Antiker Ring
Der Silberring von Trichtingen stammt aus der Keltenzeit. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte "Ringe der Macht" in Halle: von Keltenkriegern bis Tolkien

Ringe haben seit Menschengedenken eine magische Bedeutung für ihre Träger. Die Ausstellung "Ringe der Macht" zeigt eindrücklich wertvolle Ringe aus vielen Jahrtausenden. Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle wird die Geschichte der Ringe in ihrer Bedeutung als Machtsymbol, Liebesbeweis oder als Trophäe im Krieg erzählt. Etwa 250 Objekte von 30 Leihgebern aus Deutschland, Ungarn, England, Frankreich, der Schweiz und Tschechien konnten zusammengetragen werden. Die ältesten Exponate sind rund 25.000 Jahre alte Fragmente von Armreifen aus Mammutelfenbein. Zu sehen sind auch Reliquien aus dem Halberstädter Dom, sowie römische und keltische Ringe.

Anne Sailer, Mitarbeiterin MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Anne Sailer, MDR KULTUR

Antiker Ring
Der Silberring von Trichtingen stammt aus der Keltenzeit. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Die Sonderausstellung "Ringe der Macht" im Landesmuseum für Vorgeschichte beginnt mit den ältesten Exponaten. Dazu gehören paläolithische Ringe aus der Altsteinzeit, Armringe und auch Fingerringe. "Wir freuen uns, dass wir die ältesten Fingerringe der Welt haben aus Pavlov in Böhmen aus dem Museum in Brno. Das sind Elfenbeinringe", freut sich der Archäologe Alfred Reichenberger.

Zunächst einmal sind Ringe sicherlich nur Schmuckstücke. Wahrscheinlich haben sie ihre Träger auch schon optisch hervorgehoben, aber dass Ringe aus Machtsymbole gelten, das können wir erst so mit der Jungsteinzeit, mit dem Neolithikum nachweisen.

Alfred Reichenberger, Archäologe

Wiederentdeckung des Paußnitz-Ring

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der magische Ring aus Paußnitz im heutigen Sachsen, der dort als Teil einer Grabbeilage vor über 100 Jahren gefunden wurde. Er stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und wurde erst 2001 im Depot des Landesmuseums für Vorgeschichte wiederentdeckt, nachdem er in Vergessenheit geraten war. Archäologen nahmen den Ring unter die Lupe und entzifferten eine darauf befindliche Inschrift: Der Wortlaut "NAINE MI XPS" wurde mit "Verneine mich, Christus" übersetzt. Die Forscher vermuten, dass der Ringträger damit den Wunsch nach der vollkommenen Selbstaufgabe für das Erlangen des Seelenheils zum Ausdruck bringen wollte.

Antiker Ring
Ein besonders wertvolles Exponat ist der magische Ring aus Paußnitz. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Von bloßem Schmuck zum Machtsymbol

Alfred Reichenberger vom Landesamt für Archäologie im Interview
Alfred Reichenberger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ringe haben und hatten sehr unterschiedliche Symbolkraft, je nach Zeit und Kultur. Sie wurden als Schmuck, Glücksbringer oder aus Zugehörigkeitssymbole getragen – am Finger, als Armband oder um den Hals. Erhalten sind vor allem Ringe aus beständigen Materialien wie Elfenbein, Muscheln oder den klassischen Metallen wie Silber und Gold. Vermutlich, so die Ausstellungsmacher, wurden auch Ringe aus Leder und anderen Naturmaterialien getragen, die allerdings nicht mehr existieren. Die Fürstengräber der frühen Bronzezeit zeigen dann erstmals deutlich die Macht ihrer Träger und den Wert von Ringen. Zum Ausdruck von Macht werden Ringe, so Alfred Reichenberger, nämlich erst ziemlich spät.

Das beginnt mit den wertvollen Materialien im 5. Jahrtausend vor Christus. Hierzulande tragen die Leute Spondylus-Muscheln, die zu Ringen ausgehöhlt werden. Das sind Materialien, die aus dem Mittelmeer stammen, von Stachelaustern, die aus 15 Metern Tiefe geholt werden müssen – also schwer zu erlangen sind und auch weite Handelswege erfordern. Das sind sicherlich kostbare Dinge. Im Laufe der Zeit entwickeln sich Ringe eben zu Symbolen der Macht.

