Programm vorgestellt Ausgedünnt und online: DOK Leipzig in Zeiten von Corona

Das Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig hat am Donnerstag sein diesjähriges Programm vorgestellt. Es ist der erste Jahrgang unter dem neuen Leiter Christoph Terhechte, der wegen der Corona-Pandemie zum ersten Mal ein Hybridfestival organisiert hat. Im Programm stehen auch zahlreiche Filme über Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie erste Reflektionen zur Quarantäne.

Ein Banner mit der Aufschrift 'DOK Leipzig' hängt in einer Fußgängerpassage.
Auch 2020 werden in Leipzig zahlreiche Dokus gezeigt. Bildrechte: dpa

Sein erstes DOK Leipzig stellt den neuen Leiter Christoph Terhechte vor besondere Herausforderungen. Denn die Corona-Pandemie lässt einen normalen Verlauf kaum zu. Deswegen findet das diesjährige Dokumentarfilmfest als Hybridfestival statt, kündigte Terhechte bereits vor einigen Wochen an.

Programmhefte des internationalen Dokumentar- und Animationsfilmfestivals (DOK) liegen auf einer Pressekonferenz in Leipzig. 7 min
Bildrechte: dpa
Programmhefte des internationalen Dokumentar- und Animationsfilmfestivals (DOK) liegen auf einer Pressekonferenz in Leipzig. 7 min
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Hybrides Festival

Es wird Kinovorstellungen in Leipzig geben, die aber unter Hygienebeschränkungen veranstaltet werden. Das Publikum wird also mit dem gewohnten Abstand platziert und höchstens aus Deutschland anreisen. Gleichzitig ist das Programm auch online abrufbar, aus rechtlichen Gründen allerdings nur in Deutschland und auch nur insgesamt nur 800 Mal pro Film. Das könnte die Reichweite des Festivals dennoch erhöhen, weil Interessierte nun nicht nach Leipzig kommen müssen – man muss allerdings schnell sein.

Schon vor der Pandemie hatte Christoph Terhechte angekündigt, das Programm auszudünnen und statt 300 Filme sollten nur noch 200 im Programm stehen. Weil es noch einige Absagen gab, werden bis zum 1. November ungefähr 150 Filme gezeigt. Terhechte übernimmt allerdings auch einige Ideen seiner Vorgängerin Leena Pasanen: So gibt es weiterhin kostenlose Filmvorführungen im Leipziger Hauptbahnhof und das Format DOK Neuland, bei dem mit digitalen und interaktiven Möglichkeiten experimentiert wird, soll fortgeführt werden.

Wir wollten alle Fiesen killen 21 min
Bildrechte: Dok Leipzig/Wir wollten alle Fiesen killen/Bettina Ellerkamp, Jörg Heitmann

Europa und Mitteldeutschland

Ein Eröffnungsfilm wie in den vergangenen Jahren wird es in iesem Jahr nicht geben. Stattdessen wird die Auftaktveranstaltung am 26. Oktober um 16 Uhr als Video veröffentlicht. Um 17 Uhr wird dann der erste Wettbewerbsfilm gezeigt: "Joy" erzählt von einem russischen Wanderzirkus. Insgesamt beschäftigen sich viele Filme mit dem heutigen Leben in Europa, beobachtet MDR KULTUR-Filmredakteur Stefan Petraschewsky: Sie erzählen von Zwiebelbauern in Spanien, Schäfern in Frankreich, einer Kindheit in Litauen oder dem Alltag von Einheimischen und Geflüchteten auf Sizilien.

Zahlreiche Filme blicken jedoch auch nach Mitteldeutschland. Noch am ersten Abend erklären in "Girls/Museum" Teenagerinnen im Leipziger Museum der bildenden Künste, was sie von Frauendarstellung in Bildern von Cranach bis Neo Rauch halten. In "Grenzland" begleitet das Publikum Andreas Voigt an die deutsch-polnische Grenze. "Wir wollten alle Fiesen killen" ("We wanted to Kill All Nasty Ones") nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in eine Bunkeranlage südlich von Jena, die in der Nazizeit eine Fabrik und für die NVA ein Munitionslager war. "Elefantin" erzählt von einem als verhaltensauffällig geltendes Tier, das schließlich im Halleschen Bergzoo landete.

Während das Festival selbst noch mit den Auswirkungen der Pandemie umgehen muss, sind schon zwei Filme im Programm, die das Leben im Lockdown eingefangen haben und das von zwei Seiten des europäischen Kontinents –nämlich in Großbritannien und in Russland. Das Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig findet vom 26. Oktober bis zum 1. November statt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Oktober 2020 | 16:10 Uhr