Ottilie (Kristin Suckow) als bildschöne Mutter.
Kristin Suckow spielt Ottilie von Faber-Castell Bildrechte: ARD Degeto/Martin Spelda

ARD-Zweiteiler Was wir von Ottilie von Faber-Castell lernen können

Faber-Castell ist ein Familienunternehmen mit Tradition – mit Bleistiften wurde einst das Imperium begründet. Vor einigen Jahren schrieb Asta Scheib einen sehr erfolgreichen Roman über Firmenchefin Ottilie von Faber: Die Geschichte einer Frau, die zur Jahrhundertwende am Ende des 19. Jahrhunderts die Geschicke der Firma übernimmt und selbstbewusst ihren Platz im Leben immer wieder leidenschaftlich erkämpft, wurde jetzt für Das Erste verfilmt. Wir haben mit Kristin Suckow gesprochen, die die Hauptrolle im zweiteiligen Film "Ottilie von Faber-Castell" spielt.

Ottilie (Kristin Suckow) als bildschöne Mutter.
Kristin Suckow spielt Ottilie von Faber-Castell Bildrechte: ARD Degeto/Martin Spelda

MDR KULTUR: Frau Suckow, Sie schlüpfen in Kostüme und in eine andere Zeit. Was hat Sie an der Geschichte fasziniert?

Kristin Suckow: Es wird die Geschichte einer Frau erzählt, die ihren eigenen Weg geht und nicht die Konventionen bedient, sondern das tut und das entscheidet, woran sie glaubt. Auch als Mutter behauptet sie ihren Platz in der Firma und trifft dann eine Entscheidung. Sie lässt sich mit 41 Jahren scheiden. Das war damals ein Riesending, dass eine Frau für sich eine derartige Entscheidung trifft. Deswegen ist das eine sehr spannende Geschichte.

Ottilie ist eine historische Figur. Wie viel Fiktion braucht man für einen Film?

Die Grundlage für den Film war der Roman "Eine Zierde in ihrem Hause. Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell“ von Asta Scheib, der auf Briefen basiert, die Asta Scheib in den Archiven der Castells gefunden hat. Natürlich gibt es eine Dramatisierung – auch schon im Roman. Kein Leben verläuft so, wie man es dramaturgisch gerne hätte. Und wir zeigen  auch Gespräche aus den Schlafzimmern. Man weiß aber nicht, wie außerhalb des öffentlichen Raumes wirklich gesprochen wurde. Deswegen gibt es eine Fiktionalisierung. Wir versuchen, Ottilie und die Welt von damals zum Leben zu erwecken.

Frauen in den Fokus zu setzen, ist modern. Was sieht man mit dem Blick von heute auf Ottilie?

Frauen wie Ottilie haben den Weg für die Gleichberechtigung geebnet und sind damit auch sehr bedeutsam für uns heutzutage. Mit dem Blick von heute, glaube ich auch, dass die ganze Zeit voller Umbrüche war und es schwer zu begreifen ist, wie schnell das damals ging. Es kam ja dann auch ziemlich schnell das Frauenwahlrecht 1918. Vieles hat sich damals rasant verändert. Das Tempo der Entwicklung kann man mit der Digitalisierung heute vergleichen, wo die Menschen, wie damals, gefordert sind, sich immer wieder neu zurecht zu finden.

Ottilie (Kristin Suckow, li.) und Clarissa (Jasmin Schwiers) genieߟen ihren gemeinsamen Urlaub.
Ottilie (Kristin Suckow, li.) und Clarissa (Jasmin Schwiers) Bildrechte: ARD Degeto/Martin Spelda

Wie Sie von Ottilie sprechen und vor allem, wie sie sie spielen, zeigt, dass Sie sich stark mit ihr identifizieren können.

Ich habe sie geliebt, ich bin mit Haut und Haar da reingegangenen und alle um mich herum auch. Das war ein großes gemeinschaftliches Projekt, bei dem die kreativen Energien von allen möglichen Seiten zusammengekommen sind. Wir haben direkt neben dem Schloss in einem Hotel gewohnt, konnten abends im Park spazieren und die Kollegen bei ihrer Arbeit begleiten, auch wenn wir nicht dran waren. Ich bin eingetaucht in die Ottilie, und es fiel mir auch schwer, sie wieder loszulassen.

