Auftritte abgesagt So erlebt ein Erfurter Puppenspieler den Corona-Lockdown

Puppenspieler Ronald Mernitz ist normalerweise mit einem kleinen Team bundesweit im Theaterbus unterwegs. Von Erfurt aus startet sein "Erfreuliches Theater". Doch mit der Freude ist es Corona-bedingt erstmal vorbei: Seine Puppen hat er alle in einem Lager verstaut und wartet auf bessere Zeiten. Wie sich für ihn der Lockdown anfühlt und warum er trotzdem weitermachen möchte.

Pressefoto zum Internationalen Figurentheaterfestival "Blickwechsel"
Statt auf der Bühne sind die Puppen von Ronald Mernitz im Lager verstaut. Bildrechte: MDR/Internationales Figurentheaterfestival Blickwechsel 2014

Eigentlich hätte der November für Puppenspieler Ronald Mernitz aus Erfurt völlig anders verlaufen sollen. Mit seinem "Erfreulichen Theater" hatte er eine Tournee durch Bayern geplant. Die fällt wegen der verschärften Corona-Regeln nun weg. Aber die Tour ist nicht der einzige Ausfall, die ihn hart trifft, wie Mernitz MDR KULTUR sagte: "Es gab andere Auftritte, zum Beispiel im Theater in Naumburg, die wegfallen. Ich habe von März bis Ende August nichts gehabt, da ist alles abgesagt worden." Lediglich im September habe er einige Auftritte gehabt.  

Mernitz ist Schauspieler, führt Regie, schreibt Stücke. Bundesweit ist er mit seinem eigenen Theater unterwegs. Die Monate November und Dezember gehören erfahrungsgemäß für ihn zu den umsatzstärksten und kompensieren deshalb die Flaute zu Jahresbeginn. Doch jetzt ist sowieso alles anders. 

Froh über jede finanzielle Hilfe

Von den neuen Hilfen für Kreative wie ihn hat er gehört. 75 Prozent des Einkommens ­– basierend auf November 2019 – sollen gezahlt werden, so wie es für andere, festangestellte Kulturschaffende in Kurzarbeit bereits seit Monaten stattfindet. Er sei froh über jede Hilfe, so der Puppenspieler. "Das, was wir jetzt bekommen, ist für andere seit März Normalität gewesen. Wir bekommen das jetzt auch und sind froh darüber und dankbar."

Wir sind froh über jede Hilfe. Das, was wir jetzt bekommen, ist für andere seit März Normalität gewesen.

Ronald Mernitz, Puppenspieler

Seine Kollegin Katrin Heinke ist ebenfalls freie Schauspielerin. Manchmal erhält sie Verträge für einzelne Produktionen. Sie ist Theaterpädagogin, arbeitet als Sprecherin und hält sich normalerweise mit vielen verschiedenen Jobs in der Theaterlandschaft über Wasser. Die neuen Hilfen kann auch sie gut gebrauchen, wenngleich derzeit noch unklar sei, wie alles funktioniert. "Wenn es so funktioniert, wie es angekündigt ist, ist es erstmal gut. Wie es umsetzbar ist, das wissen wir noch nicht."

Ungewissheit, wie es weitergeht

Auch Heinkes Alltag hat sich seit März komplett geändert. Vor wenigen Wochen hatte sie eine Premiere vor 25 Zuschauern. Was sie am meisten ärgere, sei die Unbeständigkeit und Ungewissheit – auch verbunden mit der Frage, wie es nach dem November weitergehe: "Also man begibt sich ja immer auf dünnes Eis, wenn man da spekuliert," sagt Heinke, "aber wir glauben alle nicht so richtig daran, dass es im Dezember wieder richtig los geht."

Man begibt sich immer auf dünnes Eis, wenn man da spekuliert, aber wir glauben alle nicht so richtig daran, dass es im Dezember wieder richtig los geht.

Katrin Heinke, freie Schauspielern

Ronald Mernitz probt derzeit ein Stück in Frankfurt an der Oder. Er führt Regie. Das Schauspiel-Ensemble besteht exakt aus einer Person. Manche Veranstalter hätten Ausfallhonorare gezahlt, so Mernitz, andere schon großzügig das überwiesen, was erst im nächsten Jahr als Auftritt stattfinden werde.  

Er könnte neue Stücke schreiben und auch jetzt Optimismus leben, aber nach sieben Monaten mehr oder weniger Pause, kostet das Kraft. Zudem müsse er auch das Geld dann vorschießen können, sagt er: "Wenn wir ein Stück geschrieben haben, zum Beispiel, heißt es jetzt: Bühnenbildner beauftragen, bauen, Material kaufen. Erstmal Geld haben, um dann irgendwann eine Inszenierung rauszubringen."

Zehn Auftritte für kommendes Jahr

Eigentlich sind es bei ihm im Kalender hundert Auftritte pro Jahr – mal mehr, mal weniger. Jetzt sind gerade einmal zehn für das kommende Jahr mit Risiko vereinbart. Er habe schon daran gedacht, in einen anderen Job zu gehen. Aber manchmal, sagt er, gebe es trotz der Tristesse auch kleine Lichtblicke: "Es gibt auch richtig schöne Sachen. Wir haben gerade heute erfahren, –  wir hätten in Bayern gespielt und da hat eine Lehrerin geschrieben – dass die Schüler das Eintrittsgeld uns spenden wollen." Das sei Mut machend.  

Er und seine Kollegin Katrin Heinke hoffen auf bessere Zeiten und auch darauf, dass sie bald wieder von Schulen gebucht werden – und, dass vielleicht auch unverhofft Aufträge von manch einem Veranstalter kommen, der gutes Schauspiel und Puppentheater auf diese Art retten will.

 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. November 2020 | 06:15 Uhr