Tokei-ihto (Gojko Mitic) ist nach der Ermordung seines Vaters der neue Häuptling der Bärenbande.
"Die Söhne der großen Bären": Gojko Mitic als Tokei-ihto in der DEFA-Verfilmung von 1967 Bildrechte: MDR/Progress/Waltraut Pathenheime

40. Todestag von Liselotte Welskopf-Henrich "Die Söhne der Großen Bärin" – Der Gegenentwurf zu "Winnetou"

Mit ihren Romanen über die "Söhne der Großen Bärin" begeisterte Liselotte Welskopf-Henrich Generationen von Kindern. Dabei war sie eigentlich studierte Althistorikerin und das Schreiben nur eine Nebentätigkeit. Ihre Indianer-Erzählungen verfasste sie nach gründlicher Recherche – im Bemühen um eine möglichst realistische Darstellung. Karl Mays "Old Shatterhand" war ihr zu vollkommen, "Winnetou" zu sanft.

Tokei-ihto (Gojko Mitic) ist nach der Ermordung seines Vaters der neue Häuptling der Bärenbande.
"Die Söhne der großen Bären": Gojko Mitic als Tokei-ihto in der DEFA-Verfilmung von 1967 Bildrechte: MDR/Progress/Waltraut Pathenheime

Liselotte Welskopf, 1901 in München geboren, studiert in Berlin Jura, Ökonomie, Alte Geschichte und Jura. 1938 schließt sie sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an, versteckt den Kommunisten Rudolf Welskopf, ihren späteren Ehemann, vor der Gestapo. Die Erfahrungen verarbeitet sie in den Romanen "Jan und Jutta" und "Zwei Freunde". Später beginnt sie ihre wissenschaftliche Karriere als Althistorikerin an der Berliner Humboldt Universität und erlangt internationale Anerkennung. Den größten Erfolg aber beschert ihr die literarische Nebentätigkeit.

Bekanntestes Buch: "Die Söhne der Großen Bärin"

Schon als 17-Jährige beginnt Liselotte Welskopf mit der Konzeption der Geschichten um den Dakota-Häuptling Mattotaupa und seinen Sohn Harka mit dem Kriegernamen Tokei-ihto. Der Freiheitskampf der nordamerikanischen Indianer fasziniert sie:

Und auf der anderen Seite hing es auch damit zusammen, dass ich von keinem Indianer-Buch, das ich hatte, ganz befriedigt war. Karl May reizte meinen Widerspruch, weil sein Old Shatterhand zu vollkommen war. Und Winnetou war mir zu sanft mit seinen Madonnenaugen.

Also keine edlen Krieger mit bronzener Haut. Die studierte Althistorikerin Liselotte Welskopf bemüht sich bei der Darstellung ihrer Helden um größtmöglichen Realismus: "Ich habe mich Jahrzehnte hindurch bemüht, alles Material über Indianer, speziell über Prärieindianer, das ich finden konnte, zu sammeln und zu studieren, ausländische Museen besucht, die Autobiographien von Indianern gelesen und so weiter. Also alle Methoden der Forschung genutzt zu mich zu informieren."

Aus "Die Söhne der Großen Bärin" Frei und wild lag die Prärie zu Füssen des Felsengebirges. Die Söhne der Großen Bärin befanden sich in jenem Frühling mit 15 Zelten auf Wanderschaft. Ihren Namen trugen sie nach einer alten Sage, nach der eine Bärin ihre Ahnmutter war.

Altberliner Verlag wagt Veröffentlichung

1940 hat sie die erste Fassung des Romanzyklus vollendet, gibt sie nach Kriegsende an ostdeutsche Verlage. Eine Odyssee beginnt: Dietz lehnt ab, der Jugendbuchverlag Alfred Holz zögert jahrelang mit der Herausgabe. Verlegerin Lucie Groszer erinnert sich: "Holz hat gesagt, ja der Stoff ist gut, aber es muss ganz anders geschrieben werden, damit kam er natürlich bei Frau Professor nicht an, bei ihr war ja jeder Punkt und jedes Komma unumstößlich. Also da hat sie es auch wieder weg genommen. Und da war es inzwischen beim Kinderbuchverlag gelandet."

Groszer holte das Manuskript 1951 vom zögernden Kinderbuchverlag kurzerhand zu sich in den Altberliner Verlag: "Und am 15. oder 16. Dezember des gleichen Jahres bekam Frau Professor den Preis als bestes Jugendbuch, wurde ihr feierlich überreicht. Und ich schritt erhobenen Hauptes nach vorne zum Pult und überreichte ihr das erste fertige Exemplar."

Ehrenname Lakota-Tashina

Die "Söhne der Großen Bärin" werden zum Bestseller. Bis 1961 müssen elf Ausgaben nachgedruckt werden. Drei Jahre später erscheinen die Romane auch in der Bundesrepublik. Und in Übersetzungen in Bulgarien, Rumänien, Polen, der Sowjetunion. Die Verfilmung mit Gojko Mitić in der Rolle des Tokei-ihto wird zum Kassenschlager. Über ihren Erfolg sagte Liselotte Welskopf-Henrich: "Und schließlich hatte ich die Möglichkeit, nach Kanada und in die United States zu reisen und durfte den Söhnen und Enkeln der Männer begegnen, über die ich geschrieben habe. Diese Indianer haben mich so gefesselt, dass ich zu meiner eigenen Überraschung am 26. September 1965 nicht mehr umhin konnte, einen neuen Roman zu beginnen: 'Nacht über der Prärie'."

Aus "Nacht über der Prärie" entsteht bis 1980 die Pentalogie "Das Blut des Adlers". Der weltweit erste Gesellschaftsroman über zeitgenössische Reservationsindianer. Als größte Auszeichnung dafür gilt der Autorin, dass ihr die Stammesgruppe der Oglala einen Ehrennamen verleiht: Lakota-Tashina – "Schutzdecke der Lakota".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juni 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2019, 04:00 Uhr

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