Zwei junge Frauen posieren in durchsichtigen türkiesfarbenen Gewändern.
Lily & Madeleine Bildrechte: Fairlight Hubbard

Album "Canterbury Girls" Lily & Madeleine bieten Einblicke in ihr Seelenleben

Mit ihrem Album "Canterbury Girls" haben Lily & Madeleine sich von Künstlern wie ABBA, Midlake oder Nancy Wilson inspirieren lassen. Dazu gaben sie einen kräftigen Schuss Melancholie. Heidi Eichenberg hat das Album für MDR KULTUR gehört.

Zwei junge Frauen posieren in durchsichtigen türkiesfarbenen Gewändern.
Lily & Madeleine Bildrechte: Fairlight Hubbard

Eben noch die Teenage-Stars von 2014, sind die Schwestern Lily und Madeleine Jurkiewicz mittlerweile zu Botschafterinnen weiblicher Erwachsenen-Thematik herangereift. Was noch während der Highschoolzeit mit einem selbst geposteten Video bei YouTube begann, passt mit ihrem vierten Album "Canterbury Girls" schon fast perfekt in den Spotify-Bauplan der If-you-like-this-you-will-love-that!-Gemeinde. Das Geschmacksprofil "Traurige Mädchen mit schlechten Erfahrungen" müsste allerdings noch erstellt werden.

Madeleine sagt dazu: "Die Songs sind traurig und fassen zusammen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben“ und betont, damit viele Fans gefunden zu haben.

Wir wollen die Bühne dazu nutzen, um Dinge zur Sprache zu bringen, die wirklich von Belang sind und die  Menschen wirklich bewegen, wir wollen laut sein und gehört werden.

Madeleine

Mittlerweile sind Lily und Madeleine 21 und 23 Jahre alt; im Frühjahr 2018 sind sie von ihrer Heimat Indianapolis nach New York gezogen. Im Titel ihres neuen Albums "Canterbury Girls" findet sich noch ein Bezug auf die Lieblingsgegend, die sie während ihrer Schulzeit gern und oft unsicher gemacht haben: den Canterbury Park in Indianapolis.

Aufnahmen in Nashville

Für die Produktion des Albums haben sich die Schwestern allerdings ein Studio in Nashville ausgesucht, wo das Album unter der Ägide der Produzenten Daniel Tashian und Ian Fitchuk innerhalb von nur zehn Tagen aufgenommen wurde.

Die Ideen zu den zehn Tracks stammen allesamt von den beiden Sängerinnen und Musikerinnen, die viel Wert auf ihre Unabhängigkeit legen. Obwohl sie mit ihrem zweistimmigen Gesang im Alt- und Sopranregister perfekt harmonieren, haben sie den jeweiligen Arbeitsprozess an den Songs getrennt voneinander absolviert, um ihren individuellen Stil zu erhalten.

Keep it simple

Inspiration holten sich Lily und Madeleine bei den Songs von Midlake, ABBA und Nancy Wilson. Das musikalische Material der Schwestern ist effektiv auf die Hörgewohnheiten ihrer gleichaltrigen Fans ausgerichtet: kurze Intros, keine komplizierten oder gar irritierenden Harmoniewechsel oder Brüche.

Für die Abwechslung im Sound und den nötigen Groove sorgen die Produzenten Tashian und Fitchuk mit Twang-Gitarren und Easygoing Synth- und Disco-Pop; ein Song erinnert an die mitreißenden Motown-Glanzstücke der Supremes, die meisten sind eher in der Stimmung gedämpft und spielen mit Versatzstücken und Sounds aus R&B und Soul.

Zielgruppe im Blick

Die Klarheit und Offenheit, mit der Lily & Madeleine Einblicke in ihr Seelenleben gewähren, kommt bei ihrem Publikum an: Ängste, Erwartungsdruck und Probleme, mit denen sich nicht erst die Frauen ihrer Generation herumschlagen müssen, wie etwa eine ungleiche Rollenverteilung innerhalb einer Beziehung.

Eine Protagonistin fühlt sich schuldig, weil sie an einer Liebe festhält, die längst nicht mehr so ist wie früher ("Self Care"). Im Song "Supernatural Sadness" wehrt sich die Erzählerin gegen die toxische Negativität einer Person, von der Sie sich nicht herunterziehen lassen möchte. "Circles" heißt der Song, in dem es um die Unzufriedenheit in einer stagnierenden Beziehung geht und der auf ganz persönlichen Erfahrungen einer der beiden Sängerinnen basiert. Dieser in seiner Einfachheit betörende Walzer besticht mit der Kraft einer aufsteigenden Melodie, die den Ausbruchswillen symbolisiert, während sich am Boden alles weiter im Kreis dreht. Schöner kann man Erwachsenwerden nicht beschreiben.

Angaben zum Album Lily & Madeleine: "Canterbury Girls"
Label: New West Records

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. März 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 15:55 Uhr

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