Serienende Lindenstraße ganz nah: Bildbände erinnern an Kultserie

Nach rund 35 Jahren "Lindenstraße" ist nun Schluss. Am 29. März wurde die letzte Folge ausgestrahlt. Fans der Kultserie können sich aber mit zwei Bildbänden trösten, in denen Fotograf Volker Renner überraschende Details zeigt. Vom abgeschabten Linoleum über geblümte Bettwäsche bis hin zu Haaren in Haarbürsten. Im Interview erklärt Fotograf Renner, was ihn an der Serie und den Fotos fasziniert hat.

Lindenstraße
Auch die Filmkulisse der "Lindenstraße" ist in die Jahre gekommen. Bildrechte: Volker Renner

MDR KULTUR: Als die Serie begann, waren Sie acht Jahre alt. Was bedeutet die Lindenstraße für Sie?

Volker Renner: Ich bin ein Stück weit mit der Lindenstraße aufgewachsen. Das heißt, ich kann mich noch daran erinnern, dass die sonntags irgendwo lief. Und dann war ich aber irgendwann auch raus. Das heißt, ich bin irgendwann ausgestiegen – und habe mich dann jetzt aber wieder sehr mit der Lindenstraße beschäftigt, weil ich dieses Thema von Zuhause und wie Zuhause medial konstruiert wird, spannend fand und mich dann daran fotografisch nochmal abgearbeitet habe.

Serienende Die Lindenstraße aus der Nähe

In seinen bei Textem erschienenen Bildbänden "Lindenstraße (Serientod)" und "Lindenstraße Index" zeigt der Fotograf Volker Renner die Serienkulissen ungewohnt nah und offen.

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Die Kulisse der Lindenstraße mit dem bekannten Straßenschild Bildrechte: Volker Renner
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Die Kulisse der Lindenstraße mit dem bekannten Straßenschild Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Kulisse der Wohnung von Dr. Dressler Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Kulisse der Wohnung von Dr. Dressler Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Kulisse der Wohnung von Familie Beimer Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Kulisse der Wohnung von Familie Beimer Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Bildrechte: Volker Renner
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Sie haben diese Entwicklung fotografisch verfolgt und erzählen in zwei Bildbänden von dieser künstlichen Welt. Da sieht man Tapeten, Gardinen, Linoleum, Einkaufszettel. Was hat Sie gereizt, diese Bilder zu machen?

Volker Renner
Der Fotograf Volker Renner Bildrechte: Volker Renner

Ich fand es einmal spannend, zu sehen, wie so ein Zuhause dargestellt wird. Mit welchen Mitteln. Und dadurch, dass diese Serie auch so wahnsinnig lange läuft, schwebt wirklich so eine gelebte Patina über diesen Sets. Ich fand es spannend, sich damit auseinanderzusetzen. Und das einmal so sehr detailliert aufzunehmen. Und dann in einem weiteren Feld sozusagen, nochmal das ganze Bild zu zeigen.

Wie haben Sie denn in diese unzähligen Details Ordnung gebracht?

Ich war, glaube ich, am Ende fast zehn Mal da. Man musste tatsächlich schon viel Zeit auch am Set verbringen. Und ich bin dann eigentlich wirklich immer so logistisch vorgegangen. Das heißt, ich habe immer an einem Eck der Studios angefangen und bin einmal im Kreis, dann ins nächste große Studio und wieder das gleiche. Das hab ich immer wieder so gemacht und nachher die Bilder sortiert und die ausgewählt, die dann im Buch gelandet sind.

Lindenstraße
In der "Lindenstraße" wurde sehr viel Wert auf Details gelegt: biedere Rosenmotiv-Decken und Schalen von Kürbiskernen. Bildrechte: Volker Renner

Was Sie da festgehalten haben auf den Bildern ist ja eine Kulisse, eine Vorstellung von deutscher Normalität. Vom Fußabtreter auf den Steinfliesen oder der Grünpflanze vor holzgetäfelter Wand. Wovon wollten Sie mit den Bildern eigentlich erzählen?

Lindenstraße
In dieser Kulissen-Bürste hängen sogar Haare. Bildrechte: Volker Renner

In den Feldern, in denen ich mich sonst so bewege, ist das Thema des Fake und der Konstruktion immer sehr präsent. Und das fand ich da natürlich auch spannend. Wie dieses Zuhause gespiegelt wird, um wieder beim Zuschauer zu Hause im Wohnzimmer zu landen.

Das waren so einige Themen. Menschenleerer Raum ist etwas, das bei mir auch immer wieder auftaucht. Und dann fand ich es natürlich auch nochmal zusätzlich interessant, dass sich alles jetzt im Verschwinden befindet. Die Sets sind ja mittlerweile schon wieder abgebaut. Und da ist halt nichts mehr da jetzt.

Gabi (Andrea Spatzek, l.) freut sich, dass sich Konstantin mit ihr treffen möchte. Dessen Vater Roland (Axel Holst) ist verletzt, und Helga (Marie-Luise Marjan) wie immer neugierig.
So kennen die Zuschauer die Serie Bildrechte: WDR/Steven Mahner

Glauben Sie, dass Sie die Serie vermissen werden?

Also, ich hatte da eine wahnsinnig tolle Zeit, mit den ganzen Leuten, die da gearbeitet haben und so weiter. Und das finde ich natürlich ein bisschen schade. Aber jetzt ist es halt vorbei.

Das Interview führte Ellen Schweda für MDR KULTUR.

Die Bildbände von Volker Renner zur Lindenstraße Volker Renner: "Lindenstraße (Serientod)"
240 Seiten, gebunden, 44 Euro
ISBN: 978-3-86485-229-9
Textem Verlag 2020

Volker Renner: "Lindenstraße Index"
120 Seiten, Softcover, 10 Euro
ISBN: 978-3-86485-230-5
Textem Verlag 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. März 2020 | 10:15 Uhr

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