Der Film besticht durch eine beeindruckende Ausstattung. Trotz der historischen Kostüme spielen Sie die Ottilie sehr modern und körperlich. Wodurch gelingt das?

Wir haben versucht, nicht nur die Formen und die Äußerlichkeiten zu zeigen, sondern auch das, was sich dahinter abspielte, hinter den prächtigen Fassaden und  unter den steifen Korsetts. Letztendlich hatten die Menschen damals die gleichen Gefühle und haben sich auf ähnliche Art und Weise ausgedrückt. Wir stellen uns die Vergangenheit immer als eine ganz andere Welt vor. Aber ich glaube, die Menschen von damals sind uns näher, als wir meinen. Und das war unser Versuch, sie nah ran zu holen und als Menschen zu zeigen, die miteinander reden und die etwas fühlen und wirklich etwas miteinander austragen.

Ottilie Faber-Castell war eine Geschäftsfrau in einer männerdominierten Welt, was für die Zeit ungewöhnlich war. Am Ende steht die Frau aber zwischen zwei Männern, die im Vordergrund stehen. Ist das am Ende doch die weibliche Rolle?

Es gibt am Ende von Asta Scheibs Roman die Briefe, die Ottilie geschrieben hat, in denen sie auch die Liebe zu Philipp beschrieben hat. Wenn man diese Briefe liest, dann erahnt man die tiefe Verbindung, die beide gehabt haben müssen. Es ist wunderschön, wie sie das beschreibt. Und deswegen ist sie nicht nur die Geschäftsfrau und Ratio, wie wir alle das nicht nur sind. Und die Hochzeit mit Alexander von Castell zu Rüdenhausen war vom Großvater bewilligt. Ich denke, die beiden hatten auch eine Verbindung, sie hatten Kinder. Am Ende geht es um das Zerbrechen einer Ehe und das Fehlen einer Kommunikation, das man heute auch gut kennt. Warum soll das damals nicht passiert sein?

Ottilie (Kristin Suckow) muss sich zwischen Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen (Johannes Zirner, li.). und Philipp von Brand zu Neidstein (Hannes Wegener) entscheiden.
Ottilie (Kristin Suckow) muss sich zwischen Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen (Johannes Zirner, li.). und Philipp von Brand zu Neidstein (Hannes Wegener) entscheiden Bildrechte: ARD Degeto/Martin Spelda

Frau Suckow, Sie haben jetzt den Fernsehfilm gemacht, spielen sonst aber auch viel Theater. Wie unterschiedlich erleben Sie die Arbeit als Schauspielerin?  

Das Theater hat eine ganz andere Kostbarkeit, den direkten Kontakt zum Publikum.

Beim Film ist es dafür viel intimer, da ist das Team das Publikum. Ich vergesse oft die Kamera, es ist sehr realistisch, weil man die Kostüme trägt, in diesen wundervollen Räumen dreht mit dem Spielpartner, als wenn du mit ihm alleine wärst, wirklich in der Situation, in der die Figuren gerade sind. Beim Theater spürt man mehr diesen Performance-Charakter, der auch sehr wertvoll ist, weil der direkte Austausch mit dem Publikum sehr spannend ist. 

Ich habe beim Theater unter anderem die Rolle der Anne Frank gespielt und das hat mich an die Arbeit für "Ottilie" erinnert, weil man einen Menschen spielt, der gelebt hat, dem man gerecht werden möchte, von dem man aber auch viel Material findet , um sich vorzubereiten. Daher gab es für mich eine große Parallele zwischen Ottilie und dem Stück "Anne Frank".

Das Interview führte MDR KULTUR-Redakteurin Claudia Bleibaum.

Angaben zum Film "Ottilie von Faber-Castell - eine mutige Frau"
Das Erste | 14.09.2019 | 20:15 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 04:00 Uhr

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