Literarischer Jahresrückblick Lesenswert: 10 Bücher von Autorinnen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Die Leipziger Autorin Ronya Othmann veröffentlichte ihren ersten Gedichtband und Bestseller-Autorin Sabine Ebert beendete ihre historische Roman-Trilogie: 2021 war ein spannendes Bücher-Jahr für Autorinnen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ob Roman, Comic oder Sachbuch – diese zehn Bücher von Autorinnen aus Leipzig, Chemnitz, Gera, Weimar, Halle, Aschersleben und Zerbst empfehlen wir Ihnen besonders.

Kati Naumann, Anna Haifisch und Sabine Ebert
Schriftstellerinnen Kati Naumann, Anna Haifisch und Sabine Ebert. Bildrechte: HarperCollins Germany / ariane film gmbh / Helmut Henkensiefken, Pixxwerk

Historischer Gesellschaftsroman über Chemnitz von Patricia Holland Moritz

Dass Chemnitz mehr Stadtgeschichte zu bieten hat als den Karl-Marx-"Nischel", beweist Patricia Holland Moritz in ihrem Gesellschaftsroman "Kaßbergen". In vielen kurzen Kapiteln entwirft die Autorin ein historisches Panorama der sächsischen Stadt, durch das sich als roter Faden die Geschichte des Mädchens Ulrike zieht, die hier in den 70er- und 80er-Jahren aufwächst. Autorin Patricia Holland Moritz erzählt authentisch von der Jugend in der DDR – denn sie selbst wurde in dem Chemnitzer Jugendstil-Viertel Kaßberg geboren.

Jugendbuch über Freundschaft und Erwachsenwerden von Judith Burger

Die Leipziger Autorin Judith Burger hat mit ihrem Debüt "Gertrude Grenzenlos" das DDR-Lebensgefühl für Kinder begreifbar gemacht. Auch in ihrem aktuellen Roman "Ringo, ich und ein komplett ahnungsloser Sommer" gelingt es ihr, die Gefühlswelt von jüngeren Lesern und Leserinnen einzufangen, die noch nicht richtig raus sind aus der Kindheit und noch nicht drin sind im "Erwachsensein". Im Zentrum steht die besondere Freundschaft zwischen den beiden (Fast-)Teenagern Asta und Ringo, die in einem Theatercamp auf eine harte Probe gestellt wird.

Ein Comic als gezeichnete Oper von Anna Haifisch

Die Leipzigerin Anna Haifisch gehört zu den international erfolgreichsten deutschen Comic-Künstlerinnen. Sogar das Museum of Modern Art in New York hat für seine Internetseite schon einen Comicstrip aus ihrer "The Artist"-Reihe bestellt. Das Außergewöhnliche an ihrem aktuellen Band "The Artist – Ode an die Feder": Haifisch hat das Comic als gezeichnete Oper angelegt und dafür ein gereimtes Libretto verfasst. Den englischen Text hat der Dresdner Lyriker Marcel Beyer ins Deutsche übersetzt.

Erster Gedichtband von Erfolgsautorin Ronya Othmann

Ronya Othmann gilt nach ihrem Roman "Die Sommer" als Shootingstar der Erzählkunst. Doch die Leipziger Autorin beschränkt sich nicht nur auf Prosa: Unter dem Titel "die verbrechen" ist 2021 ihr erster Lyrikband erschienen. Inhaltlich thematisiert Othmann ihre jesidisch-kurdische Herkunft und die Verbrechen an diesen Minderheiten, formal zeigt sie sich experimentierfreudig. Mit faszinierenden Naturbildern und Metaphern, die an Günter Eich oder Johannes Bobrowski erinnern, entfalten ihre Gedichte jede Menge Suchtpotential.   

Bildband zu DDR-Bau in Gera - herausgegeben von Claudia Tittel

Als das "Kultur- und Kongresszentrum" in Gera vor 40 Jahren gebaut wurde, mussten Teile der thüringischen Altstadt abgerissen werden. Heute gilt das Bauwerk als Denkmal, besonders beliebt ist es in der Bevölkerung dennoch nicht. Claudia Tittel will das als Kulturamtsleiterin in Gera ändern und das Gebäude in ein "Haus der Kulturen" umwandeln. Für die Jubiläumsschrift "HdK – Haus der Kultur Gera" hat sie historische Fotos und Baupläne wieder hervorgeholt und mit einem Kunsthistoriker zusammengearbeitet. Ihr Ziel: das geringe Verständnis für die DDR-Moderne verbessern und den "Palast der Republik im Kleinen" fördern. 

