Interview Thüringen: Kulturrat fordert Zukunftsperspektive für Kultur

Der Landeskulturrat Thüringen hat die Landesregierung aufgefordert, der Kultur im Freistaat eine langfristige Perspektive zu sichern. Präsident Zipf sagte MDR KULTUR, man sei jetzt anderthalb Jahre mit kurzfristigem Pandemie-Management beschäftigt gewesen. "Jetzt langsam müssen wir wieder in den Modus umschalten, dass wir über mittel- und langfristige Entwicklungen sprechen", so Zipf. Das sei "vor dem Hintergrund der nicht vorhandenen Mehrheiten" im Parlament natürlich erschwert. Es sei aber möglich. Dabei dürfe man sich auch von den finanziellen Folgen der Pandemie für den Landeshaushalt "nicht ins Bockshorn jagen" lassen.

Kulturentwicklungsplan Thüringen fortschreiben

Zipf erklärte, das Kulturkonzept des Landes müsse fortgeschrieben werden. Dafür müssten im nächsten Jahr im Landeshaushalt die Vorbereitungen getroffen werden. Für diesen Kulturentwicklungsplan müsse es einen breiten, offenen und transparenten Beteiligungsprozess geben. Denn es sei wichtig, "eine sehr stark sich polarisierende Gesellschaft mit den Angeboten der Kultur und insbesondere der kulturellen Bildung abzuholen".

Neues Gesetz: Land soll Musikschulen fördern

Als weiteren Punkt nannte Zipf das geplante Gesetz für Musik- und Jugendkunstschulen. Nötig sei an den Schulen "ein anderer Schlüssel zwischen Festangestellten und Honorarkräften". Dafür müsse es eine Förderung des Landes geben. Zugleich dürften aber die Kommunen und Kreise als Träger nicht aus der Pflicht entlassen werden. Zipf zeigte sich optimistisch, dass das Gesetz noch in diesem Jahr beschlossen werden könnte – es sei "auf einem guten Weg".

Bei der Co-Finanzierung des Landes für die kommunale Kulturfinanzierung werde es komplizierte Diskussionen geben. Es gebe aber einige Kommunen und Kreise, die Probleme hätten, ihre Leistungen aufrecht zu erhalten. Deshalb müsse das Thema Kulturlastenausgleich mit Zweckbindung weiter besprochen werden. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Gelder im Haushalt einer Kommune versickerten.

Zipf sprach von einem "evolutionären Weg" für weitere Regelungen in anderen Sparten, etwa im Bereich Soziokultur. Am Ende könnten dann alle Sparten-Regelungen in einem Kulturgesetzbuch zusammengefasst werden, wie es etwa in Nordrhein-Westfalen schon geschehen sei. Dabei räumte Zipf ein, dass wegen der angespannten Haushaltslage möglicherweise Projekte auf spätere Jahre verschoben werden müssten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. September 2021 | 08:10 Uhr

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