Lubina Hajduk-Veljkovićowa Junger sorbischer Literatur stehen viele Türen offen

Schriftsteller und Schriftstellerinnen wie Jurij Brězan, Kito Lorenc und Róža Domašcyna haben die sorbische Literatur bekannt gemacht. Doch in der sorbischen Kulturszene werden auch junge Autorinnen und Autoren gesucht. Dafür setzt sich die Lubina Hajduk-Veljkovićowa ein. Sie schreibt unter anderem Kriminalromane, unterrichtet Sorbisch an der TU Dresden und junge Menschen bei ihrer ersten Veröffentlichung.

Lubina Hajduk-Veljkovićowa
Die sorbisch-sprachige Autorin Lubina Hajduk-Veljkovićowa Bildrechte: Domowina-Verlag

Zugegeben, eine Schriftstellerin vorzustellen ohne etwas von ihr gelesen zu haben, ist eigentlich nicht journalistisch einwandfrei. Im Fall von Lubina Hajduk-Veljkovićowa geht es aber nicht anders, denn die Autorin schreibt ausschließlich auf Sorbisch. Wer nicht zu denjenigen gehört, die diese Sprache beherrschen, dem bleiben Geschichten, die sich hinter Titeln wie "W putach Čorneho pana" oder "Módre buny" verstecken, leider verschlossen.

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Jurij Brezan
Der Autor Jurij Brezan Bildrechte: MDR

"Ich war ganz stolz, dass meine Tante, die lange kein sorbisches Buch mehr gelesen hat, meinen Krimi 'Módre buny' gelesen hat und das cool fand", erzählt Lubina Hajduk-Veljkovićowa, Autorin von Krimis, einem Fantasyroman und etlichen Kinderbüchern. Leichte Unterhaltungsliteratur, sagt sie selbst dazu: "Es gibt die großen Schriftsteller, wie Jurij Koch oder Jurij Brězan und am Anfang habe ich mich gefragt, ob ich diese Latte jemals erreichen kann? Irgendwann dachte ich aber: Ich will das gar nicht! Ich will mich frei austoben." Der Erhalt der sorbischen Sprache ist für sie ein großes Thema. Trotzdem – oder gerade deshalb – schreibt sie in einem möglichst einfachen Duktus.

Die Bemühungen in den letzten vielen, vielen Jahrzehnten war es, die Sprache auf ein hohes Niveau zu bringen. Das hat seine Berechtigung, aber viele fühlen sich davon abgehängt.

Lubina Hajduk-Veljkovićowa

Großer Bedarf an sorbischen Geschichten

Hajduk-Veljkovićowa verknüpft lieber Themen, die sie interessant findet mit einem regionalen Aspekt. Im neusten Krimi "Módre buny" ermittelt eine junge Kommissarin im Bautzener Sportmillieu. Für eine andere Geschichte schickte sie einen sorbischen Forscher an der Seite des Entdeckers Franz Wilhelm Junghuhn nach Sumatra.

"Das Schöne im sorbischen Bereich ist, dass man so vielseitig sein kann und dass der Bedarf so groß ist. Andererseits gibt es nicht so viele, die das mitmachen, sodass viel auf einem lastet", sagt die Autorin, die regelmäßig für die Kinderzeitschrift "Płomjo" schreibt, Hörspiele und Songtexte für das sorbische Radioprogramm des MDR verfasst, Theaterstücke übersetzt und Obersorbisch an der TU Dresden lehrt. Für junge Autoren stehen, so Hajduk-Veljkovićowa, in der sorbischen Kulturszene viele Türen offen.

Zeitschrift "Paternoster"

Eine solche Tür ist der Schreibwettbewerb, den der in Bautzen ansässige Domowina-Verlag alle zwei Jahre auslobt. Autorinnen und Autoren unter 35 Jahren, die noch kein eigenes Buch veröffentlicht haben, können sich beteiligen. Die Gewinnertexte werden in der Anthologie "Paternoster" vorgestellt. "Da kommen immer eine ganze Reihe von Texten zusammen, vor allem kurze Prosa, aber auch relativ viel Lyrik. Das ist das Reservoir, aus dem die Hefte entstehen", erklärt Maria Matschie, die als Lektorin des Domowina-Verlags an der Entstehung von "Paternoster" beteiligt war. Viele wagen mit dem Wettbewerb erste Schritte auf noch unbekanntem Terrain. "Da entstehen keine perfekten, literarischen Texte. Der Wettbewerb und die Veröffentlichung haben eigentlich den Sinn, dass sich junge Leute an Veröffentlichungen gewöhnen, dass sie Arbeit am Text erleben und dass sie Kritik einstecken können", sagt Matschie. Immer wieder konnten auf diese Weise Talente entdeckt und gefördert werden.

Jednaćelka Marka Maćijowa z wurězkom programa Ludoweho nakładnistwa Domowiny za knižne wiki w Lipsku
Lektorin Maria Matschie vom Domowina-Verlag Bildrechte: MDR/Měrćin Wjenk

Auch Hajduk-Veljkovićowas literarische Laufbahn begann mit der Veröffentlichung in "Paternoster". Inzwischen sitzt sie selbst in der Jury und hilft dem literarischen Nachwuchs auf den Weg. "Wobei man immer halt wissen muss, dass man ein kleines Wirkungsfeld hat", gibt sie noch zu bedenken. "Aber es wird immer auch die geben, die nicht das große Publikum brauchen." Das mit dem Publikum ist ohnehin relativ. Sprachunkundige, die jetzt neugierig geworden sind, können immer noch auf eine Übersetzung der Bücher hoffen. Oder sie lernen Sorbisch – zum Beispiel in einem Kurs von Lubina Hajduk-Veljkovićowa.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. September 2020 | 14:15 Uhr

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