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Durch den Corona-Lockdown bleiben die Theater vorerst für Besuchende geschlossen. Bildrechte: imago images/Independent Photo Agency Int.

Offene Briefe

Kulturschaffende in Thüringen und Sachsen-Anhalt sehen existentielle Bedrohung

Stand: 30. Oktober 2020, 16:18 Uhr

Kulturschaffende aus Thüringen und Sachsen-Anhalt haben die am 28. Oktober beschlossenen Corona-Maßnahmen kritisiert. Sie stellen die in diesem Bereich Tätigen vor existentielle Bedrohungen. Interessenvertretungen beider Bundesländer haben konkrete Forderungen an die Politik formuliert, um die persönlichen und wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns abzuschwächen.

Der Kulturrat Thüringen weist in seiner Erklärung auf die niedrige Infektionsgefahr durch Kulturinstitutionen hin: "Deutschlandweit ist uns kein einziger Infektionsherd bekannt, der aus einer Musikschule, einem Theater- oder Konzertsaal, einem Museum oder einer Bibliothek resultierte."

Kultur wird nicht ausreichend wahrgenommen

Das Schreiben der Thüringer Kreativen richtete sich u.a. an Ministerpräsident Bodo Ramelow Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ebenso wird kritisiert, dass trotz der "enormen Kraftanstrengungen des letzten halben Jahres, ihre Angebote unter die Maßgaben eines engen und stringenten Infektionsschutzes zu stellen, ganz offensichtlich zu keiner veränderten öffentlichen und politischen Wahrnehmung ihrer Arbeit geführt" hat. Dem Kulturrat zufolge kommt in der Beschlussvorlage das Wort "Kultur" an keiner Stelle vor.

Die politisch Verantwortlichen sollen sich zur Teilhabe- und Daseinsvorsorge bekennen, unter der eine wirksame Bekämpfung der Pandemie mit der Existenzsicherung der Träger des kulturellen Lebens verbunden wird.

Hierzu hat der Kulturrat Thüringen mehrere Forderungen formuliert:

Kulturschaffende in Sachsen-Anhalt mit konkreten Forderungen

Auch in Sachsen-Anhalt haben sich zahlreiche kulturelle Verbände und Interessenvertretungen gemeinsam in einem Schreiben an die Politik besorgt um die Lage der Kunstschaffenden gezeigt. Man sehe es als notwendig an, die "speziellen Bedarfe der freien Kunstschaffenden wie auch der Freien Berufe in der Kultur in Sachsen-Anhalt zugeschnittene Maßnahmen unbürokratisch und schnell umzusetzen und damit zur Reduzierung der Auswirkungen des weiteren Lockdowns für die freien Kulturschaffenden beizutragen."

Während im Sommer noch Veranstaltungen stattfinden konnten, ist durch die aktuelle zweite Corona-Welle kein Theaterbesuch mehr möglich. Bildrechte: Nicole Tröger

Ausdrücklich betont wurde die Bereitschaft, die nötigen Pandemiemaßnahmen mitzutragen, wozu auch wirtschaftliche Einschränkungen der Kulturschaffenden gehören.

Seit Monaten bereits kämpfen die Kulturproduzierenden und Solo-Selbstständigen um ihre beruflichen Existenzen; die Vielfalt unserer Kulturlandschaft in Deutschland ist bedroht.

Aus dem Schreiben des Kulturschaffenden Sachsen Anhalt

Die Landesregierung Sachsen-Anhalt solle sich auf Bundesebene für zwei Maßnahmen besonders stark machen:

Auch für die konkrete Situation in Sachsen-Anhalt fordern die kulturellen Interessenvertreter Maßnahmen, "um die Kulturlandschaft vor einem völligen Zusammenbruch zu bewahren":

Zu den unterzeichnenden Interessenvertretungen Sachsen-Anhalts gehören das Landeszentrum Freies Theater Sachsen-Anhalt e.V., der Museumsverband Sachsen-Anhalt, das Kulturkollektiv Magdeburg e.V., das WUK Theater-Quartier Halle und die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Sachsen-Anhalt e.V.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 30. Oktober 2020 | 15:30 Uhr