Der Schauspieler Kurt Böwe
Der Schauspieler Kurt Böwe Bildrechte: IMAGO

Vor 90 Jahren: Schauspieler Kurt Böwe geboren Kurt Böwe: Dank Asthma zur Schauspielerei

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Der Schauspieler Kurt Böwe
Der Schauspieler Kurt Böwe Bildrechte: IMAGO

Kurt Böwe erblickt am 28. April 1929 in der Prignitz das Licht der Welt. Er wird in eine Bauernfamilie hineingeboren, hat sechs Geschwister und Kunst spielt zunächst keine Rolle. Doch die Bauernlaufbahn, die ist für Böwe nicht drin. Er leidet an Asthma: "Man wird eben auch behandelt wie ein Aussätziger. Der nicht in den Kreis hineinpasst, der draußen steckt. Kodi! Wat macht Kodi? Er japst.", so beschreibt es Böwe.

Meine Seele wurde weicher, meine Seele wurde empfänglicher für alle Verletzungen, und meine Seele wurde begierig nach Leben.

Kurt Böwe, Schauspieler

Späte Schauspielkarriere

DDR-Schauspieler Kurt Böwe (vorn) in einer Rolle am Landestheater in Halle/Saale in Aktion.
DDR-Schauspieler Kurt Böwe in einer Rolle am Landestheater Halle/Saale. Bildrechte: dpa

Böwe versucht aufzufallen, imitiert das Umfeld, wenn es ihm besser geht. Nicht die schlechteste Schule für den Schauspielerberuf. Böwe geht es langwierig an und studiert ab 1950 Germanistik und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin, macht dann am theaterwissenschaftlichen Institut weiter und übernimmt schließlich die hiesige Studentenbühne. Erst dann gewinnt man ihn für das Maxim Gorki Theater: 1960 für Schillers "Die Räuber". Den Durchbruch als Schauspieler erlebt er später in Halle. In Gorkis "Die Kleinbürger". Böwe über seine Erfahrung nach dem Stück:

Und ein prasselnder Beifall jagt hinter mir her und ich schmeiß mich auf den Bühnenboden hin und hatte ne Weste an. Reiße die Weste auf und weine und lache wie ein Kind. Und da war ich 37 Jahre alt.

Kurt Böwe, Schauspieler

Erfolg in Film und Fernsehen

Film und Fernsehen versichern sich seiner Dienste. Besonders am Herzen liegen Böwe die DEFA-Filme "Der nackte Mann auf dem Sportplatz", "Märkische Forschungen" sowie "Jadup und Boel". "Zünd an, es kommt die Feuerwehr" von 1979 ist eine DEFA-Satire auf die Wilhelminische Zeit. Die Distanz zwischen den Schauspielern und ihren Figuren ist bei vielen offensichtlich. Auch Böwe quillt sie aus allen Poren. Nur seine wirkt im Vergleich längst nicht so vordergründig, subtiler, von innen heraus.

Produktive Unsicherheit und Theater

Was das Theater angeht, so wirkt der Schauspieler ab 1973 im Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin. Für ihn so etwas wie der Olymp. Die Startschwierigkeiten sind allerdings beträchtlich. "Nicht dass sie mich schlecht behandelten. Sie behandelten mich als einen, der es noch nicht kann.", so beschreibt es Böwe.

Ulrike Krumbiegel und Kurt Böwe sitzen nebeneiander auf einer Theaterbühne.
Ulrike Krumbiegel und Kurt Böwe
in "Das Kätchen von Heilbronn" in der Regie von Thomas Langhoff , 1991 am Deutschen Theater Berlin.
Bildrechte: dpa

Die Behandlung ändert sich und Böwe steht auf den Brettern des DT bis kurz vor seinem Tod im Jahre 2000. Allerdings blickt er, der sich ungern wiederholt und eine gewisse Unsicherheit im Leben für produktiv hält, am Ende mit viel Skepsis auf das Theater. Und nicht nur auf das Theater: "Ich weiß, heute fragt man nach Kunst. Ich weiß inzwischen nicht mehr, was das sein soll. Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass es keiner mehr weiß", so Böwe.

Die Welt und der Zustand, indem sie sich heute befindet, ist so, dass kein großes Theater mehr entstehen kann. Am Ende dieses Jahrtausends endet die Menschheit ohne Hoffnung. Und da liegt das große Dilemma.

Kurt Böwe, Schauspieler

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Der aus der Prignitz stammende Schauspieler Kurt Böwe (1929-2001) hat Fontane früh entdeckt. Später widmete er sich auch beruflich dem großen Romancier. Viele Zitate haben sich bei ihm eingenistet. Von Irene Knoll.

MDR KULTUR - Das Radio Di 01.01.2019 18:00Uhr 56:09 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 29. April 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2019, 04:00 Uhr

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