Peter Zimmerling
Unter dem Titel "Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft" erschien bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig und mit Peter Zimmerling als Herausgeber eine reich bebilderte Festschrift zur Wiedereinweihung der Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig. Bildrechte: Universität Leipzig

Pauliner-Prediger Peter Zimmerling im Gespräch "Mein Ziel ist tatsächlich, Glaube ins Gespräch zu bringen."

Peter Zimmerling ist Universitätsprediger an der Leipziger Universitätskirche St. Pauli. Es ist eine besondere Aufgabe, wird das Gotteshaus doch auch als Aula genutzt. Zudem hat der Neubau durch den Abriss zu DDR-Zeiten Vorgänger eine eindrucksvolle Geschichte. Im Gespräch mit MDR KULTUR berichtet er von den besonderen Herausforderungen seiner Aufgabe.

Peter Zimmerling
Unter dem Titel "Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft" erschien bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig und mit Peter Zimmerling als Herausgeber eine reich bebilderte Festschrift zur Wiedereinweihung der Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig. Bildrechte: Universität Leipzig

Nicht jeder Pfarrer predigt in einer Kirche, die in ganz Deutschland bekannt ist und die zudem noch neu erbaut wurde. Peter Zimmerling hat dieses Glück, er ist Universitätsprediger an der Unikirche St. Pauli Leipzig. Am 3. Dezember hielt er den Festgottesdienst zur feierlichen Weihe der Unikirche und sprach dabei über "Das Wunder von Leipzig".

Doppelnutzung für Uni und Gottesdienst

Passanten gehen vor dem neuen Paulimun der Universität in Leipzig (Sachsen) entlang. Vor der offiziellen Eröffnung im Dezember 2017 sind die Bauarbeiten nun abgeschlossen. Das Paulinum erinnert in seiner äußeren Form an die 1968 gesprengte, Universitätskirche St. Pauli.
So sieht St. Pauli heute aus Bildrechte: dpa

Das Gebäude ist nicht nur durch seinen Vorgängerbau prägnant, auch die Doppelnutzung als Kirche und Aula stellt vor besondere Aufgaben. Schließlich kann nicht jede Veranstaltung in einem Raum stattfinden, der danach auch für religiöse Feiern genutzt wird. Auf die Frage von MDR KULTUR-Moderator Thomas Bille, ob er sich denn vorstellen könne, dass beispielsweise Karl Lagerfeld in dem Gebäude seine neusten Kreationen zeigen könnte, erwiderte Zimmerling:

Ich bin im Moment dagegen, dass in diesem Raum eine Dessous-Schau stattfinden wird.

Peter Zimmerling

Für Zimmerling ist dies allerdings ein lösbares Problem. Im Gegenteil, laut Zimmerling wurde das Gebäude seit der Weihe durch Martin Luther simultan als Kirche und Aula genutzt. Erst die DDR hat dies durch die Sprengung des Gebäudes im Jahr 1968 in Frage gestellt.

Hochmodernes Gotteshaus

Und es gibt auch Vorteile, schließlich ist die Aula einer renommierten Universität mit allerlei technischen Raffinessen ausgestattet, die man sich für ein Gotteshaus nur wünschen kann. Zimmerling meint deshalb, die Unikirche sei "eigentlich so, wie ich mir Kirche im neuen Jahrtausend vorstelle."