Roman über Sonneberger Spielzeugdynastie von Kati Naumann

Schriftstellerin Kati Naumann, die in Leipzig lebt und dort geboren wurde, bekennt mit ihrem Roman "Wo wir Kinder waren", dass Sonneberg ihr Sehnsuchtsort ist. In dem thüringischen Ort hat sie als Kind viel Zeit bei ihren Großeltern verbracht – ähnlich wie die Familie Langbein in ihrem Buch besaß ihr Urgroßvater eine Puppenfabrik. Wie im Vorübergehen erzählt die Autorin im Roman nicht nur das Leben einer Spielzeug-Dynastie, sondern die Zeitgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart gleich mit. Die 500 Seiten sind nicht nur etwas für Fans der Sonneberger Spielzeuge: Es ist der Enthusiasmus der Autorin, der einen mitreißt.

Nature-Writing und Umweltschutz in Gedichten von Daniela Danz

Mit dem Gedichtband "Wildniß" hat die Thüringer Schriftstellerin Daniela Danz für viel Aufmerksamkeit gesorgt, unter anderem erhielt sie dafür den Deutschen Preis für Nature Writing. In ihren Gedichten beschäftigt sich Danz mit aktuellen Themen wie der Corona-Pandemie, Migration, aber vor allem mit der Natur. Ganz im Sinne ihrer Vorläufer Sarah Kirsch und Günter Kunert, die vor Umweltverschmutzung und globalem Kollaps warnten, macht sich Danz mit ihrem Gedichtband zur Fürsprecherin der sterbenden Umwelt. Sie setzt beim Klimaschutz mit aller Radikalität auf ein Mittel: die Kunst.

Letzter Teil der Völkerschlachts-Trilogie von Sabine Ebert

Sabine Ebert landete mit dem Roman "Das Geheimnis der Hebamme" 2006 ihren ersten großen Coup. Das Buch, das von der Entstehung der Erzgebirgsstadt Freiberg handelte, wurde zum Bestseller. Es folgte die Völkerschlachtstrilogie, die nun von der Autorin aus Aschersleben mit "Die Zerbrochene Feder" spannend zum Ende gebracht wurde. Ihre Hauptfigur, eine Witwe namens Henriette Trepte, entwickelt sich darin zu einer radikalen Kritikerin der sozialen und politischen Verhältnisse in Deutschland. Mit aller Präzision schildert Ebert geschichtliche Situationen und mischt dabei plastisch und unterhaltsam Realität und Fiktion.

Kinderbuch von Saša Stanišić mit Illustrationen von Katja Spitzer

Der preisgekrönte Autor Saša Stanišić hat für sein erstes Kinderbuch "Hey, hey, hey, Taxi!" mit der Illustratorin Katja Spitzer zusammengearbeitet. Die in Zerbst geborene Künstlerin studierte in Halle sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Zu den Taxi-Geschichten, die sich Stanišić gemeinsam mit seinem Sohn ausgedacht hat, lieferte die Sachsen-Anhalterin die passenden Bilder und bunten Figuren. Die Illustrationen sind farbig, launig und jede Seite ein Angebot an die kindliche Fantasie – zum Mitdenken, Mitspielen und Nachzeichnen.

Sachbuch über DDR-Umerziehungslager von Grit Poppe

Schriftstellerin Grit Poppe hat am Literaturinstitut in Leipzig studiert und ist bekannt für ihre Jugendbücher wie den ausgezeichneten Roman "Weggesperrt". Gemeinsam mit ihrem Sohn Niklas hat sie ein Sachbuch mit einem ähnlichen Titel geschrieben: "Die Weggesperrten" handelt von Kindern und Jugendlichen, die in der DDR als "schwer erziehbar" galten und in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen in Wittenberg, Freital oder Torgau landeten. Noch heute haben viele ehemalige Insassen mit dem Trauma zu kämpfen. Die Autorin und ihr Sohn dokumentieren in ihrem Buch das Leid der Kinder und Jugendlichen – und lassen sie selbst zu Wort kommen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. November 2021 | 18:05 Uhr

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