Franciska Zólyom
Franciska Zólyom ist zur begeisterten Leipzigerin geworden. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Leipzigerin kuratiert deutschen Pavillon Was Franciska Zólyom für die Kunst-Biennale in Venedig 2019 plant

Sie soll den deutschen Pavillon auf einer der größten Kunstschauen der Welt kuratieren. Bei MDR KULTUR war sie dazu im Gespräch. Sie erzählte auch, warum Berlin für sie mittlerweile ein Vorort von Leipzig ist.

Franciska Zólyom
Franciska Zólyom ist zur begeisterten Leipzigerin geworden. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Dass sie die Kuratorin des deutschen Pavillon auf der Kunst-Biennale in Venedig 2019 ist, ist für Franciska Zólyom zwar ein wichtiger und spannender Schritt in ihrem Leben, dennoch sieht sie darin nicht den Höhepunkt ihrer Karriere.

Im Gespräch bei MDR KULTUR bekannte sie, dass sie sich über die damit verbundene Anerkennung und das Vertrauen zwar freue, sie aber nun die Arbeit und das Zusammenwirken der Beteiligten im Fokus hat. Der Kreative Prozess steht für sie im Vordergrund. Mit der Referenz der Berufung für Venedig verbindet sie aber auch die Hoffnung, andere Anliegen vorantreiben zu können.

Es setzt bislang sehr viele Ideen, sehr viele Energien, sehr viel Vertrauen auch, oder Selbstvertrauen frei. Und das ist ein sehr gutes Gefühl.

Franciska Zólyom zu ihrer Biennale-Berufung

Die Kunst ist für Zólyom ein "Lebenselixier", ohne das sie "nicht leben könnte." Kunst begreift sie persönlich als "Denkversuch" beziehungsweise "Selbstversuch", der Wahrnehmung von Dingen. In Venedig möchte sie diesen persönlichen Zugang auch dem Publikum ermöglichen.

Ich würde gern darauf hinarbeiten, eben die Ruhe, auch trotz der Lebendigkeit der Gardini zu schaffen, dass Menschen sich mit den Fragen beschäftigen können, dafür auch Zeit und Aufmerksamkeit finden, die wir dann dort präsentieren werden.

Franciska Zólyom über ihre Biennale-Vorstellungen

Globale Polyphonie der Kunst

Franciska Zolyom, Kuratorin und Direktorin der Stiftung Galerie für Zeitgenoessische Kunst in Leipzig.
Franciska Zólyom Bildrechte: dpa

Die Kunst-Biennale in Venedig mit den einzelnen Länderpräsentationen sieht sie als vielstimmiges Konzert der Kunst. Die einzelnen Stimmen ergeben ein Ganzes und sogar die nicht vertretenen Länder sind für sie in der Gesamtkomposition vertreten: "Die ursprüngliche Idee der Biennale, dass man zwar Länderpräsentationen zeigt, aber eine Polyphonie erzeugt, indem diese einzelnen, spezifischen Sprachen nicht untergehen aber trotzdem zu einem Konzert, zu einem Weltkonzert werden, ist tatsächlich erfahrbar. Mit all den Konflikten und all den Ländern, die da drin nicht vertreten sind, worum man ja auch immer wieder spricht und diskutiert", meint Zólyom.

Berufung durch deutschen Außenminister

Als Kuratorin des deutschen Beitrags für die Kunst-Biennale in Venedig 2019 wurde sie durch Außenminister Sigmar Gabriel berufen. Er würdigte Franciska Zólyom als eine herausragende Kuratorin, sie stehe "mit ihrer Vita und ihrem bisherigen Wirken für künstlerische Koproduktion und damit für einen pro-europäischen Kunstbegriff  jenseits nationaler Grenzen".

Die Biennale in Venedig gilt neben der Documenta in Kassel als eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt. Im vergangenen Jahr gewann der von Susanne Pfeffer kuratierte und von Anne Imhof gestaltete deutsche Pavillon den Goldenen Biennale-Löwen.

Zólyom, seit 2012 Direktorin der Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig und lebt auch in dieser Stadt. Leipzig hat sie sehr zu schätzen gelernt. Zuvor lebte sie in Berlin.

Mittlerweile betrachte ich Berlin als so'n Vorort von Leipzig, zu dem ich immer wieder auch gern hinfahre, mich inspirieren lasse, um dann weiter zu arbeiten.

Franciska Zólyom

Lebensstationen Budapest, Tripolis, Paris, Berlin und Leipzig

Geboren wurde Zólyom 1973 in Budapest. Noch vor ihrem ersten Geburtstag zog die Familie nach Libyen, wo sie die nächsten fünf Jahre in Tripolis verbrachte. Die Eltern waren Handelsdiplomaten und wurden an die ungarische Botschaft in Tripolis entsandt. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland lebte die Familie in Frankfurt/Main und Siegen in Nordrhein-Westfalen.

Franciska Zólyom
Franciska Zólyom Bildrechte: Julia Rößner

Zólyom zog nach dem Abitur nach Köln und studierte Kunstgeschichte, Italienisch und Geschichte. Ihren Abschluss machte sie in Kunstgeschichte in Paris. Von 1997 bis 1999 arbeitete sie als Kuratorin am Museum Ludwig in Budapest. Seit 2005 ist sie Vorstandsmitglied von "tranzit", einem Verein zur Förderung von Kunst und Wissenschaft", der 2004 in der Tschechischen Republik und der Slowakei gegründet wurde. Von 2006 bis 2009 leitete Franciska Zólym als Direktorin das Institute of Contemporary Art - Dunaújváros in Ungarn. Ihre Forschungsgebiete umfassen urbane und soziale Transformationsprozesse, sowie politische Handlungsmacht in der zeitgenössischen Kunst.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft | 10. Februar 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2018, 12:25 Uhr

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