30 Jahre Deutsche Einheit Früher Kleinplastik, heute internationale Kunst: das Kunstmuseum Magdeburg

30 Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich auch die Kulturinstitutionen verändert – gerade das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg hat einen enormen Wandel vollzogen. Aus dem mittelalterlichen Kloster, das zu DDR-Zeiten Präsentationsort der Nationalen Sammlung Kleinplastik war, wurde ein modernes Museum mit internationalen Ambitionen.

Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg
Das Kunstmuseum im Kloster Unser Lieben Frauen in der Magdeburger Altstadt Bildrechte: imago images/Westend61

Ein romanisches Kloster als Museum für Gegenwartskunst – das ist selten und deshalb besonders. Allerdings hat es auch einige Jahre gedauert, bis es sich etablieren konnte. Denn wie alle Kulturinstitutionen im Osten hat auch das Magdeburger Kunstmuseum einen eklatanten Wandel hinter sich gebracht, erinnert sich Sammlungsleiter Uwe Gellner: "Also das Haus wird zum Museum 1976 mit der Gründung der Nationalen Sammlung Kleinplastik bis '89. Und [hat] '89, kurz vorm Ende mit dem Skulpturenpark hier seinen neuen Status entwickelt." Zu dieser Sammlung gehörten rund 1.200 Skulpturen und 600 Bildhauerzeichnungen, darunter die Skulpturensammlung des heutigen Kulturhistorischen Museums, mit dem Schwerpunkt Spätgotik und Renaissance, aber vor allem auch Plastiken aus der DDR.

Identitätssuche nach der Wende

Annegret Laabs
Annegret Laabs, Leiterin des Kunstmuseum Magdeburg Bildrechte: dpa

Nach dem Ende der DDR musste die neue Rolle erst gefunden werden: Es gab sogar Vorschläge ins Kloster ein Standesamt zu integrieren. Und in den 90er-Jahren wurden noch Skulpturen gezeigt oder Geschichtsausstellungen mit Exponaten des Kulturhistorischen Museum, das zu der Zeit umgebaut wurde.

Doch dann wollte man der neuen Bedeutung in der Landeshauptstadt gerecht werden, sagt Annegret Laabs, die vor knapp 20 Jahren unter dieser Prämisse eingestellt wurde: "Das Konzept konnte damals nur heißen, in einer Landeshauptstadt: internationale Gegenwartskunst. Und wo wir auch sagen, das ist, was einer Landeshauptstadt angemessen ist, weg vom Skulpturenmuseum, zu sagen es gibt keine Beschränkung in der Kunst, die sich an irgendeiner dieser Gattungen festmacht. So funktioniert die internationale Kunst nicht mehr."

Enorme bauliche Veränderungen

Und auch wenn gerade das außergewöhnliche Klosterambiente auch internationale Künstler nach Magdeburg gelockt hat – sei es Jannis Kounellis oder Tony Craig – romanische Architektur bietet keinen modernen Museumsstandart, auch da mussten Veränderungen her. Annegret Laabs beschreibt sie so: "Baulich ist es natürlich eine enorme Vergrößerung und eine Erweiterung, und eine Konzentration des Bauwerkes auf die Inhalte. Die Ausstellungsräumlichkeiten wurden mehrfach erweitert."

Das Kloster Unser Lieben Frauen in der Magdeburger Altstadt
Das älteste Gebäude Magdeburgs: Das Kloster Unser Lieben Frauen Bildrechte: imago images/epd

Seit 2012 kann man in der Liga der modernen Museen mitspielen. Seitdem gibt es einen repräsentativen Eingangsbereich mit Kasse, Shop und Gastronomie und das Foyer des historischen Klostergemäuers leuchtet gelb, orange und grün – die Wände wurden vom französischen Künstler Christophe Cuzin gestaltet. Und auch von außen erkennt man das Kloster inzwischen als zeitgenössisches Museum: Die Künstler Edler haben die obere Fensterreihe des historischen Gemäuers mit einem spiegelnden Lichtschutz versehen. Tagsüber in verschiedenen Winkeln gekippt, werden so der Himmel und die Umgebung gespiegelt.

Kommunales Museum mit internationalen Ambitionen

Installationen, die auch die Sammlung erweitern, die mittlerweile alle Formen der bildenden Kunst und neue Medien beinhaltet, internationale aber auch regionale Positionen. Allerdings kein Kanon der Superlative, wie in den großen Häusern üblich, erklärt Laabs: "Es ist ein kommunales Museum und hat damit natürlich eine ganz andere Ausstattung oder keine Ausstattung im Vergleich zu einem Landesmuseum oder Bundesmuseum. Das ist tatsächlich auch ein Problem des Einigungsvertrages, dass die Museen den Ländern und Kommunen zugeordnet wurden und man versäumt hat, diese entsprechend auszustatten, damit auch wirklich etwas Überregionale entstehen kann."

Aber wer weiß: Magdeburg steht gerade im Finale für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Der Titel würde mit Sicherheit mehr Zuwendung bedeuten – doch bereits jetzt spürt man hier internationales Kunstfluidum. Das dürfte Kennern Respekt abtrotzen.

Das Kloster Unser Lieben Frauen in der Magdeburger Altstadt 5 min
Bildrechte: imago images/epd

MDR KULTUR - Das Radio Mo 28.09.2020 06:00Uhr 04:49 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Kloster Unser Lieben Frauen in der Magdeburger Altstadt 5 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. September 2020 | 07:10 Uhr