Literaturtipps Neue Bücher aus und über Dresden

Dresden ist die Heimatstadt von Schriftstellern wie Ingo Schulze, Frank Goldammer und Peter Richter. Auch für Helga Schütz wurde die Stadt an der Elbe ab 1944 zur neuen Heimat. Kaum verwunderlich also, dass Dresden in den Büchern dieser Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein immer wiederkehrendes Motiv ist. Wir stellen Ihnen literarische Neuerscheinungen aus und über Dresden vor, die im Jahr 2021 erschienen sind.

Eine Collage aus fünf Buchcovern: Jens Wonneberger: "Flug der Flamingos", Frank Goldammer: "Verlorene Engel", Peter Richter: "August", Helga Schütz: "Heimliche Reisen", Andreas Krase: "Dresden in Fotographien des 19. Jahrhunderts" und Ingo Schulze "Dresden wieder sehen"
Erschienen 2021: Neue Bücher aus und über Dresden. Bildrechte: Verlag Müry Salzmann/Wallstein Verlag/Aufbau Verlag/dtv/Hanser Verlag/Schirmer/Mosel Verlag

Roman von Jens Wonneberger: "Flug der Flamingos"

Der Dresdner Autor Jens Wonneberger gilt als Spezialist für schmale, hochverdichtete Romane über Einzelgänger, die sich mit der Welt um sie herum neu arrangieren müssen. So auch das Szenario in seinem neuen Roman "Flug der Flamingos": Ein traurig-missgelaunter Mann sitzt kaffeetrinkend vor seinem Haus und beobachtet den Nachbarn, der es zu etwas gebracht hat. Bis der plötzlich verschwindet.

Bücher von Ingo Schulze: "Dresden wieder sehen" und "Tasso im Irrenhaus"

"Dresden wieder sehen"

Seine Heimatstadt lässt den gebürtigen Dresdner Ingo Schulze nicht los. Das zeigt auch sein jüngstes Buch mit dem Titel "Dresden wieder sehen". Gleich im ersten der sieben Texte fragt sich der heute in Berlin lebende Schriftsteller, wie es eigentlich kommt, dass der Blick auf Dresden so verklärt ist, vor allem der vieler Dresdner selbst. Schulze bietet einen spannenden Exkurs in Geschichte und Gegenwart einer Stadt, die zuletzt weniger wegen ihrer weltberühmten Kultur von sich reden machte als mit Pegida-Aufläufen.

"Tasso im Irrenhaus"

Der Titel spielt auf ein berühmtes Delacroix-Gemälde an, das den wegen Wahnsinns eingesperrten italienischen Renaissance-Dichter Torquato Tasso in seiner Zelle zeigt. In seinem Erzählband "Tasso im Irrenhaus" kreist Ingo Schulze in drei Texten um drei Kunstwerke, plädiert fürs genaue Hinsehen und beleuchtet Fragen der Künstler-Existenz: Selbstzweifel, das Ringen um Anpassung und Konformität, die Frage nach dem Sinn der Arbeit. Typisch für Schulze verhandeln die drei Erzählungen keine ferne Vergangenheit, sondern deutsch-deutsche Zeitgeschichte.

Erinnerungsbuch von Helga Schütz: "Heimliche Reisen"

Man kann sein ganzes Leben woanders verbringen, doch der Ort der Kindheit schwindet nie aus den Erinnerungen. Das erfährt die Schriftstellerin Helga Schütz einmal mehr, als sie den 80. Geburtstag ihrer Mutter feiert und die plötzlich in die Runde fragt, wie weit es wohl sei, von Potsdam bis ins Riesengebirge. Helga Schütz, 1937 in Niederschlesien geboren, wuchs in Dresden auf und wurde in der DDR zur renommierten DEFA-Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Mit "Heimliche Reisen" hat sie ein Erinnerungsbuch vorgelegt, mit Stationen in Schlesien, Dresden und in den USA.

Krimi von Frank Goldammer: "Verlorene Engel"

Dresden im Herbst 1956: Kommissar Max Heller muss eine Reihe schwerer Vergewaltigungen aufklären. Ein letztes Mal schickt Bestseller-Autor Frank Goldammer ihn in seinem Krimi "Verlorene Engel" auf Spurensuche. Dabei werden Heller, der nie in die SED eintreten wollte und 1953 fast in den Westen gegangen wäre, auf einmal Avancen gemacht, Chef der Kripo in Dresden zu werden. Wie all das ausgeht, rollt Goldammer im sechsten und vorletzten Band der Krimi-Reihe um Max Heller auf.

Roman von Peter Richter: "August"

Mit seinem Wenderoman "89/90" landete der in Dresden geborene Journalist und Schriftsteller Peter Richter einen Bestseller. Wie es war, in den Wende- und "Baseballschläger"-Jahren im einstigen "Tal der Ahnungslosen" erwachsen zu werden, schildert er packend und detailreich, gespeist aus eigenem Erleben. Das Midlife-Personal seines jüngsten Romans "August" lässt er nun an den Stränden der berühmten Hamptons auf Long Island auf der Sonnenseite des Lebens stranden. Zwei Paare vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen über Landkommunen, Polyamorie oder Champagnermarken. Doch allmählich macht sich nicht Entspannung, sondern Leere breit – bis ein Guru auftaucht.

Fotoband von Andreas Krase: "Dresden in Photographien des 19. Jahrhunderts"

Dresden-Bücher gibt es viele. Eine echte Lücke füllt jedoch der Fotohistoriker Andreas Krase. Sein Fotobuch mit dem Titel "Dresden in Photographien des 19. Jahrhunderts" zeigt, wie mit der industriellen Revolution neue Zeiten in der barocken Stadt anbrachen, deren Gesicht sich Ende des 19. Jahrhunderts veränderte. Krase, der auch Kustos für Fotografie und Kinematografie an den Technischen Sammlungen Dresden ist, sichtete dafür tausende Aufnahmen. Der Band versammelt 250 der Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die zu einer faszinierenden Zeitreise einladen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. November 2021 | 14:15 Uhr

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