Buchtipp Warum Thüringens Burgenreichtum einmalig ist

2010 ist der Verein "Burgenstraße Thüringen" gegründet worden, um auf die Wartburg, die Heldburg, Burgen in Weimar, Altenburg oder im Kyffhäuser aufmerksam zu machen und sie besser zu erhalten. Der neue Bildband "Die Burgenstraße Thüringen" würdigt auf 300 Seiten den Burgenreichtum Thüringens, bietet spannende Fakten und faszinierende Luftaufnahmen.

Wasserburg Heldrungen 4 min
Bildrechte: imago/imagebroker

Es gibt viele Bücher über Burgen, auch in Thüringen. Doch jetzt ist ein neues auf dem Markt, das speziell die Burgenstraße unter die Lupe nimmt. Mit vielen Details, Skizzen und Luftbildern ist es großformatig im Michael Imhof Verlag erschienen. Auf knapp 300 Seiten werden mehr als 30 Burgen umfangreich erklärt und manches neue Detail beschrieben. Dort heißt es: "Mehr als 25.000 Burgen sind in den deutschsprachigen Ländern noch ganz oder als Ruine erhalten. Zwischen 500 und 1.000 davon stehen oder standen in Thüringen."

Thüringen ist burgenreicher als der Mittelrhein

Ullrich Großmann, Burgenexperte, Historiker und ehemaliger Direktor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, hat das Buch "Die Burgenstraße Thüringen" geschrieben. Er beschreibt, warum Thüringen für ihn ein Burgenland ist: "Bisher sagte man, der Mittelrhein ist die Burgenregion Deutschlands, dem will ich nicht widersprechen – der Bereich zwischen Bingen und Koblenz ist burgenreich, und an den Ufern des Rheins fallen sie besonders auf. Thüringen ist burgenreicher, und schon 1700 hat es Bücher über Burgen in Thüringen gegeben, da hat man sich andernorts für Burgen noch überhaupt nicht interessiert."

2010 ist der Verein "Burgenstraße Thüringen" gegründet worden, um auf die Orte noch mehr aufmerksam zu machen und sie besser zu erhalten. Genau darauf zielt auch das neue Buch ab. Zwei Jahre hat Ullrich Großmann daran gearbeitet.  Entstanden ist ein großes, opulentes Buch. Nichts für den Wanderrucksack. Es wiegt zwei Kilo und bietet Burgen-Wissen kompakt.

Erstaunlich gut erhalten

Früher gehörte jede Burg zu einer bestimmten Herrschaft. Wer heute unterwegs ist, kann die Dichte der Bauwerke bewundern und sieht besonders viele gut erhaltene Bauten. Großmann erklärt: "Wir haben etwa mit dem Kyffhäuser Bauwerke, die bis ins 11. und frühe 12. Jahrhundert zurückgehen, mit der Wartburg, mit Weißensee zwei ganz prominente Bauten des 12. Jahrhunderts in einem Erhaltungszustand trotz aller Überformungen, der in anderen Bundesländern so kaum anzutreffen ist. Wir haben fantastische spätmittelalterliche Burgen und Burgruinen."

Die Wartburg bei Eisenach
Mittelalterliche Burg in gutem Zustand und Touristenmagnet: die Wartburg bei Eisenach Bildrechte: Wartburg-Stiftung Eisenach

Was Ullrich Großmann in all der Detailarbeit fasziniert hat, sind manchmal Kleinigkeiten, die doch Überraschungen in seiner Recherche waren. Er fand Bauten, die auf einmal etwas älter oder auch etwas jünger waren, als bisher angenommen sowie bislang unentdeckte Räume. Er vermutet beispielsweise, auf der Wartburg die historischen Zugangswege in das Innere des Hauptgebäudes gefunden zu haben.

Jüngere Geschichte wird ausgespart

2003 fiel die Entscheidung, auf der Heldburg im thüringisch-fränkischen Raum das erste überregionale Burgenmuseum einzurichten. Ein fantastisches Luftbild ziert das Buchcover. Doch im Kapitel fällt eines auf: Die Tatsache, dass hier auch einst ein DDR-Kinderheim war, wird im Buch nicht erwähnt, mit keiner Silbe. Trotz oder wegen der teils beschämenden Zeugenaussagen ehemaliger Heimkinder?

Der Autor spart die Nutzung der Burgen im 19. und 20. Jahrhundert bewusst aus. "Es gab auch in Hessen, wo ich eigentlich herkomme, Burgen, in denen Kinder misshandelt worden sind und Schlimmeres. Das gehört aber nicht in ein Buch zu Burgen der Burgenstraße", meint Großmann.

Veste Heldburg von außen
Beherbergte zu DDR-Zeiten ein Kinderheim: die Veste Heldburg Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Auch dass während der DDR-Zeit manches Objekt verloren ging, nicht saniert oder überformt wurde, ist nicht das Anliegen von Ullrich Großmann, der aber sagt: "Die DDR-Zeit hat Burgen nicht im Blickfeld gehabt, ganz klar. Das galt als Feudalarchitektur und auf den Gedanken, dass die Burgen nicht von den Adeligen selbst gebaut worden sind, nicht einmal von ihnen selbst finanziert worden sind, sind nur ganz wenige seinerzeit gekommen."

Der Autor wünscht sich, dass die Leser des großen, neuen Burgen-Buches nicht nur die Thüringer Burgenstraße neu erkunden mögen, um das Interesse an den Bauwerken zu wecken. Er will Wissen vermitteln und damit auch den historischen Wert – zumindest den des frühen und späten Mittelalters. 

"Die Burgenstraße Thüringen"
Bildrechte: Imhof Verlag

Angaben zum Buch G. Ulrich Großmann: "Die Burgenstraße Thüringen"
Michael Imhof Verlag 2021
Gebunden, 304 Seiten
Preis: 25 Euro
ISBN: 978-3-7319-1168-5

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. August 2021 | 12:40 Uhr

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