Kabarett Lisa Eckhart: Warum beim Poetry Slam Humor nicht mehr belohnt wird

Zwischen dem Poetry Slam und der Comedy gäbe es kaum mehr Brücken, findet die Kabarettistin Lisa Eckhart. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählt sie zudem, warum ihre Mutter am Telefon ihre Humormesslatte ist und warum Lehrerinnen und Lehrer das bessere Publikum haben.

Lisa Eckhart 58 min
Bildrechte: imago images/Stefan Schmidbauer

MDR KULTUR - Das Radio So 27.09.2020 12:00Uhr 58:17 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Die Erwartungen des Publikums beim Poetry Slam haben sich gewandelt, das beobachtet die Neu-Leipzigerin und Kabarettistin Lisa Eckhart. Als sie vor fünf Jahren noch beim Poetry Slam mitgemacht habe, hätten die Humoristen noch alle Preise abgeräumt und den Abend für sich entschieden, so die 28-Jährige im Gespräch mit MDR KULTUR. Heute habe sich das gedreht. Sie habe den Eindruck, "dass das Slam-Publikum, das auch sehr jung ist und weitaus korrekter, als das etwas ältere Kabarett-Publikum, die Humoristen eher abstraft. Und je mehr gelitten wird auf der Bühne, umso höher sind die Bewertungen. Je mehr es leidet, je mehr es sich authentisch eigentlich nur in seinen eigenen Ich-Weh-Wehchen suhlt. Das scheint mehr Anklang zu finden."

Klare Entscheidung für den Humor

Deshalb gäbe es zwischen dem Poetry Slam und der Comedy kaum mehr Brücken, resümiert Eckhart. Sie habe sich klar für den Humor entschieden und würde für ihn jederzeit eine Lanze brechen. Das sei nötig – nicht zuletzt, weil der Humor ihrer Meinung nach immer noch ein geringes Ansehen hat,  aber auch, weil er in letzter Zeit neue Feinde dazu gewonnen habe, findet Eckhart. "Neuerdings gibt es jene, die ihn zu ernst nehmen und für etwas Schlechtes halten. Und die Humoristen eher für verdorbene Menschen [halten], die sich wahnsinnig in Schadenfreude ergehen – was sie mit Humor verwechseln."

Die gebürtige Österreicherin erzählt aus Erfahrung: einer ihrer Auftritte in der WDR-Show "Mitternachtsspitzen" hatte im Mai eine Debatte ausgelöst. Hoch umstritten war ihr Programm, in dem sie sich über politische Korrektheit lustig gemacht hatte. Dabei habe sie antisemitische und rassistische Klischees bedient, warfen ihr Kritiker vor. Sie stritt das ab. Statt Tabubruch führe sie lieber zwei Themen zusammen, die man so vorher nicht zusammen gesehen habe, erklärte Eckhart bei MDR KULTUR: "Mein Mann wirft mir vor, dass ich Krawalldialektik betreibe."

Ihre Mutter als Prüfstein

Ihr Humorbarometer sei dabei schon immer ihre Mutter. Weit weg am anderen Ende des Telefons ist sie der Prüfstein ihrer Witze, so Eckhart. Bis ans bittere Ende wolle die 28-Jährige ihre Kabarett-Karriere jedoch nicht treiben. Es ist kein Geheimnis: Nach vier Programmen ist Schluss. "Das war für mich immer wichtig, um die maximale Leidenschaft zu erhalten, zu wissen, das ist für eine sehr begrenzte Zeit."

Wie es danach weitergehen wird, steht auch fast fest. Ganz wie die Mama will die Österreicherin gern Lehrerin werden. Da sei das Publikum auch spannend, weil sie das noch formen könne wie Plastilin: "Das reizt mich schon immer sehr, wenn ich meine Mutter sehe, wie sie aus einer Horde völlig seelen- und charakterloser Sechsjähriger innerhalb von vier Jahren fantastische Persönlichkeiten züchtet."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. September 2020 | 12:05 Uhr

Abonnieren