Alfred Reichenberger, Archäologe

Die Legende von Elisabeth von Thüringen

Exponate im Museum
In der Ausstellung werden Ringe aus verschiedenen Epochen gezeigt. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Die Ausstellung "Ringe der Macht" befindet sich im Mittelpunkt des Museums. An der Decke über dem Paußnitzer Ring ist eine Karte der Stadt Jerusalem ausgebreitet, die das Weltbild der frühmittelalterlichen Zeit zeigen soll. Besonders wertvolle Ringe sind in säulenartigen Vitrinen untergebracht, auf denen Herkunft, Fundort, Material und die dazugehörige Geschichte zu erfahren sind. Eine besonders schöne Legende rankt sich um den Ring von Elisabeth von Thüringen, der auch in der Ausstellung zu sehen ist. Dieser mit einem Achat besetzte, ovale Goldring ist in der Mitte gesprungen. Der Sage nach soll Elisabeth den Ring im 13. Jahrhundert von Landgraf Ludwig geschenkt bekommen haben, bevor er zum Kreuzzug aufbrach. Als die Heilige die Todesnachricht ihres Gatten erhielt, soll der Stein aus der Fassung gesprungen und zerbrochen sein, so die Legende.

Die Geschichte des Eherings

Weniger bekannt ist, dass bereits keltische Fürstinnen Ringe trugen. Auch das erzählt die Ausstellung, die die Macht der Ringe bis in die Gegenwart beleuchtet. Alfred Reichenberger fügt schmunzelnd hinzu: "Selbstverständlich sind die wahren Ringe der Macht die Liebes- und Eheringe" – sie wurden als Treueringe bereits im alten Rom getragen. Ursprünglich wurden diese Ringe an der linken Hand, getragen, weil auf dieser Seite das Herz ist. Bis in die Neuzeit war das den Frauen vorbehalten. Erst seit dem 19. Jahrhundert tragen auch Männer Ehe- oder Verlobungsringe.

Vorlagen für "Herr der Ringe"

Dr. Harald Meller, 2015
Harald Meller Bildrechte: IMAGO

Ausgehend von dem magischen Ring aus dem Paußnitzer Grab kann der Besucher eine Verbindung zur heutigen Zeit herstellen – nicht nur, weil auch heute noch hochrangige Kirchenmitglieder oder Vertreter amtierender Königshäuser Ringe als Symbole ihrer Macht zur Schau tragen. "Da denkt man sofort an Tolkien", sagt der Landesarchäologe Harald Meller.

Tolkien war ja ein gebildeter Mann, der den Herrn der Ringe geschrieben hat und der hat dieses Ringmotiv und die Macht der Ringe kombiniert in seinem großartigen Werk. Ich denke, das ist eine legitime Verbindung. Zu Tolkiens Zeiten konnte man diese Zauberringe noch nicht lesen und deswegen ist unser Zauberring was ganz besonderes. Da können wir doch einiges über den Ringträger sagen und über die Idee, die dahinter steht.

Harald Meller, Landesarchäologe

Halsringe von keltischen Kriegern

Exponate im Museum
Die Ausstellung "Ringe der Macht" dauert vom 15. November 2019 bis zum 1. Juni 2020. Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Harald Mellers Lieblingsring ist der sogenannte Trichtinger Ring, den sich die Besucher ebenfalls anschauen können. Das ist ein silberner Halsring für einen keltischen Gott, der zur Zeit der Kelten im 6. Jh. v. Chr. an einer Statue gehangen haben könnte. Diese keltischen Ringe wurden sehr gut von den Römern beschrieben, erklärt Meller. Diese hatten Angst vor den keltischen Kriegern, die sich durch goldene Halsringe kennzeichneten, so der 59-Jährige: "Gleichzeitig waren die Römer, wie uns die antiken Autoren berichten, gierig darauf, im Kampf den Kelten die Köpfe abzuschlagen, um die Ringe zu gewinnen und blutbefleckt an ihre Rüstungen zu hängen. Und daraus entwickeln sich dann die römischen Orden und der tollste dieser Ringe ist bei uns."

Infos zur Ausstellung Landesmuseum für Vorgeschichte
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10 bis 18 Uhr
24.12. und 31.12. geschlossen

Die Ausstellung "Ringe der Macht" dauert vom 15. November 2019 bis zum 1. Juni 2020.

Zur Ausstellung "Ringe der Macht" in Halle

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Ringe der Macht, Ausstellung, Halle, Sonderausstellung, Alfred Reichenberger, Archäologie, Paußnitz | 15. November 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 21:52 Uhr

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