Bilder Ansichten der neuen Universitätskirche St. Pauli

Collage aus einer illustrierten Paulinerkirche und dem Neubau (Foto)
Eine Collage zeigt den Standort der 1968 gesprengten Universitätskirche und den Neubau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Augustusplatz, MDR-Hochhaus und Universitätskirche St. Pauli
Blick auf den Leipziger Augustusplatz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fensterrose - Detailanischt der Universitätskirche St. Pauli am Augustusplatz in Leipzig
Ein Detail in der Fassade der neuen Universitätskirche in Anlehnung an das historische Vorbild: die Giebelrose Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Innenansicht der Universitätskirche St. Pauli mit der 16 Meter hohen Trennwand aus Plexiglas
Blick ins Innere des Paulinums mit Epitaphien, Gewölbe und gläserne Trenndwand, Stand 2015 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Schwalbennestorgel in der Universitätskirche St. Pauli
Nagelneue "Schwalbennestorgel": Sie ist etwa acht Meter hoch und drei Meter breit. Die Orgel mit einem Gehäuse aus Schweizer Eichenholz steht nicht auf einer Empore, sondern hängt in großer Höhe an einer Innenwand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Historisches Modell der Stadt Leipzig im Stadgeschichtlichen Museum
Das historische Stadtmodell von Leipzig mit dem Ausschnitt des Areals von Kirche und einstigem Kloster - gerfertigt wurde es 1823 von J.C. Merzdorf. Seit 1909 ist es im Stadtgeschichtlichen Museum ausgestellt. Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Collage aus einer illustrierten Paulinerkirche und dem Neubau (Foto)
Eine Collage zeigt den Standort der 1968 gesprengten Universitätskirche und den Neubau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Universitätskirche St. Pauli aus der Vogelperspektive
Blick aus der Luft auf den Aula-Kirchen-Bau und die aufwendige Dachkonstruktion. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Innenansicht der Universitätskirche St. Pauli
Der neugotische Altar: Während der Bauarbeiten noch verrpackt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Innenansicht der Universitätskirche St. Pauli mit der neuen "Schwalbennestorgel"
Die Kubatur des Neubaus, also das Volumen des Bauwerks, wurde weitestgehend vom historischen Vorbild übernommen und lässt auf einen ähnlich guten Raumklang für die Orgel hoffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Epitaph in der Universitätskirche St. Pauli
Vor der Zerstörung 1968 gerettet und heute restauriert: Wertvolle Epitaphien aus verschiedenen Jahrhunderten erzählen Stadt- und Universitätsgeschichte. Wer seinerzeit Rang und Namen hatte, ließ sich so verewigen. Während die Paulinerkirche unwiederbringlich verloren ist, gehören die Epitaphien zu den wenigen erhaltenen originalen Zeugnissen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Augustusplatz in Leipzig mit dem Panorama Tower MDR, der Universität und der Paulinerkirche.
Bildrechte: IMAGO
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Fensterrose - Detailanischt der Universitätskirche St. Pauli am Augustusplatz in Leipzig
Ein Detail in der Fassade der neuen Universitätskirche in Anlehnung an das historische Vorbild: die Giebelrose Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Traumberuf im Osten

Für den 1958 in Nidda bei Gießen geborenen Zimmerling ist Leipzig nie ein fremder Ort gewesen, seine Großmutter lebte in der DDR bei Leipzig und die Familie besuchte sie häufig. Mit dem Fall der Mauer war ihm zudem klar, dass er gerne im Osten Deutschlands arbeiten möchte. So kam es und nun steht er einem der exponiertesten deutschen Gotteshäuser vor.

Es ist für Zimmerling eine schöne und auch nicht immer leichte Aufgabe, macht sich doch die Säkularisierung hier sehr stark bemerkbar. Seit 1990 gibt es im Osten 30 Prozent weniger Christen und 50 Prozent der Pfarrersstellen sind weggefallen. Es ist aber eine Herausforderung, die Zimmerling gerne annimmt. Er will den Glauben stärker ins Gespräch bringen - und hier erweist sich die Doppelnutzung seines Gotteshauses fast schon als Segen. Denn so kommen während der Aula-Nutzung Menschen in seine Kirche, die den Weg sonst vielleicht nicht finden würden.

Peter Zimmerling
Peter Zimmerling Bildrechte: Universität Leipzig

Ehrlichgesagt habe ich in den letzten 12-13 Jahren hier im Osten ein - ja wie soll ich sagen - aufrichtigeres Sprechen über Fragen des Glaubens erlebt, als das im Westen häufig der Fall war.

Peter Zimmerling

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2017, 18:09 Uhr