Burg Giebichenstein, Kunsthochschule in Halle
Saša Stanišić, Nora Bossong und Ann Cotten werden bei "Literatur im Volkspark" in Halle erwartet Bildrechte: imago/Felix Abraham

Lesereihe in Halle "Literatur im Volkspark": Das sind die Highlights

Im November und Dezember kommen Autorinnen und Autoren nach Halle, die zu den meistdiskutierten der aktuellen Buch-Saison gehören. Ihre Bücher spielen dort, wo Menschen und Ideen aufeinanderprallen, wo gesellschaftliche oder private Konflikte ausgetragen und durchlitten werden. Wir haben die fünf spannendsten Lesungen der "Literatur im Volkspark" zusammengetragen.

von Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Burg Giebichenstein, Kunsthochschule in Halle
Saša Stanišić, Nora Bossong und Ann Cotten werden bei "Literatur im Volkspark" in Halle erwartet Bildrechte: imago/Felix Abraham

Terézia Mora: "Auf dem Seil"

Über drei Romane hinweg hat Büchnerpreisträgerin Terézia Mora ihren Helden Darius Kopp begleitet. Kopp ist ein Mensch, der sich auf dem schmalen Grat zwischen Absturz und Normalität bewegt. Nun, im letzten Buch, "Auf dem Seil", findet der nach dem Tod seiner Frau der Welt verloren gegangene Held zurück zu den Urformen menschlichen Miteinanders: zu Anteilnahme und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Mora erzählt davon – in wacher, die Grenzen des Sagbaren stets neu verschiebender Sprache.

Angaben zur Veranstaltung 12. November 2019, 19:30 Uhr | Moderation: Doris Sossenheimer

Saša Stanišić: "Herkunft"

Sasa Stanisic, deutschsprachiger Schriftsteller aus Bosnien Herzegowina
Saša Stanišić Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Deutscher Buchpreis für "Herkunft" – und dazu gleich noch eine Attacke gegen den neuen Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke. Saša Stanišić, 1992 aus Bosnien nach Deutschland gekommener Autor, verteidigt mit seiner Kritik an Handke vehement eine – und in diesem Fall seine – Lesart des Jugoslawien-Konflikts, den Stanišić als Kind erlebt und vor dem er geflüchtet ist. Poetisch beschrieben wird das daran geknüpfte Verständnis von Heimat und Fremde in Stanišić’s "Herkunft". Biografie ist Zufall – und folgt eben doch den tragischen und komischen Gesetzen des Lebens.

Angaben zur Veranstaltung 14. November 2019, 19:30 Uhr | Moderation: Doris Sossenheimer

Jan Brandt: "Eine Wohnung in der Stadt/ ein Haus auf dem Land"

Die Mieten steigen – und lassen die Künstler und Freiberufler gerade im teuren Berlin nach Alternativen suchen. Eine solche Alternative könnte das Leben auf dem Land sein, zumal wenn sich dort, wie bei Jan Brandt, ein Teil der eigenen Biografie abgespielt hat. Und so erzählt der Autor von Eigenbedarfsklagen, Wohnungssuche, Landflucht und dem Leben als Mieter und Künstler in der deutschen Hauptstadt. "Eine Wohnung in der Stadt/ ein Haus auf dem Land" ist Buchtitel und Überlebensprogramm in einem!

Angaben zur Veranstaltung 21. November 2019, 19:30 Uhr | Moderation: André Schinkel

Nora Bossong: "Schutzzone"

Nora Bossong, 2015
Nora Bossong Bildrechte: dpa

Mira Weidner arbeitet bei der UNO, zunächst in New York und Burundi, nun in Genf. Ein Leben für die Völkerverständigung, das sich dennoch seltsam leer anfühlt. Nora Bossong spürt dieser "Biografielosigkeit" nach – in ihrem neuen Roman "Schutzzone". Was bleibt, wenn die eingeübten moralischen Richtlinien des Westens sich nicht mehr bewähren? Ist das, die durchorganisierte Hilfsbereitschaft des Westens, nicht eigentlich ein Eingeständnis politischer Schwäche? Nora Bossong gibt keine Antworten, stellt aber, nachdrücklich und souverän, die richtigen Fragen.

Angaben zur Veranstaltung 28. November 2019, 19:30 Uhr | Moderation: Doris Sossenheimer

Ann Cotten: "Lyophilia"

Schriftstellerin Ann Cotten
Ann Cotten Bildrechte: imago/Stephan Görlich

Mit ihrem neuen Buch bewegt sich Ann Cotten in versponnenen und zugleich höchst originellen Erzählungen straff Richtung Zukunft: Ihre Geschichten spielen im Weltall, in Shuttle-Bars oder in den Köpfen von Wesen, die sich vor Bildschirmen "Feedback-Portionen" reinziehen. Ann Cotten entwirft eine hochgestimmte, fantastische Literatur, in der die Sätze zugleich durch die Sprach- und Denk-Labore des 20. und frühen 21. Jahrhunderts gezogen sind. Robert Musil und Heimito von Doderer, Ludwig Wittgenstein und Oswald Wiener mögen zu Cottens Vertrauten gehören, angereichert mit Jules Verne, Stanislaw Lem und Lieutenant Uhura. So etwas hat man in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur lange nicht gelesen.

Angaben zur Veranstaltung 2. Dezember 2019, 19:30 Uhr | Moderation: Mena Standhaft

"Literatur im Volkspark" Die Lesereihe findet vom 12. November bis 2. Dezember 2019 statt, veranstaltet von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, dem Verein Volkspark e.V. und der Stadt Halle.

Adresse:
Schleifweg 8a
06114 Halle

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. November 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 04:00 Uhr

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