"Kultur ans Netz" Sachsen-Anhalt kündigt weitere Hilfen für die Kulturszene an

Sachsen-Anhalt hat weitere Hilfen für die Kulturszene angekündigt. Das Stipendienprogramm "Kultur ans Netz" soll weiterlaufen, sagte Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger am Donnerstag in einer Video-Schalte mit Ministerpräsident Reiner Haseloff, Staats- und Kulturminister Rainer Robra und Kulturschaffenden. 2020 waren weniger Anträge für das Stipendienprogramm eingegangen als erwartet. MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer erklärt, woran das liegen könnte.

Reiner Haseloff und Rainer Robra 5 min
Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

MDR KULTUR: Bei einer Videokonferenz haben Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Staats- und Kulturminister Rainer Robra und Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger verkündet, dass es eine Neuauflage des Förderprogramms "Kultur ans Netz" geben wird. MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer war für uns dabei. Das klingt nach einer guten Nachricht.

Sandra Meyer: Ja, denn gerade die Solo-Selbständigen, die brauchen dieses Programm unbedingt. Für sie ist das aufgelegt worden, und man konnte es auch im Herbst bereits abrufen. Diese Unterstützung ist wichtig. Allerdings ist das Wort "weitere 4,5 Millionen Euro" nicht ganz richtig, denn man hatte seitens des Landes bereits 6 Millionen für dieses Förderprogramm eingestellt, von dem aber nur 1,5 Millionen abgerufen wurden. Und das ist natürlich fatal. Da stellt sich die Frage: Warum rufen die Kulturschaffenden das nicht ab?

Es wurde begründet seitens des Ministeriums mit dem Namen "Kultur ans Netz". Also viele dachten offensichtlich, es ginge um ein Digitalisierungsprogramm, was man da vorstellen sollte. Das stimmt nicht, sondern es ist ein Stipendiums-Programm für alle Künstler und es ist auch nicht schwer, den Antrag auszufüllen. Das bestätigten gestern die Kulturschaffenden selbst. Also deshalb nochmal der Aufruf: Ab März kann man das wieder beantragen. Man muss auch nicht in der Künstlersozialkasse versichert sein. Auch das war immer wieder eine Fehlinformation. Und das alles soll nun auch nochmal mit Unterstützung der einzelnen Kulturträger und Dachverbände besser kommuniziert werden. Also insofern ging es bei dem Gespräch auch um die Zielgenauigkeit der Förderung im Kulturbereich.

Dass sich der Ministerpräsident selber kümmert in Sachsen-Anhalt, das hat mich überrascht.

Und das ganze zwei Stunden. Das fand ich wirklich bemerkenswert, ein Bekenntnis zur Kultur. Reiner Haselhoff nimmt regelrecht persönlich Anteil. Er ist auch wirklich verbunden mit einigen Vereinen und dort engagiert. Es sollte darum gehen, mit der Basis ins Gespräch zu kommen. Das ist bei einer Videokonferenz natürlich schwer. Immerhin 15 Vertreter waren dabei, vom Musikrat über die freie Szene bis zum Bund bildender Künstler und haben dann auch von ihren spezifischen Situationen gesprochen, ihren Problemen - vor allem ging es ihnen um die Zeitdimension: Gibt es eine Prognose für den Neustart, wegen der Planungssicherheit? Aber da kam von den Politikern leider gar nichts Konkretes.

Ging es auch um den Ärger mit den sogenannten November- und Dezember-Hilfen?

Ja, da ist viel Unmut. Das wurde angesprochen. Viele Künstler haben schlicht Angst, etwas falsch zu machen bei den Anträgen. Das ist ja ein Misch-Profil, das die Kulturschaffenden aufweisen. Der Verdienst eines freien Schauspielers ist ganz anders als eines bildenden Künstlers. Und wenn man das alles beim Finanzamt angeben muss, da haben viele Bedenken, dass sie womöglich des Subventionsbetrugs beschuldigt werden und wägen nun ab, ob sie sich einen teuren Steuerberater leisten sollen oder wollen. Das Problem wurde benannt, konnte allerdings von den Politikern nicht so richtig nachvollzogen werden, hatte ich den Eindruck. Das brodelt noch. Etwas anderes fand ich auch bemerkenswert: Janek Liebetruth vom Zentrum Freies Theater verwies darauf, dass das Förderprogramm "Neustart Kultur", das ist ja vom Bund, zwar für viele Kunstprojekte und Künstler ein wahrer Segen ist, bisher aber nur wenige wirklich profitiert haben und sich da vielleicht jetzt die Szene spaltet. So nimmt er es wahr, wegen einer ungleichen Verteilung des Geldes.

Abgesehen vom Geld, hatte die Runde noch andere Themen?

Letztlich hängt, glaube ich, alles am Geld, auch die Frage, wie man mit dem Datenschutz umgeht. Jetzt, wo auch kleinere Vereine alles digital organisieren müssen, braucht auch jeder einen Datenschutzbeauftragten, den sich aber keiner leisten kann. Und da will der Kulturminister auch drüber nachdenken. Auch der Mehraufwand durch die digitalen Formate waren Thema. Viele müssen nun zweigleisig planen, also ein großes Festival oder Konzerte live und digital, und auch das verursacht Mehrkosten. Wo kommt das Geld her?

Die Situation ist für viele einfach zu hart, um einfach nur Danke zu sagen. Welche Forderungen bleiben offen?

Es gab vor allem die Forderung nach Solidarität, auch untereinander. Ansonsten war es eher ein freundlicher Austausch. Wobei die Kulturschaffenden natürlich immer wissen, dass sie am finanziellen Tropf der Politik hängen. So wurde auch viel Danke gesagt, und es war eher die Botschaft, dass die Kultur in Sachsen-Anhalt im wahrsten Sinn gehört wird.

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MDR KULTUR - Das Radio Fr 15.01.2021 06:00Uhr 05:20 min

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Das Gespräch führte Carsten Tesch für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Januar 2021 | 08:10 Uhr