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Interview zur neuen AmtszeitWeitere Amtszeit: Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra im Interview

Interview

Was Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra vorhat

Stand: 22. September 2021, 18:20 Uhr

Für weitere fünf Jahre ist Rainer Robra Kulturminister in Sachsen-Anhalt. Welche Pläne und Ideen der CDU-Politiker hat, wollte MDR KULTUR wissen, vor allem mit Blick auf die Kultur jenseits der größeren Städte, wo das Land besonders mit Überalterung und mangelhafter Digitalisierung zu kämpfen hat. Robra betont, nicht nur Welterbe und Etabliertes weiter pflegen zu wollen, sondern Vereine vor Ort genauso wie freie Initiativen.

MDR KULTUR: Rainer Robra - Sie sind offenbar als Kulturminister unersetzlich. Im Oktober werden Sie 70. Das ist Ihre dritte Legislatur mit Reiner Haseloff, zuvor waren Sie auch Chef der Staatskanzlei. Nehmen Sie an einem Experiment teil zum Renteneintritt mit 75?

Rainer Robra, Kulturminister in Sachsen-Anhalt: Nein, mir hat das in der letzten Legislatur so viel Freude gemacht, dass ich mich habe in Versuchung führen lassen, diese Aufgabe weiterzuführen.

Das klingt spannend, wie sah das Angebot aus?

Das Angebot ist schlicht und ergreifend, dass wir an die Erfolge zur Absicherung der Grundfinanzierung anknüpfen, dass wir beispielsweise die Theaterverträge fortschreiben wollen, die ja in der Gestalt, die sie in der letzten Legislatur gefunden haben, dazu beigetragen haben, dass Ruhe an den Theatern, Opernhäusern und Orchestern in Sachsen-Anhalt eingetreten ist. Wir haben gerade für die freien Theater eine neue Finanzierungssystematik gefunden.

Es ist viel angefangen worden in den vergangenen fünf Jahren, sicher gestört, aber nicht unterbrochen durch Corona. Wir wollen Perspektiven schaffen in schwerer Zeit, so ist ja auch das Kultur-Kapitel im Koalitionsvertrag überschrieben. Wir wollen aus dem wunderbaren Kulturland Sachsen-Anhalt mit all seinen unglaublichen Potenzialen noch mehr machen.

Sie haben das Kultur-Kapitel des Koalitionsvertrages erwähnt: Das hat aufgrund der nun aus CDU, SPD und FDP gebildeten "Deutschland-Koalition" sozusagen neue Autorinnen und Autoren. Wie hat sich das ausgewirkt, dass die Grünen nicht mehr dabei waren?

Ich muss sagen, es gab zuvor in der Koalition mit den Grünen im Kultur-Bereich keine Differenzen. (...) Kultur eignet sich nicht als Battlefield für Parteien und Fraktionen, die im Grunde alle dasselbe Anliegen haben, nämlich Sachsen-Anhalt nach vorn zu bringen.

Sie sagen, Kultur eigne sich nicht als Battlefield für parteipolitische Auseinandersetzungen. Aber es gab ja durchaus Kritik an Ihnen als Kulturminister, den Vorwurf der Biederkeit, heißt: Was da ist an Institutionen, das wird gefördert und darf sich fortsetzen. Was frei ist, neu und beweglich, also nicht etabliert, da wird Ihnen nachgesagt, dass Sie damit fremdeln ...

Das kann ich nicht wirklich verstehen. Wenn Sie jetzt unsere Landesstelle zur Förderung der freien Theater nehmen, wo ja viele junge und innovative Projekte gebündelt sind: Da werden Ihnen die Akteure bestätigen, dass die neue Methodik der Förderung ein Riesenfortschritt ist. Unter Federführung von Sachsen-Anhalt haben sich auch die Theaterrepräsentanten Mitteldeutschlands zusammengefunden. Wir sind im Bereich der Literaturförderung neue Wege gegangen, gemeinsam mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis, den wir durch Krisen gesteuert haben. Wir haben im Bereich der Pflege jüdischen Erbes viele Initiativen mit an Bord geholt.

Wir haben beispielsweise mit so einer Initiative wie dem Heimat-Stipendium von Kunststiftung und Museumsverband auch viele unserer Museen in den kleineren Städten aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt. Gerade jetzt werden die Arbeiten von zehn Künstlerinnen und Künstlern in zehn Heimatmuseen präsentiert.

Es ist mir schon wichtig, dass wir in der Fläche präsent sind und nicht nur in den Oberzentren Magdeburg, Halle und Dessau, so wichtig sie als kulturelle Schaufenster des Landes sein mögen.

Förderung für Kulturvereine und Kulturschaffende in Sachsen-Anhalt

Das Hilfsprogramm des Landes besteht aus zwei Säulen: Zum einen können gemeinnützige und von der Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten gebrachte Kulturvereine einen pauschalen Zuschuss von einmalig 1.000 Euro beantragen; zum anderen ist eine erweiterte Hilfe von bis zu 10.000 Euro möglich. Für letztere müssen Vereine nachweisen, dass ihre Einnahmen seit dem 15. März 2020 nicht ausreichen, um bestehende Verbindlichkeiten zu decken. Beide Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden. Informationen gibt es bei der Investitionsbank des Landes.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte in der Vergangenheit bereits Hilfsprogramme aufgelegt, die hauptberuflich tätigen Kulturschaffenden helfen sollten. Unter anderem hatte es das Stipendium "Kultur ans Netz" gegeben, das trotz des Lobs vieler Kulturschaffender mehrfach nicht vollständig abgerufen wurde.

Und mit welcher Idee gehen Sie das an, also auch diesen Widerspruch, Kultur einerseits zu fördern, ohne sie zu betonieren; künstlerische Existenzen zu sichern, aber auch keine Kulturbeamten zu erzeugen?

Wir fördern die Kulturvereine vor Ort, nicht nur im Rahmen der Bewältigung der Corona-Folgen, sondern auch sonst sehr grundsätzlich, wie man im Koalitionsvertrag nachlesen kann. Wir sind ein Bundesland mit erheblichen demografischen Lasten, einer Überalterung der Bevölkerung. Wir müssen junge Leute gewinnen, dafür wollen wir Vereinigungen und Verbände vor Ort ertüchtigen. Wir sind da ausdrücklich offen auch für Initiativen, die sich nicht in Vereinsform organisieren.

Das ist der Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch den Koalitionsvertrag zieht. Wir unterstützen im Land diejenigen, die sich für die Kultur engagieren, damit sie ihre Projekte realisieren können. Wir bieten außerdem Qualifizierungsmaßnahmen an.

Wir wollen nicht nur die Kultur verwalten, die da ist, sondern die kulturelle Vitalität in allen Ebenen und Sparten stärken.

Rainer Robra | Kulturminister Sachsen-Anhalts

In der Pandemie ist nun aufgefallen, wie wichtig gerade auch für die Kultur die Digitalisierung ist. Auf dem Land gibt es vielerorts immer noch mehr Löcher als Netz. Wird sich da auch mit Blick auf die Kultur bald was ändern?

Das Land legt gerade ein Sondervermögen zur Bewältigung der Corona-Lasten auf, das einen Schwerpunkt zur Digitalisierung hat. Das ist wichtig für die Kultur beispielsweise in der Provenienzforschung, die gerade für unsere Museen ein Riesenthema ist, genauso wie für die Kulturvermittlung und -produktion.

Das Gespräch führte Carsten Tesch, MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 22. September 2021 | 17:10 Uhr