Kultur Millionenförderung durch Kulturstiftung des Bundes – Wie viel geht nach Mitteldeutschland?

Die Kulturstiftung des Bundes mit Sitz in Halle (Saale) vergibt für 2021 bundesweit mehrere Millionen Euro Projektfördergelder. Es geht an spannende künstlerische Projekte aus Sparten wie Tanz, Theater oder Musik. Welche Projekte in Mitteldeutschland mit welchem Betrag gefördert werden, erfahren Sie hier.

Blick auf den Neubau der Bundeskulturstiftung am 15.01.2013 in Halle an der Saale.
Die Kulturstiftung des Bundes ist architektonisch eingepasst in die historischen Bauten der Franckeschen Stiftungen in Halle Bildrechte: dpa

Laut Kulturstiftung des Bundes hat die interdisziplinäre Jury der Allgemeinen Projektförderung auf ihrer letzten Sitzung im Herbst 2020 bundesweit insgesamt 24 neue Förderprojekte ausgewählt. Die Fördersumme beträgt insgesamt 4 Mio. Euro. Davon entfallen 415.700 Euro auf zwei Förderprojekte in Thüringen und 115.000 Euro auf ein Förderprojekt in Sachsen.

In Thüringen wird Musik und Theater gefördert

Mit dem Phänomen der Vielstimmigkeit und ihrer Wirkung beschäftigt sich die Ausstellung "Polyphon", die von Museen der Partnerstädte Gera und Saint-Denis gemeinsam erarbeitet und präsentiert wird, heißt es von der Stiftung. Die Ausstellung widme sich der Polyphonie künstlerisch-musikalisch und denke zugleich über die gesellschaftspolitische Dimension von Vielstimmigkeit nach. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützt das Vorhaben der Stadt Gera mit 103.400 Euro.

Das von Kultureinrichtungen aus 13 Städten getragene Theaterprojekt "Kein Schlussstrich!" thematisiert die Taten und Hintergründe des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Die Aufführungen im Herbst 2021 werden von zwei Sonderprojekten – einem partizipativen Oratorium des Komponisten Marc Sinan und einer mehrsprachigen Wanderausstellung – sowie einem künstlerisch-diskursiven Rahmenprogramm flankiert. Das Projekt des sich in Gründung befindenden Vereins Licht ins Dunkel e.V., derzeit vertreten durch JenaKultur, wird mit 312.300 Euro gefördert.

Sachsens Förderung für Blick auf Diversität

Mit einem mixed-abled Ensemble unter Leitung des Choreographen Wagner Moreira entwickeln die Landesbühnen Sachsen und HELLERAU - Europäische Zentrum der Künste Dresden eine Produktion, die Fragen von Zugehörigkeit und Diversität bearbeitet und als "Relaxed and Sensorial Adapted Performance" auch die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen und besonderen Bedürfnissen ermöglicht, so die Kulturstiftung. Das Projekt "Difference? What difference does it make" wird mit 105.000 Euro gefördert.

Zusätzliche "dive-in"-Sonderhilfe mit fast 10 Millionen Euro

Neben der allgemeinen Projektförderung gibt es von der Kulturstiftung des Bundes auch ein Sonderhilfsprogramm "dive-in". Auf Empfehlung einer unabhängigen Jury wählte hierfür der Stiftungsvorstand 68 Projekte zur Förderung aus. Die Gesamtfördersumme beträgt insgesamt 9.360.500 Euro. Davon entfallen 1.241.300 Euro auf neun Förderprojekte in Sachsen, 435.500 Euro auf drei Förderprojekte in Sachsen-Anhalt und 291.000 Euro auf zwei Projekte in Thüringen, so die Kulturstiftung des Bundes. Insgesamt werden knapp 2 Millionen Euro Sonderfördergelder nach Mitteldeutschland vergeben.

Die durch "dive-in" geförderten Projekte

Sonderhilfsprogramm "dive-in" in Sachsen

  • Staatliche Museum für Archäologie (92.700 Euro)
  • Staatlichen Kunstsammlungen Chemnitz (189.700 Euro)
  • Theater der Jungen Welt (88.100 Euro),
  • Stadtgeschichtliche Museum, Leipzig (148.900 Euro)
  • Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (200.000 Euro),
  • Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (180.000 Euro),
  • Landesbühnen Sachsen (198.000 Euro),
  • Baff Theater Delitzsch e.V. (54.000 Euro)
  • Second Attempt e.V. (89.900 Euro) aus Görlitz.

Sonderhilfsprogramm "dive-in" in Sachsen-Anhalt

  • Mit dem Projekt "Trabant Digital" entwickelt die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt mobile Displays für die digitale Vermittlung im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Das Vorhaben wird von der Kulturstiftung des Bundes mit 198.000 Euro unterstützt.
  • Die Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale wollen mit "Suddenlife Gaming" ein neues digitales Vermittlungsangebot schaffen und Verbindungen zwischen digitaler und analoger Welt im Museum herstellen. Das Projekt wird mit 121.600 Euro gefördert.
  • Aktion Musik / local heroes e.V. entwickeln im Rahmen von dive in ein "Virtual Music Lab", mit dem sie insbesondere jungen Menschen zwischen 8 und 18 Jahren einen innovativen Zugang zu populärer Musik sowie deren Instrumenten und Songs ermöglichen wollen. Das Projekt wird mit 116.000 Euro gefördert.

Sonderhilfsprogramm "dive-in" in Thüringen

  • Gemeinsam mit dem Bachfest Leipzig und den Bachfesttagen Köthen wollen die Thüringer Bachwochen eine interaktive Streaming-Plattform entwickeln, die Bachs Musik für ein internationales Publikum neu erlebbar macht und den direkten Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern der Konzerte ermöglicht. Die Umsetzung des "BACHstream" erhält 200.000 Euro.
  • Die Deutsche Kindermedienstiftung Goldener Spatz mit Sitz in Erfurt möchte bei der kommenden Ausgabe des Deutschen Kinder Medien Festivals ein interaktives Format etablieren, bei dem eine Kinderjury besondere Angebote aus dem Bereich Digitales Erzählen testen und prämieren kann. "GOLDENER SPATZ 2021 Wettbewerb Digital" wird mit 91.000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Corona-Situation ist auch bei Förderanträgen spürbar

"Den Einfluss der Krise spürt man ja schon bei den Anträgen in der Allgemeinen Projektförderung", sagt Friederike Tappe-Hornbostel, Sprecherin der Kulturstiftung des Bundes. Demnach bedenken die Antragstellenden häufig digitale Alternativen mit. Auf der anderen Seite kenne auch die Jury die Situation der Künstler und Veranstalter sehr gut. Man reagiere daher mit Verständnis auf die jeweiligen Umstände.

Doch was passiert, wenn Projekte, die eine Förderung erhalten sollen, aufgrund von Corona nicht stattfinden können? "In der Regel können wir mit den Projektträgern Lösungen finden, die eine Cancelung des Projekts vermeiden lassen. Zeitliche Verschiebungen oder Modifikationen in Richtung hybride Veranstaltungen sind da probate Möglichkeiten", ergänzt Tappe-Hornbostel.

Aktuell plane die Kulturstiftung des Bundes für das Jahr 2022 mit der Hoffnung, dass bis dahin eine "Normalität" im Kulturleben vorzufinden sei, die Präsenzveranstaltungen erlaube.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Januar 2021 | 07:30 Uhr

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