Weihnachtsgeschäft Was der Corona-Lockdown für Buchhandlungen bedeutet

Der bundesweite Corona-Lockdown trifft auch Buchhandlungen. Jedoch gibt es keine einheitliche Regelung für alle Bundesländer. In manchen Ländern sind die Buchläden weiter geöffnet, anderswo geschlossen und manche können trotz Schließung als Abholstelle genutzt werden. Was das für das Weihnachtsgeschäft bedeutet und wie die Situation in Mitteldeutschland ist, erklärt Helmut Stadeler im Interview. Er ist Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

MDR KULTUR: Wie ist denn nun der aktuelle Stand in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Wie und wo kann man ab dem 16. Dezember noch Bücher kaufen?

Helmut Stadeler: Vielleicht gibt es doch einige wenige Ausnahmen, aber die meisten Buchhandlungen haben inzwischen einen Online-Shop, sodass man dort Bücher kaufen kann. Und die meisten haben inzwischen einen Lieferdienst eingerichtet, dass das also auch ganz schnell bei jemandem zu Hause ist. Das heißt, wenn überhaupt so wie in Sachsen Buchläden direkt nicht offen sind, besteht immer die Möglichkeit, beim örtlichen Buchhändler im Internet zu kaufen. Und der wird klarmachen, wie er das dann zum Kunden bringt.

In Sachsen-Anhalt wird man weiterhin in das Buchgeschäft gehen können. Da wird es vielleicht diverse Hygieneauflagen geben mit Einschränkungen der Personenzahl oder all solcher Dinge. Das wird man dann vor Ort sehen. Aber kann man ganz normal zum Buchhändler seines Vertrauens gehen. Und in Thüringen wird es so sein, dass die Möglichkeit besteht, elektronisch oder telefonisch zu bestellen und dann vor Ort abzuholen. Also letztendlich einen Abholdienst, der auch in einem gewissen Umfang in Sachsen möglich sein wird.

Also in Thüringen und Sachsen kann online bestellt werden, und das wird dann nach Hause geliefert?

In Thüringen kann man auch direkt abholen. Dann hat der Buchhändler vielleicht eine Kiste draußen hingestellt, wo dann die Lieferung bereitsteht oder anderes. Da ist dann auch jeder Buchhändler sehr kreativ gewesen im ersten Lockdown. Und wir werden auch diesmal wieder sehen, dass das sehr gut funktionieren kann.

Der Börsenverein hat sich starkgemacht für eine bundesweite Öffnung der Buchläden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters meinte, gerade in der Pandemie-Zeit ist uns das Buch mehr als sonst Kulturerlebnis und Seelennahrung zugleich. Wie wichtig ist das Buch denn für die Menschen gerade in diesen Zeiten?

Alles, was unser Leben ist oder aber auch Spaß, Unterhaltung, Spannung im Krimi oder mal Entspannung – dass man mal was ganz anderes denkt – all das findet man in Büchern. Und das regt unseren Geist an. Das ist natürlich ein toller Ausgleich, finde ich.

Gibt in diesem Jahr eine spürbare Veränderung im Kaufverhalten der Bevölkerung? Kaufen nun vermehrt viele lieber online als im Buchladen und verzichten da auch auf die Beratung?

Glücklicherweise sind unsere Buchhandlungen so aufgestellt, dass wir eigentlich von sehr vielen Buchhandlungen gehört haben, dass sogar mehr verkauft worden ist als in den letzten Jahren. Dass natürlich das Gespräch wichtig ist. Zum Teil erfolgt das eben jetzt in WhatsApp-Gruppen, über Telefon oder über andere Kanäle. Aber dieses Vertrauen in den Buchhändler vor Ort ist eher gewachsen als gesunken. Natürlich wird es auch den einen oder anderen keine Steuern bezahlenden Online-Händler geben. Die haben natürlich in so einer Situation auch profitiert. Aber ich bin sehr glücklich, dass eigentlich der Wert von unabhängigen Buchhandlungen auch in der Krise sich deutlich gezeigt hat.

Das Gespräch führte Moderatorin Constanze Kittel für MDR KULTUR.

Literaturbetrieb und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Dezember 2020 | 13:10 Uhr

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