Melissa Fröhle, (Studienrichtung Industriedesign) hat zusammen mit Theresa Bader und Dominic Schneider an der Burg Giebichenstein ein Projekt zur Wollwertschätzung initiiert, Titel: Rewollte. Stichwort: Nachhaltigkeit - ungenutzte Schafwolle aus Südtirol wird wegen ihrer selbstheilenden Eigenschaften als Kleidung/Umhang verarbeitet.
Melissa Fröhle (Studienrichtung Industriedesign) hat zusammen mit Kommilitonen an der Burg Giebichenstein ein Projekt zur Wollwertschätzung initiiert, Titel: Rewollte. Stichwort: Nachhaltigkeit - ungenutzte Schafwolle aus Südtirol wird wegen ihrer selbstheilenden Eigenschaften zu Kleidung verarbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kunsthochschule Burg Giebichenstein Künstlernachwuchs ist politischer geworden

In Halle bekommt der Künstlernachwuchs heute wieder die große Bühne: Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein lädt zur Jahresausstellung. Politik und aktuelle Debatten spielen dabei für Studierende heute wieder eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren, so Rektor Dieter Hofmann gegenüber MDR KULTUR. Große Themen seien Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Melissa Fröhle, (Studienrichtung Industriedesign) hat zusammen mit Theresa Bader und Dominic Schneider an der Burg Giebichenstein ein Projekt zur Wollwertschätzung initiiert, Titel: Rewollte. Stichwort: Nachhaltigkeit - ungenutzte Schafwolle aus Südtirol wird wegen ihrer selbstheilenden Eigenschaften als Kleidung/Umhang verarbeitet.
Melissa Fröhle (Studienrichtung Industriedesign) hat zusammen mit Kommilitonen an der Burg Giebichenstein ein Projekt zur Wollwertschätzung initiiert, Titel: Rewollte. Stichwort: Nachhaltigkeit - ungenutzte Schafwolle aus Südtirol wird wegen ihrer selbstheilenden Eigenschaften zu Kleidung verarbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Politik und aktuell gesellschaftliche Debatten spielen für Studierende an Halles Kunsthochschule Burg Giebichenstein heute eine größere Rolle als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Im Gespräch mit MDR KULTUR macht Rektor Dieter Hofmann vor allem die "große Unruhe in der Gesellschaft" dafür verantwortlich: "Wir leben in der Zeit eines extremen Wandels." Auf der anderen Seite habe die politische Beteiligung innerhalb der Hochschule im Vergleich zu den 70er-Jahren stark abgenommen. "Das finde ich interessant, aber auch gar nicht so bedenklich", so Hofmann. "Ich glaube, innerhalb der Hochschulstrukturen ist gar nicht mehr so ein großer Wandlungsbedarf da.

Dieter Hofmann
Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein Halle Bildrechte: Matthias Ritzmann

Es ist für einen Künstler, der ernsthaft zeitgemäße Arbeiten schaffen möchte, unabdingbar, sich mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen. [...] Das Interesse an der politischen Situation ist größer geworden, weil ja doch eine große Unruhe in der Gesellschaft zu spüren ist.

Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein Halle

Große Themen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Burg-Studenten haben unter der großen Überschrift '2025 - Wohnen in der Zukunft' gearbeitet: Das Projekt von Textildesign-Student Lars Dittrich beschäftigt sich mit 'verdrahtetem Stoff', der auf diese Weise eine neue Stabilität gewinnt und als Möbel geformt werden kann.
Burg-Studenten haben unter der großen Überschrift '2025 - Wohnen in der Zukunft' gearbeitet: Das Projekt von Textildesign-Student Lars Dittrich beschäftigt sich mit verdrahtetem Stoff, der auf diese Weise eine neue Stabilität gewinnt und als Möbel geformt werden kann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die heutige Zeit werde, so Hofmann, vor allem von der Digitalisierung und den Neuen Medien geprägt. Aber auch Fragen der Gleichstellung, soziale Verwerfungen und aktuell politische Debatten spielten eine Rolle. Den Studierenden sei vor allem bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit bewusst, dass es um ihre Zukunft geht. Die Hochschule, so Hofmann, biete den Humus und die Möglichkeit solche Diskussionen zu führen: "Solche Fragen sind uns sehr wichtig und fließen auch in die künstlerischen und gestalterischen Arbeiten ein."

Bei ihrem Studienaufenthalt in Istanbul hat Burg-Studentin Lisa Kohl (Studienrichtung Bildhauerei/Metall) Geflüchtete aus Afghanistan getroffen. Ihre Videoinstallation ist eine Gegenüberstellung: links: einen Werbefilm der afghanischen Armee wird auf Smartphone gezeigt – rechts: ein Geflüchteter erzählt seine traumatische Geschichte.
Bei ihrem Studienaufenthalt in Istanbul hat Burg-Studentin Lisa Kohl (Studienrichtung Bildhauerei/Metall) Geflüchtete aus Afghanistan getroffen. Ihre Videoinstallation ist eine Gegenüberstellung: links: einen Werbefilm der afghanischen Armee wird auf Smartphone gezeigt – rechts: ein Geflüchteter erzählt seine traumatische Geschichte. Im Hintergrund sind Geräusche von Wellen und Schiffsmotoren zu hören. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jahresausstellung: "Welchen Fehler braucht ein System?"

Auch das Motto der diesjährigen Jahresausstellung spiegelt die Suche nach neuen Perspektiven. Unter der Überschrift "Welchen Fehler braucht ein System?" präsentieren die angehenden Künstler und Designer ihre Semester- und Abschlussarbeiten. Studierende haben dabei nicht nur die eigene Fehlerkultur hinterfragt, sondern auch die der Gesellschaft. "Wir an der Kunsthochschule sind davon überzeugt, dass es ohne Fehler gar nicht geht", so das Fazit von Burg-Rektor Hofmann. Wer keine Fehler mache, finde keine neuen Wege und auch keine neuen Perspektiven. Fehler müsse man provozieren, aushalten und mit ihnen umgehen können, um ans Ziel zu kommen.

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle besteht seit mehr als 100 Jahren. Etwa 1.000 Studierende werden von rund 50 Professoren betreut. Damit ist die Burg nach eigenen Angaben die größte Hochschule für Design in Deutschland.

Multimedia-Porträts von Burg-Studierenden und Absolventen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 13. Juli 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 06:30 Uhr