Angst in der Bevölkerung. Und mancher fragt sich, wie könnte ich mich in der Straße verteidigen, wenn ich angegriffen werde? Aus solchen Ängsten heraus ist Krav Maga eine Kampfsportart, die zwar noch ein Geheimtipp ist, aber seit einiger Zeit einen regelrechten Boom erlebt. Immer mehr Menschen wollen sich in dieser Kampfsportart ausbilden lassen, weil sie eine effektive Verteidigung bei Attacken verspricht.

Woher kommt Krav Maga?

Entwickelt wurde Krav Maga von Imrich Lichtenfeld. Ein Ungar, geboren Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Lichtenfeld war ein guter Boxer, wuchs in der Slowakei auf und wollte den dort lebenden Juden gegen antisemitische Übergriffe helfen. 1942 ging er nach Palästina und unterrichtete seine Kampferfahrung dort weiter. Und wurde 1948 Nahkampfausbilder der israelischen Armee. Krav Maga ist also die Nahkampftechnik, die von der israelischen Armee und dem Geheimdienst Mossad erprobt wird.

Worauf kommt es an?

Wer die Technik lernen will, muss kein Rambo sein. Björn Wiebe ist zwar ein großer Mann von fast zwei metern, aber er ist kein Muskelpaket. Und er hat viele kleine schmale Menschen ausgebildet, die sehr gute Kämpfer wurden. Es kommt auf andere Dinge an, erklärt er:

Zum Einen auf eine saubere klare Technik. Und Zweitens eine hohe Aggression, das macht mindestens 50 Prozent aus. Das klingt erstmal negativ. Aber diese Aggression ist sehr lebensbejahend in einer Notwehrsituation. Wenn man angegriffen wird, dann muss man mit maximaler Energie gegen Gegner vorgehen. Und dazu bedarf eines hohen Maßes an Aggression.

Björn Wiebe, Krav-Maga-Trainer

Um eine Basisausbildung zu bekommen, sollte man ein halbes Jahr regelmäßig trainieren, mehrmals die Woche. Für eine Selbstverteidigungstechnik eine recht kurze Zeit. Aber obwohl Björn Wiebe selbst seit Jahren hauptberuflicher Ausbilder, fährt er regelmäßig in Israel, um sich fortzubilden.

Wer geht zum Training?

Nach Björn Wiebes Beobachtungen kommen ganz normale Bürger zum Krav-Maga-Training. Hartz-IV-Empfänger, Anwälte, Hausmeister, Friseure, Ärzte - es gibt keine typischen Schüler. 20 Prozent der Schüler sind Frauen, ihr prozentualer Anteil wächst. Von der Effektivität von Krav Maga sind alle überzeugt. Und Björn Wiebe hat dafür auch ein im wahrsten Sinne des Wortes Totschlagargument: "Die israelische Armee würde sich sofort einer anderen Technik annehmen, wenn sie ein anderes  System wüsste, was effektiver ist."

Weil man inzwischen so erfolgreich ist, will man aber besonders vorsichtig sein, dass die Technik nicht von den Falschen gelernt wird:

Wir lehnen prinzipiell Leute mit Vorstrafen wegen Gewaltdelikten ab. Ich sage den Leuten immer: Jeder hat eine zweite Chance im Leben verdient aber nicht bei uns. Krav Maga, das was wir lehren, ist zu gefährlich.

Wen man auch ablehnt, sind Teilnehmer, die im Training auffällig sind. Dies musste in Wiebes Gruppen bisher auch dreimal umgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Lebensart | 10.06.2017 | 15:00Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2017, 15:16 Uhr

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