Auszeichnung Magdeburger Schriftstellerin Annett Gröschner erhält den Berliner Kunstpreis

Die Magdeburger Schriftstellerin Annett Gröschner
Journalistin, Schriftstellerin und gebürtige Magdeburgerin Annett Gröschner Bildrechte: Susanne Schleyer

Die Schriftstellerin und Journalistin Annett Gröschner erhält den Großen Kunstpreis Berlin. In der Jury-Begründung heißt es, sie sei "eine unermüdliche Chronistin der Stadt, ihrer Geschichte, ihrer Veränderung und natürlich ihrer Bewohner:innen". Der mit 15.000 Euro dotierte Preis soll am 18. März 2021 verliehen werden. In welcher Form die Preisverleihung stattfindet, wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Romandebüt mit "Moskauer Eis"

 "Buch-Cover 'Moskauer Eis
Annett Gröschners Debüt-Roman "Moskauer Eis" erzählt eine bizarre Familiengeschichte. Bildrechte: aufbau verlag

In den letzten Jahren lenkte Annett Gröschner ihren literarischen Blick verstärkt auf ihre Wahlheimat Berlin. Zuletzt erschien ihr Buch "Berliner Bürger*stuben. Palimpseste und Geschichten". Ihr literarisches Debüt gab sie jedoch mit ihrem Roman "Moskauer Eis" – eine erzählerische Annäherung an die Lebenswirklichkeit in der DDR. Der Roman wurde erfolgreich im Gorki-Theater Berlin sowie im Theater Magdeburg als Bühnenstück inszeniert.

Annett Gröschner bringt ostdeutsche Nachwendegeschichte in die Literatur

Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus präsentierte Annett Gröschner gemeinsam mit dem Fotografen Arwed Messmer eine Ausstellung samt Buch mit dem Titel "Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer“. Das Projekt zeigt Bilder von Mauerstreifen aus DDR-Innensicht, die bis zur Wende unter Verschluss gehalten wurden. Nach ihrem in Berlin spielenden Großstadtroman "Walpurgisnacht" verortet Annett Gröschner die Handlung ihres Buches mit dem Titel "Schwebende Last" zurück nach Magdeburg. Anhand des Porträts einer dort ansässigen Kranfahrerin zeichnet sie darin die Geschichte der Industrialisierung des Ostens nach. Sie schrieb Teile des Buches während ihres Stipendiums an der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Auch ihr Roman "Berolinas zornige Töchter“ verarbeitet ein Stück DDR-Geschichte, nämlich die der Frauenbewegung in Ost und West.

Es geht allgemein immer um Menschen, die von den Verhältnissen um sie herum bedroht oder traumatisiert sind, vom Krieg oder von der Wende.

MDR Kultur-Redakteur Jörg Schieke

MDR Kultur-Redakteur Jörg Schieke lernte Annett Gröschner Anfang der 2000er während seiner Tätigkeit als Lektor beim Gustav Kiepenheuer Verlag in Leipzig persönlich kennen. Im Gespräch mit MDR Kultur betont Schieke insbesondere Gröschners Rolle als Schriftstellerin in der Nachwendezeit sowie ihr Gespür für soziale Verhältnisse und gefährdete Biografien. Die Grenzen zwischen Journalismus und Belletristik würden in Gröschners Texten verschwimmen, so Schieke: "Bei Annett Gröschner sind die Stoffe und Geschichten, die sie ergründet, viel zu stark und bewegend, als dass sie nicht von einer Reportage oder einem Sachbuch in den nächsten Roman drängen. Das hat ihren belletristischen Texten immer gut getan".

Großer Kunstpreis Berlin 2021

Die Akademie der Künste vergibt den Großen Kunstpreis Berlin im Turnus ihrer sechs Sektionen im Auftrag des Landes Berlin. Bei der Vergabe durch die Sektion Literatur wird der Kunstpreis auch als "Fontane-Preis" bezeichnet. Die Jury bilden die Akademie-Mitglieder Ulrich Peltzer und Monika Rinck gemeinsam mit der Literaturkritikerin Wiebke Porombka.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Januar 2021 | 17:40 Uhr

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