Wegen Corona Neue Pläne für Magdeburg und Chemnitz: Kulturhauptstadt-Wettbewerb nur digital

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Magdeburg und Chemnitz müssen ihre Bewerbungsstrategien nun neu denken. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert

Der Wettbewerb um die Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird in diesem Jahr wegen der Corona-Epidemie digital ausgetragen. Wie die Kultusministerkonferenz und die Kulturstiftung der Länder mitteilten, solle so das Infektionsrisiko kleingehalten werden und alle Bewerber die gleichen Chancen haben, auch wenn sie sich in einem Gebiet mit erhöhten Fallzahlen befinden. Die Städte Magdeburg und Chemnitz haben sich ebenfalls um den Titel beworben, der zahlreiche Kulturprojekte ermöglicht und internationale Aufmerksamkeit bedeutet.

Video statt Rundgang

Nach einer zweiten Bewerbungsmappe hätte eigentlich eine Gruppe aus höchstens fünf Juroren die beiden Städte in Mitteldeutschland besucht. Stattdessen müssen Chemnitz und Magdeburg nun Videobeiträge vorbereiten, die den Stadtrundgang ersetzen. Auch die Abschlusssitzung soll online stattfinden. In einer Videokonferenz zeigen die Bewerberteams der Städte eine Präsentation und werden anschließend von der zwölfköpfigen Jury befragt. In einer internen Debatte wird dann die Kulturhauptstadt ermittelt und am 28. Oktober bekannt gegeben. Obwohl das Verfahren somit komplett im Internet durchgeführt wird, bleibt der Wettbewerb nicht-öffentlich.

Pragmatismus und Zuversicht

Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper steht am 08.01.2016 nach seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz vor dem Rathaus in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper Bildrechte: dpa

In den Städten geht nun die Sorge um, dass die virtuellen "city visits" die Stärken der Stadt nicht so gut zeigen können, wie ein richtiger Besuch. Der Oberbürgermeister von Magdeburg, Lutz Trümper, sieht die Entscheidung allerdings sehr pragmatisch: "Es ist schade, die Stadt nicht 'original' präsentieren zu können. Aber es sind für alle Bewerberstädte die gleichen Bedingungen. Wir müssen das akzeptieren und uns jetzt anstrengen, möglichst schnell und professionell die digitale Präsentation der Stadt vorzubereiten. Das werden wir jetzt mit aller Kraft tun, um im Wettbewerb eine echte Chance zu haben."

Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH
Sören Uhle vom Chemnitzer Bewerbungsteam Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Auch im Chemnitzer Bewerbungsteam ist die Hoffnung groß, dass man trotz digitaler Formate überzeugen kann. Das sagte Sören Uhle bei MDR KULTUR: "Für uns heißt das, dass wir uns besser fokussieren können und eine offene digitale Umsetzung entwickeln mit dem Potenzial, das die Stadt bietet. Mit all ihren Machern und digitalen Kompetenzen in Chemnitz werden wir es gut hinbekommen, die analoge Welt ins Digitale zu bringen und unserer Stadt zu präsentieren." Problematisch bleibt dabei dennoch, dass diese Kompetenzen nun relativ kurzfristig aktiviert und gebunden werden müssen.

Entscheidung bis Ende des Jahres

Bis Ende des Jahres wird der Sieger offiziell zur "Kulturhauptstadt Europas 2025" ernannt und erhält im Frühjahr 2025 den mit 1,5 Millionen Euro dotierten Melina-Mercouri-Preis. Deutschland stellt nach West-Berlin, Weimar und dem Ruhrgebiet bereits zum vierten Mal die Europäische Kulturhauptstadt. Neben einer deutschen Stadt wird es 2025 noch eine weitere geben: Parallel zum deutschen Verfahren wird auch in Slowenien eine Kulturhauptstadt ermittelt. Im darauffolgenden Jahr soll die Kulturmetropole in Finnland liegen. Das skandinavische Land wandelte bereits Teile des Auswahlverfahrens in digitale Formate um.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. August 2020 | 06:30 Uhr