Lebensläufe | 27.07.2017 Christian Thielemann: Keine Angst unbequem zu sein

Sein Stil ist weltweit anerkannt: Christian Thielemann ist derzeit der international gefragteste Dirigent Deutschlands mit Gastauftritten von Mailand bis New York. "Gloriously unfashionable" - herrlich unmodern - nannte ihn ein britischer Kritiker einmal. "Lebensläufe - Deutschland, deine Künstler" zeigt den Dirigenten in seiner Wirkungsstätte in Dresden, begleitet ihn auf Gastspielen und in seine Heimat Berlin und lässt Kollegen zu Wort kommen.

Er liebt die Tonsprache der deutschen Romantiker, den dunklen "deutschen Klang", dem er dirigierend nachspürt. Christian Thielemann hat sich ganz dem deutschen Repertoire verschrieben, gilt vielen als "der" Wagner-Dirigent der heutigen Zeit, seit er im Jahr 2000 mit den "Meistersingern" sein Debüt auf dem Grünen Hügel in Bayreuth gab.

Die Musik in die Wiege gelegt

Thielemann ist in Berlin aufgewachsen, als einziger Sohn in einer musikalischen Familie. Schon früh nehmen ihn die Eltern mit zu Konzerten und in die Oper. Als er mit 14 Jahren seinen ersten Wagner in der Deutschen Oper hört, ist ihm klar: "Das will ich auch machen." Und genau in diesem Berliner Haus wird er später als Kapellmeister dirigieren. Bis es soweit ist, arbeitet er für Herbert von Karajan und Daniel Barenboim. Karajan ist ihm bis heute Inspiration und Vorbild.

Seine bislang letzte Station in München verlässt Thielemann im Streit mit der Kulturpolitik. Im Herbst 2012 beginnt für den 50-Jährigen eine neue Ära, er wird Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden, das wohl älteste Orchester der Welt, das schon Wagner seinerzeit als "Wunderharfe" in höchsten Tönen lobte. In seiner ersten Spielzeit wird die Staatskappelle zum "Orchester des Jahres" gewählt. 2015 erhält Thielemann den Richard-Wagner-Preis.

Christian Thielemann, der keine Angst hat, unbequem zu sein, wenn es um seine Kunst geht, gilt auch sonst nicht als einfacher Mensch. Er schottet sich ab, möchte dem Gegenüber nie privat, sondern nur im Rahmen seiner Arbeit begegnen. Außerdem reist er nicht gerne, was sich bei seiner internationalen Karriere jedoch nicht vermeiden lässt.

Bekannt für konservative Töne

Auf das Neue, Unbekannte ist er nicht sonderlich erpicht, am liebsten arbeitet er immer wieder mit denselben Musikern und Sängern. Da ist klar, was einen erwartet, worauf man sich verlassen kann. Er sagt über sich:

Ich bin ein liberaler Konservativer. Ich will eine bestimmte Art zu musizieren bewahren, die andere über Bord geworfen haben.

Christian Thielemann

Für seine konservative Haltung wurde er von einigen Feuilletonisten beschimpft. Weil er zum Beispiel trotz der politisch nicht unumstrittenen Vergangenheit eines Hans Pfitzners kein Hindernis für eine verstärkte Aufführung von dessen Werken sah. Für manche schien der Dirigent ein politischer "Rechtsaußen" zu sein.

Diese Kritik ist inzwischen verstummt. Filmautor Mathias Siebert beobachtet Christian Thielemann bei der Arbeit zur Eröffnungsoper der Festspiele in Baden-Baden: "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß. Er begleitet Thielemann nach Salzburg, wo dieser 2013 die künstlerische Leitung der Salzburger Oster-Festspiele übernimmt. Und nach Wien, wo ihn die Wiener Philharmoniker mit offenen Armen erwarten, um den "Parsifal" an der Staatsoper einzustudieren.

Künstlerpersönlichkeiten über Thielemann

Natürlich zeigt der Film Christian Thielemann auch an seiner Wirkungsstätte Dresden und in Berlin, seiner Heimatstadt. Im Interview zu Wort kommen Katharina Wagner, die Leiterin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin Richard Wagners, Dolly Hauns, die langjährige Assistentin des Leiters der Deutschen Oper Berlin, Götz Friedrich und der Kulturkritiker Reinhard Brembeck. Mathias Döpfner äußert sich als langjähriger Freund und die Sänger René Kollo und Renée Fleming berichten über die musikalische Zusammenarbeit.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: MDR Fernsehen | 27.07.2017 | 23:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2017, 11:07 Uhr