Das Foto zeigt die Halle 18 auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig, der zu Kunstgalerien führt.
Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig Bildrechte: dpa

Kunst und Politik Leipziger Jahresausstellung: Krause-Ausschluss sorgt weiter für Streit

Die Debatte um die Leipziger Jahresausstellung hält an. Nach der Absage der Absage wird es nun also doch eine Ausstellung geben, allerdings ohne den Künstler Axel Krause. Dessen Ausladung sorgt weiter für Diskussionen.

Das Foto zeigt die Halle 18 auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig, der zu Kunstgalerien führt.
Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig Bildrechte: dpa

Die Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennike hat sich in die Debatte um die Leipziger Jahresausstellung eingeschaltet. Bei MDR KULTUR sagte Jennike, es sei "symptomatisch für unsere Zeit, dass es so stark aufeinandertreffende Positionen gibt". Diese sollten und müssten im öffentlichen Diskurs besprochen werden. "Am Ende geht es ja darum, wie viel Freiheit ist in unserer Gesellschaft möglich, nötig – die Debatte muss geführt werden. Das finde ich gut und richtig."

Im Zentrum der aktuellen Debatte um die Meinungs-und Kunstfreiheit steht die "Leipziger Jahresausstellung". Nachdem der AfD-nahe Künstler Axel Krause eingeladen wurde, war eine politisch aufgeladene Debatte um seine Teilnahme an der Ausstellung entbrannt. Im Zuge der Ereignisse wurde der Künstler zuerst ausgeladen, dann trat er Ausstellungsvorstand geschlossen zurück und sagte schließlich die Kunstschau ab. Zumindest die letzte Entscheidung revidierte der Verein indessen: Die 26. Leipziger Jahresausstellung findet statt, nun allerdings ohne Axel Krause.

Der Maler Axel Krause in seinem Atelier
Der Maler Axel Krause in seinem Atelier Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Künstler Axel Krause reagierte bereits auf seinen Ausschluss von der Ausstellung. MDR KULTUR sagte er im Interview: "Es gab ja ein demokratisches Auswahlverfahren durch eine Jury. Ich bin mit einfacher Mehrheit angenommen worden. Jetzt werde ich ausgeschlossen [...] Es gibt sicherlich nicht wenige Leute, die dafür kein Verständnis haben."

Ich stelle meine beiden Bilder nicht aus. Das ist zu verschmerzen. Aber das Politikum, das sich damit verbindet, dass ich ausgeschlossen werde, das ist befremdlich.

Axel Krause, Künstler

Verein will zur eigentlichen Aufgabe zurückkehren

Rainer Schade, der zurückgetretene Vorstandsvorsitzender des Vereins Leipziger Jahresausstellung e. V., besinnt sich in der Krise auf die grundsätzlichen Aufgaben seines Kunstvereines. Dass Kunst politisch sein soll, statt das Feld den Volksvertretern zu überlassen, gehört dabei zur Grund-Überzeugung Schades, der auch  als Karikaturist einen Namen hat. Er sagt: "Der Leipziger Jahresausstellung e. V. hat die Aufgabe, einmal im Jahr eine aktuelle Ausstellung zu machen über künstlerische Positionen. Das da ideologische Dinge reinspielen und Überhitzungen, das ist von uns nicht gewollt."

Wir möchten jetzt endlich zur Sacharbeit zurückkehren und sind auch sehr froh, wie die Künstler auf die Entscheidung reagiert haben, die jetzt mit großem Enthusiasmus die Ausstellung aufbauen.

Rainer Schade, der zurückgetretener Vorstandsvorsitzender des Vereins Leipziger Jahresausstellung e. V.

Bereits 2017 hatte die "Leipziger Jahresausstellung" einen umstrittenen Künstler eingeladen: Den Dresdner Künstler Manaf Halbouni, der mit seinen Bussen vor der Frauenkirche für Aufsehen gesorgt hatte. Mit den teils kritischen, Zuschriften ging der Verein damals um. Nun den AfD-nahen Leipziger Maler Axel Krause ausstellen zu wollen, traf jedoch auf zu viel Widerstand unter Links-Aktivisten, Teilen der ausgestellten Künstler als auch unter einigen der mächtigen auf dem Gelände der Baumwollspinnerei, wo der Verein seine Ausstellung zeigen darf. So rudert man jetzt zurück: Die Ausstellung findet statt, Axel Krause bleibt ausgeschlossen.

Künstlerinnen bewerten Ausschluss kritisch

Stellt der Ausschluss Krauses eine Niederlage für die Kunst-und Meinungsfreiheit dar?  Die Fotografin und Installationskünstlerin Carina Linge findet das nicht. Sie wurde selbst zur Schau eingeladen und agiert nun als Vermittlerin zwischen allen noch ausstellenden Künstlern und dem Verein. Linge fordert, Kunst und Künstler zu trennen. Und Annette Schröter, Leipziger Malerin, Kunst-Professorin und Mitglied jener unabhängigen Jury, die auch Axels Krauses Bilder für die Jahresausstellung auswählte, fühlt sich in der Debatte an die DDR erinnert, die sie 1985 verließ, weil für sie damals nichts mehr ging. Dass im Jahr 2019 in Deutschland wieder Bilder abgehängt werden, klingt für Annette Schröter nach einem Akt von Zensur:

Das hört sich doch ganz danach an. [nach Zensur; Anm. der Red.]. Und das ist für mich unvorstellbar. Weil es das ja alles schon mal gab! Also wir wissen: Geschichte wiederholt sich nicht, aber wie Mark Twain so schön gesagt hat: Geschichte reimt sich. Und wir Älteren, wir kennen das alles, und das geht überhaupt gar nicht, das ist ein Unding, das wäre das Ende einer demokratischen Bundesrepublik.

Annette Schröter, Künstlerin

Der Verein Leipziger Jahresausstellung e. V. hofft, sein Problem gelöst zu haben, da nun alle ausstellen dürfen – bis auf einen. Doch die Frage bleibt: Ist es Zensur oder zum Wohle der Gesellschaft, was dieser Tage in Leipzig passiert? In der Stadt verweisen derzeit viele auf eine geplante Podiumsdebatte am kommenden Dienstagabend, 11. Juni, im Leipziger Museum der bildenden Künste. Dort sollen die Hauptprotagonisten des Streits mit Gästen den Ausschluss Krauses öffentlich verhandeln. MDR KULTUR zeichnet die Debatte auf.

Diese Bilder von Axel Krause sollten ausgestellt werden:

"Die Taube vom Dach" von Axel Krause
"Die Taube vom Dach", 2019, Öl-Leinwand, 70 x 120 cm Bildrechte: Gustav Franz

Das Werk "Der Traum des Metzgers" von Axel Krause
"Der Traum des Metzgers", 2019, Öl-Leinwand, 140 x 220 cm Bildrechte: Gustav Franz

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Juni 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 14:21 Uhr

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