Orangerie
In der Orangerie Gera ist die Ausstellung zu sehen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ausstellung: "Intermediale Künste am Bauhaus" Gera ehrt den Bauhauskünstler Kurt Schmidt

Zum hundertjährigen Bauhausjubiläum eröffnet in der Orangerie Gera eine Schau mit dem Titel "Intermediale Künste am Bauhaus - Kurt Schmidt und die Synthese der Künste." Schmidt war Vorzeige-Bauhauskünstler und wirkte auch in der DDR mit eigener künstlerischer Sprache. In der Ausstellung wird sein Erbe untersucht und aufgearbeitet. Außerdem gibt es Objekte u.a. von Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer zu sehen.

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR-Kunstkritikerin

Orangerie
In der Orangerie Gera ist die Ausstellung zu sehen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ausstellung "Intermediale Künste am Bauhaus – Kurt Schmidt und die Synthese der Künste" lädt in die Orangerie in Gera zur Auseinandersetzung mit dem Bauhaus ein.

Über zwei Etagen erstreckt sich die lehr- und umfangreiche Schau. Zu sehen gibt es unter anderem eine Figurine des "Mechanischen Balletts" von Kurt Schmidt von 1923. Es gilt als das bekannteste Werk des Bauhaus-Künstlers und zählt zu den revolutionären Ballettstücken des 20. Jahrhunderts. Maschinenartig-geometrische, farbige, flache Figuren wurden von den Darstellern zu Musik bewegt. Die Tänzer sollten, laut dem Willen Schmidts, zu einem "bunten, reinen Formenspiel" verschmelzen.

 Die "Form- und Farborgel mit bewegenden Farbklängen" (1928) von Kurt Schmidt gehört zu den Exponaten der Sonderausstellung "Begegnung Bauhaus", die am 24.03.2009 in der Kunstsammlung Gera eröffnet wird.
"Form- und Farborgel mit bewegenden Farbklängen" (1928) von Kurt Schmidt Bildrechte: dpa

In Schmidts 'Mechanischen Ballett' verbargen sich die Darsteller hinter den Figurinen, letztere sollten einen Gegenentwurf zu Menschen darstellen. Hier liegt denn auch der Unterschied zum berühmten 'Triadischen Ballett'.

Claudia Tittel, Kuratorin der Ausstellung in Gera

Ebenfalls zu sehen gibt es in Gera Schmidts Glasbilder von 1923, die er in den 80er-Jahren als Repliken anfertigte. Die meisten von Schmidts Bauhaus-Arbeiten sind heute jedoch verschollen.

Schmidts selbstbestimmter Künstlerweg

Schmidts Figurine und die Glasbilder waren auch schon in der Retrospektive zum 90-jährigen Bauhausjubiläum zu sehen. Die aktuelle Schau ordnet den 1991 in Gera verstorbenen Künstler nun in den Kontext der "intermedialen Künste" ein. So präsentiert man erstmalig Schmidts Zeichenserien, in denen er in den 70er-Jahren abstrakt nach Musik malte.

Zu den Wirren der NS-Zeit gesellte sich in der DDR für Schmidt ein Künstlerschicksal abseits des realsozialistischen Mainstreams. So setzte er ab den 1960ern die Arbeit an seiner bauhausaffinen Kunstauffassung fort. Schließlich gibt es in der Ausstellung ein ganzes Filmkabinett, in dem gezeigt wird, wie das neue Raum- und Bildverständnis der Bauhäusler Kurt Schmidt beinflusste.

Kurt Schmidt, Ausstellung, Gera, Intermediale Experimente am Bauhaus. Kurt Schmidt und die Synthese der Künste
Eines der ausgestellten Werke von Kurt Schmidt: "Der Mann am Schaltbrett" (1924) Bildrechte: Orangerie Gera/Ulrich Fischer

Die Esoterik des Bauhauses

Natürlich verneigt sich die Ausstellung auch vor Oskar Schlemmer, der Lichtgestalt der Bauhausbühne. Es gibt eine Virtual-Reality-Installation, in der die Besucher mit den Figurinen des "Triadischen Ballets" tanzen können. Auch zeigt die Schau Werke von Lothar Schreyer, dem ersten Leiter der Bühnenklasse. Er dürfte Schmidt mit seinen technoid-mechanistischen Figurenkonzepten beeinflusst haben. Und auch Bühnenentwürfe präsentiert die Schau, etwa zu Goethes "Iphigenie" von 1926, bei der Geistwesen und Engel die Bilder bevölkern. Ähnlichkeiten zur anthroposophischen Kunst sind unübersehbar – und demonstrieren nebenbei, dass das frühe Bauhaus nicht nur dem technischen Fortschritt huldigte, sondern dass auch teilweise eine esoterische Weltsicht damit einherging.

Das "Triadische Ballett" von Oskar Schlemmer ist in Stuttgart (Baden-Württemberg) in der Staatsgalerie ausgestellt.
Das "Triadische Ballett" von Oskar Schlemmer in einer Ausstellung in Stuttgart Bildrechte: dpa

Die Ausstellung "Intermediale Künste am Bauhaus - Kurt Schmidt und die Synthese der Künste"

Kunstsammlung Gera, Orangerie
23. März 2019 bis 9. Juni 2019

Öffnungszeiten:
Mi-Fr und Wochenende: 12:00-17:00 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. März 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 16:12 Uhr

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